Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am Montag darüber informiert, wie der Zwischenstand bei der Suche nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager ist. Seit dem Jahr 2020 ist die BGE nämlich dabei, die Region für einen möglichen Standort immer weiter einzugrenzen. Kamen anfangs noch 90 sogenannte Teilgebiete in Frage, ist mittlerweile über die Hälfte dieser Flächen aussortiert, teilte die BGE heute mit.
Kein Atommüll-Endlager in Rheinland-Pfalz
Neuigkeiten gab es dabei vor allem für Rheinland-Pfalz. Hier ging es um ein Gebiet bei Guntersblum in Rheinhessen sowie eine Region rund um Bad Dürkheim in der Pfalz. Nun aber hat die Untersuchung von geologischen Daten ergeben: Der Untergrund dort eignet sich nicht, um darin Atommüll sicher zu lagern. Beide haben nur eine "geringe Eignung".
In der Begründung für das Gebiet rund um Guntersblum heißt es, die "tektonische Gesamtsituation" sei ungünstig. Der Untergrund sei außerdem durch ein "engräumiges Bruchstollenmosaik mit Störungen gekennzeichnet". Heißt: Es gibt zu viele geologische Unsicherheiten, um in einem solchen Untergund guten Gewissens hochradioaktiven Atommüll zu lagern.
Für das Gebiet in der Pfalz lautet die Begründung, über dem eventuell in Frage kommenden Gesteinsuntergrund sei "die sedimentäre Überdeckung größer als 200 Meter". Das bedeutet, dass es kaum möglich wäre, mit Bohrungen an dieser Stelle weiter zu erkunden.
Da in einem früheren Arbeitsschritt bereits ein weiteres Gebiet in Rheinhessen als "ungeeignet" ausgeschlossen worden war, steht nun fest: In Rheinland-Pfalz wird es definitiv kein Atommüll-Endlager geben.
Baden-Württemberg weiter im Rennen
Anders die Situation in Baden-Württemberg. Bisher galten weite Teile des Landes noch als mögliche Kandidaten für einen Endlager-Standort. Jetzt ist klar: Die meisten Regionen taugen nicht dafür, das haben die ersten beiden von vier Prüfschritten der vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen gezeigt. Drei Regionen im Land allerdings haben die bisherigen Prüfschritte positiv abgeschlossen.
Die BGE hat eine interaktive Karte zum Stand der Gebietsprüfungen veröffentlicht. In der aktualisierten Karte der BGE werden diese Regionen türkis dargestellt. Es handelt sich um Teile des Schwarzwalds, eine Region östlich von Heidelberg sowie einen schmalen Streifen von Riedlingen im Landkreis Biberach bis ins bayerische Günzburg.
Ein Viertel der Fläche Deutschlands kommt für Endlager infrage
Eine Vorentscheidung darüber, wo eines Tages der deutsche Atommüll hinkommt, bedeutet das allerdings längst noch nicht. Denn außer im Saarland und in Rheinland-Pfalz gibt es noch in allen anderen Bundesländern mögliche Standorte. Insgesamt kommen derzeit noch 25 Prozent der Fläche Deutschlands in Frage.
Im kommenden Jahr will die BGE dann erneut darüber informieren, wie sie den möglichen Standort weiter eingegrenzt hat. Und Ende 2027 dann soll der Vorschlag stehen, an welchen Standorten weiter erkundet werden soll. Die Entscheidung darüber trifft dann der Bundestag.
Noch Jahrzehnte bis zur endgültigen Entscheidung
Und selbst dann dauert es noch. Denn bevor ein Endlager gebaut wird, muss vor Ort der Untergrund aufwendig untersucht werden. Dann werden nicht mehr nur geologische Daten auf dem Papier ausgewertet, sondern es wird mit schwerem Gerät vor Ort erkundet und gebohrt. Erst im Jahr 2050, so der jetzige Planungsstand, soll dann endgültig feststehen, wo das deutsche Atommüll-Endlager hinkommt. Der Standort soll Sicherheit für eine Million Jahre bieten.
In dem Endlager sollen die rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiven Atommülls gelagert werden, die in 60 Jahren Nutzung der Atomenergie angefallen sind. Derzeit lagert der Müll noch in 16 oberirdischen Zwischenlagern in verschiedenen Bundesländern.