Ich habe ein Inneres (Teil 1)
Die Erfahrung der anonymen Pariser Großstadt um 1900 steht im Zentrum von Rainer Maria Rilkes 1910 erschienenem Roman. Die Identitätslosigkeit und verzweifelte Sinnsuche eines 28-Jährigen spiegelt sich in der Form des Fragmentarischen: Neben Prosagedichten stehen Stadtbeschreibungen, Briefe, Tagebuchnotizen oder gar surreale Binnengeschichten. Sie alle sind von einer Ästhetik des Hässlichen und Morbiden bestimmt. Dieses namenlose Ich, das als Dichter leben will, scheitert am Ende ‒ ob es am Ende seinen Lebensentwurf nur geändert hat und „verbürgerlichte“ oder Suizid beging, lässt Rilke offen.
Da sitze ich in der kalten Nacht (Teil 2)
Rilkes "Brigge" gilt neben Prousts "Recherche" und Joyces "Ulysses" als Wegbereiter des modernen Romans. Sein Thema: die Entwurzelung des Subjekts in einer aus den Fugen geratenen Zeit. Die Großstadt Paris um die Jahrhundertwende dient dabei als Spiegel für eine Ästhetik des Hässlichen, der Krankheit und des Todes. Es gibt keine Handlung noch einen klassischen Erzähler, sondern ein Konvolut von Aufzeichnungen. Aus ihnen schält sich schattenhaft die Figur eines 28-jährigen adeligen Dänen, der, heimat- wie besitzlos, versucht, in Paris seine Existenz als Dichter zu begründen - und scheitert.
Nach dem gleichnamigen Roman von Rainer Maria Rilke
Mit: Jens Harzer, Victoria von Trauttmansdorff, Wolf-Dietrich Sprenger u. a.
Hörspielbearbeitung: Manfred Hess
Komposition: Thomas Weber
Regie: Iris Drögekamp
SWR 2015