Hörspiel | Zum 80. Todestag von Gerhart Hauptmann am 6. Juni 2026

Der Biberpelz

Dieses Hörspiel steht bis zum 30.5.2027 in ARD Sounds im Hörspiel-Speicher zum Download bereit.

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Von Autor/in Gerhart Hauptmann

Eine Frau, die sich nimmt, was sie braucht: 

Irgendwo um Berlin, Ende der 1880er Jahre: Mutter Wolffen wäscht, putzt und kämpft. Gegen den Dreck, gegen die Armut – für ihre Familie. Als sich die Chance bietet, ist sie clever genug, zuzugreifen: Erst ein paar „herrenlose“ Holzscheite, dann ein kostbarer Biberpelz des reichen Rentiers Krüger.

In einer Welt, in der das Überleben kein Zuckerschlecken ist, erscheint Mutter Wolff weniger als Kriminelle denn als Überlebenskünstlerin. Mit schlagfertigem Charme und einem unbestechlichen Blick für die Schwächen ihrer Mitmenschen rechtfertigt sie ihre Taten:

„Ich bin immer geradezu, Herr Vorsteher. Wenn ich mit’m Maule nich immer so vorneweg wär’, da hätt’ ich könn schonn viel weiter sein.“ 

Während Mutter Wolff handelt, verfolgt der neue Amtsvorsteher von Wehrhahn höhere Ziele. Ihm geht es nicht um profane Diebstähle, sondern um die Säuberung des Dorfes von „staatsfeindlichen Elementen“. Sein Fokus liegt auf dem liberalen Privatgelehrten Dr. Fleischer, der verdächtige Zeitungen liest. Wehrhahns Mission lässt keinen Raum für banale Pelzdiebstähle:

„Meine Aufgabe hier ist: mustern und säubern. – Was hat sich im Schutze meines Herrn Vorgängers nicht alles für Kehricht hier angesammelt!“

Die eigentlichen Gaunereien gehen ihm dabei direkt vor der Nase durch die Lappen. 

Diebeskomödie als Hörspielklassiker

Die Regie von Cläre Schimmel fängt die sozialen Spannungen und den beißenden Humor der Charakterkomödie ein. Mila Kopp verkörpert die Mutter Wolff mit einer Mischung aus urwüchsiger Kraft und listiger Berechnung. Ihr gegenüber steht Paul Hoffmann als Amtsvorsteher von Wehrhahn – die perfekte Verkörperung eines von Ideologie gelähmten Bürokraten.

Vom Bildhauer zum Literaturnobelpreisträger 

Der gebürtige Schlesier Gerhart Hauptmann (1862-1946) begann eigentlich als Bildhauer, ehe er sich dem Schreiben zuwandte. Mit Stücken wie „Die Weber“ und „Der Biberpelz“ wurde er zum führenden Kopf des Naturalismus, einer Bewegung, die das Leben so zeigte, wie es war – ungeschönt und direkt. 1912 krönte ihn der Nobelpreis für Literatur für sein eindringliches und vielseitiges Werk. „Der Biberpelz“ bleibt bis heute eine seiner bissigsten und zugleich unterhaltsamsten Gesellschaftssatiren.

Eine Diebeskomödie
von Gerhart Hauptmann
Mit: Mila Kopp, Paul Hoffmann, Horst Beck, Karl Lange und Wolfgang Arps
Hörspielbearbeitung und Regie: Cläre Schimmel
SDR 1956

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Gerhart Hauptmann