ars acustica

living!room

Dieses Hörspiel steht vom 23.4.2026 für 12 Monate zum Download bereit.

Teilen

Stand

Von Autor/in Martin Brandlmayr

Das Hörstück "living!room" kreist um Spuren der Erinnerung, Gedächtnisverlust und Transformation – ein Kommen und Gehen von Menschen, Gegenständen und Klängen. Das Wohnzimmer wird zu einem Durchgangsraum, in dem Kommunikation durch Raum, Zeit und Generationen hindurch entsteht – zwischen Objekten, Menschen, Umgebungsgeräuschen und nicht zuletzt mit dem Zimmer selbst als Resonanzraum und eigenständigem Akteur. 

Das akustische Material – Ticken, Rauschen, Stimmen in wechselnder Distanz – erzeugt kein narratives Kontinuum, sondern ein Feld von Übergängen. Wo Sprache abbricht, setzt Klang ein; wo Erinnerung zerfällt, trägt Rhythmus; wo Bewusstsein sich zurückzieht, entsteht ein Raum, in dem Klang für sich bleibt, eine Form präsenter, nicht zielgerichteter Gegenwart. Das Zimmer wird zu einem Raum des Übergangs – zwischen Innen- und Außenwelt, Vergangenheit und Gegenwart, zwischen reflexivem Bewusstsein und absichtslosem Sein. 

Wie ein Gedächtnis speichert das Zimmer Spuren – nicht starr und akkumulativ, sondern wie auf Bandmaschinenschleifen, auf denen Inhalte fortwährend überschrieben werden und doch als Schatten, Nachklang und Resonanz präsent bleiben. 

Immer wieder tauchen Enden auf, die keine sind: Uhrwerke verstummen und schlagen doch erneut; Schlussakkorde lösen sich auf, um wiederzukehren; vermeintlich letzte Worte verlieren ihren Anspruch auf Finalität. Das letzte Wort ist hier nie gesprochen. Zwischen Anwesenheit und Abwesenheit öffnet sich ein Raum, in dem nichts ganz da und nichts ganz fort ist. 

Mit: Jakob Pejcic, Martin Brandlmayr u. a.
Komposition und Realisation: Martin Brandlmayr
Mastering: Martin Siewert
Produktion: SWR 2026 - Premiere

Martin Brandlmayr

Martin Brandlmayr ist Komponist und Schlagzeuger. Er arbeitet im Grenzbereich zwischen Improvisation und Komposition bzw. an der Schnittstelle zwischen elektronischen und akustischen Klangwelten. Er ist unter anderem Mitglied der Ensembles Polwechsel, Trapist und Kapital Band 1. Mit Radian veröffentlichte er seit Ende der 1990er Jahre insgesamt acht Alben, sechs davon auf dem US-amerikanischen Label Thrill Jockey. Abseits von seinen Langzeitprojekten komponierte er Musik für Tanz-, Opern-, Film- und Videoproduktionen sowie Klanginstallationen. Er arbeitete mit Howe Gelb, Mats Gustafsson, Christian Fennesz, Elisabeth Harnik, The Necks, Sachiko M, David Sylvian, John Tilbury, Ken Vandermark, Otomo Yoshihide und vielen mehr. 

 Für sein Debüthörspiel „Vive les fantômes“ (SWR 2018) und „interstitial spaces“ (SWR 2023) erhielt er jeweils den Karl-Sczuka-Preis. 

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Martin Brandlmayr