Der Rüstungsfabrikant Undershaft fragt nicht danach, wem er seine Waffen liefert. Es geht ihm nur ums Geld. Seine Frau hat sich von ihm aus moralischen Gründen schon seit langem getrennt. Seine Töchter und seinen Sohn hat er nur als kleine Kinder gekannt.
Umso interessanter gestaltet sich das Wiedersehen mit seinen nun erwachsenen Nachkommen. Am besten gefällt ihm Barbara, die Majorin der Heilsarmee geworden ist. Die aufrichtige und charakterfeste junge Frau versucht, ihren Vater zu bekehren, während er sie für seine »Moral der Kanone« gewinnen möchte. Beides will nicht recht klappen.
Shaw kontrastiert zwei Welten: selbstsüchtige Skrupellosigkeit und strenggläubige Frömmigkeit. Als advocatus diaboli erklärt er Armut wie Reichtum gleichermaßen für unmoralisch – nicht um diese Haltung zu vertreten, sondern um die Gegensätze dialektisch zu überwinden: „Es gibt keine schlechte Seite des Lebens, es gibt nur ein Leben.“
Doch diese Synthese hebt die menschliche Grundspannung nicht auf. Sie markiert vielmehr Shaws höhere Erkenntnis: Nur der vernünftige Kompromiss ermöglicht wirkungsvolles Handeln – selbst im „Kampf gegen den Krieg“.
Komödie von George Bernard Shaw
Mit: Leonhard Steckel, Roma Bahn, Renate Schroeder, Klaus Schwarzkopf, Konrad Mayerhoff, Herbert Mensching, Waltraut Schmahl, Otti Schütz und Walter Hilsbecher
Regie: Walter Knaus
SDR 1961