Ramón María del Valle-Inclán, geboren am 28. Oktober 1866 in Vilanova de Arousa, Galicien; gestorben am 5. Januar 1936 in Santiago de Compostela, schrieb Dramen, Prosa und Lyrik und beeinflusste die gesamte Literatur seines Landes. Wegen seiner Angriffe gegen die Diktatur kam er unter Primo de Riviera 1929 kurze Zeit ins Gefängnis. Zuvor war sein Roman "Tyrann Banderas" erschienen, der die Erfahrungen des Soldaten und Journalisten Valle-Inclán in Mexiko verarbeitet.
Eine der schillerndsten Figuren der spanischen Literatur
Als Sohn einer verarmten Adelsfamilie begann er zwar ein Jurastudium, doch sein wahres Leben spielte sich in den Cafés Madrids ab, wo er mit seinem schwarzen Umhang, dem wilden Bart und – nach einer Auseinandersetzung – nur noch einem Arm zur Legende wurde.
Er hatte an der Universität von Santiago de Compostela studiert, wo er kurz vor Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs starb.
Esperpento: Groteske und Karikatur als literarische Waffe
Als Autor, Schauspieler und Theatermacher prägte Valle-Inclán die Moderne Spaniens, doch seine größte literarische Errungenschaft war das ‚Esperpento‘: ein grotesker, marionettenhafter Stil, der die Absurdität der Macht entlarven sollte. Valle-Incláns Vorbilder waren Goyas "Caprichos" in der Malerei, Cervantes’ "Don Quichote" in der Literatur.
Sein Meisterwerk "Tyrann Banderas" (1926) ist die radikalste Anwendung dieser Technik. Inspiriert von seinen Reisen durch das revolutionäre Mexiko, schuf Valle-Inclán einen Albtraum aus Gewalt und Satire:
In Mexiko, über die so genannte Republik von Santa Fé, herrscht Santos Banderas. Die politische Opposition steckt in den Gefängnissen; reihenweise lässt der Diktator – ohne alle Gerichtsverfahren – aufständische Revolutionäre erschießen. Obwohl das Regime des Tyrannen auch ins Kalkül der hohen Politik der Gesandten von Großbritannien, der USA und Deutschlands gehört, sammeln sich unter einem kreolischen Gutsherrn die vom System Gezeichneten und wagen den Aufstand.
Nach dem gleichnamigen Roman von Ramón María del Valle-Inclán
Aus dem Spanischen von Anton M. Rothbauer
Mit: Dieter Borsche, Hans Helmut Dickow, Karl Renar, Reinhart Firchow
Hörspielbearbeitung und Regie: Heinz von Cramer
WDR/SDR 1978