„Von Mainz in die Welt“

Närrische Sangesbrüder: Die Mainzer Hofsänger werden 100 Jahre alt

Älter als die „Comedian Harmonists“: Vor 100 Jahren legte eine Gruppe sangesfreudiger, junger Herren den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält.

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Stand

Von Autor/in Mareike Gries

Sangesfreudige, junge Herren

Es fing eigentlich ganz harmlos an. Chöre und freche Schlager waren zu Zeiten der Weimarer Republik schwer in Mode. Deshalb fanden sich in Mainz im Jahr 1926 – und damit sogar schon vor den „Comedian Harmonists“ – einige sangesfreudige, junge Herren zusammen.

Das Leben nach dem Ersten Weltkrieg war oft entbehrungsreich; mit launigem Gesang ließ sich das besser ertragen. So auch in der gerade erst gegründeten Mainzer Musikhochschule. Gleichzeitig mit deren Entstehung wurde auch die Fastnacht wiederbelebt, die wegen des Krieges und der angespannten Lage danach jahrelang auf Eis gelegen hatte.

Schwarz-weiß Aufnahme der Hofsänger in Frauenkleidern aus dem Jahr 1968
Die Mainzer Hofsänger sind ein reiner Männerchor, was die Sänger aber nicht davon abhält, auch mal in Frauenkleidung aufzutreten. Erstmals taten sie das schon 1968.

Erster Auftritt im Jahr 1926

So kam eins zum anderen und aus den Reihen der Musikhochschüler gründeten sich die MHS, die „Musik-Hochschul-Sänger“. Ihr erster Auftritt war bei einer Fastnachtsveranstaltung am 14. Februar 1926. Davon berichtet auch das zum Jubiläum erschienene Buch „Von Mainz in die Welt – 100 Jahre Die Mainzer Hofsänger“, herausgegeben vom Verein.

Allerdings war es der noch jungen Mainzer Musikhochschule gar nicht so recht, dass die Einrichtung mit einem mehr um Heiterkeit als um musikalische Perfektion bemühten Chor in Verbindung gebracht wurde. Die Hochschulsänger sollten sich bitteschön umbenennen.

Und so wurden Anfang der 1930er-Jahre aus den Hochschulsängern schließlich die Hofsänger. Der Name hängt auch damit zusammen, dass der Chor anfangs auf diversen Hinterhöfen der Mainzer Altstadt auftrat.

Hofsänger vor großem Publikum auf der Bühne am Mainzer Schillerplatz
Mit dem 11.11. beginnt die Hochsaison der Mainzer Hofsänger. Zu ihren großen Hits zählen „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ und „Sassa“, das 1947 erstmals aufgeführt wurde.

Gleichschaltung in der Fastnacht

Zu dieser Zeit erlangten die Sänger mehr und mehr Bekanntheit. Und sie arrangierten sich vorläufig mit den neuen politischen Verhältnissen. So ist belegt, dass die Hofsänger 1934 unter anderem vor NSDAP-Funktionären auftraten und beschönigend verkündeten: „Die Narrheit bleibt stets gleich — auch jetzt im dritten Reich!"

Die NS-Ideologie machte auch vor den Närrinen und Narrhalesen nicht halt. Wie auch bei vielen Vereinen, wurden Jüdinnen und Juden von einem Tag auf den nächsten ausgeschlossen, die Karnevalsprogramme wurden der politischen Linie entsprechend zurechtgebürstet. Offene Kritik gab es kaum.

Als die meisten Mitglieder der Hofsänger – wie auch damals fast alle anderen Männer in ihren besten Jahren – zum Militärdienst eingezogen wurden, musste der Chor eine Zwangspause von mehreren Jahren einlegen.

Kultstatus ab den 1950er-Jahren

Nach Kriegsende dauerte es etwas, bis sich die Fastnachter wieder aufrappelten. Die Hofsänger waren mitunter die Ersten, die auch in selbstkritischen Versen auf die Nazizeit zurückblickten. Der Chor fand zum alten Glanz zurück und die Popularität wuchs immer weiter.

Ein absoluter Höhepunkt war zu Beginn der 1950er-Jahre, als die Mainzer Hofsänger zum ersten Mal ihr „So ein Tag, so wunderschön wie heute“ anstimmten. Ein echter Gassenhauer, der inzwischen unter anderem von Heino gecovert sowie zur Wiedervereinigung 1989 in Ost und West geschmettert wurde und bis heute von den Hofsängern interpretiert wird.

Mainzer Hofsänger in bunten Kostümen in Fernsehkulisse
Mit ihren Auftritten bei der Fernsehfastnacht wurden die Mainzer Hofsänger deutschlandweit bekannt.

Wie wird Mann Hofsänger?

Längst gleicht es einem Ritterschlag, in die Riege der Mainzer Hofsänger aufgenommen zu werden. Zwar wirbt der Chor auf seiner Webseite um potentielle neue Mitglieder. Aber ohne Vorsingen, halbjährige Probezeit und Unterordnung unter den vollen Terminplan der Hofsänger, geht nichts.

Als Lohn locken Ruhm und Ehre und über 30 honorierte Konzerte pro Jahr – auch außerhalb der Karnevalszeit. Tradition verpflichtet. Und das sicher auch noch in den kommenden 100 Jahren.

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