Generalsanierung der Stammhäuser

Freud und Leid auf Ausweichbühnen: Theater Koblenz und Mannheim

In Koblenz und Mannheim werden die großen Theater generalsaniert. Die Intendanten kämpfen mit den Herausforderungen der Ausweichspielstätten, freuen sich aber auch über neue Chancen.

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Stand

Von Autor/in Mareike Gries

Im Zelt hört man den Lärm von draußen

Als der Koblenzer Intendant Markus Dietze vor gut einem Jahr durch seine Interimsspielstätte – das Theaterzelt auf der Festung Ehrenbreitstein – führte, mischte sich unter den Zauber des Anfangs auch eine gehörige Portion Respekt.

„Wir sind hier nicht in einem geschlossenen Theaterbau – eigentlich sind wir ‚Open Air‘“, erklärt der Intendant. „Wenn da ein Vogelschwarm drüberfliegt, dann hört man das hier 1:1. Das heißt, wir müssen in dieser Zeltakustik alles elektroakustisch verstärken.“

Trotz dieser technischen Herausforderungen konnten im vergangenen Jahr viele Vorstellungen erfolgreich über die Zeltbühne gehen. Markus Dietze und sein Team haben sich längst an die Interimsspielstätte gewöhnt.

Der Intendant des Theaters Koblenz, Markus Dietze, hält ein Schild mit der Aufschrift "The End" in der Hand.
Markus Dietze, Intendant des Theaters Koblenz, bei der Probe zum temporären Auszug aus dem Stammhaus des Koblenzer Theaters (2024).

Herausforderungen der Zeltbühne gemeistert

Er blicke auf die bisherige Zeit in der Interimsspielstätte eigentlich total glücklich und zufrieden zurück, so Dietze. „Alles, was es da so an Herausforderungen gab und gibt, das löst sich bei jedem Theaterabend, wo ich sehe, wie glücklich die Menschen sind, in das sprichwörtliche Wohlgefallen auf.“

Allerdings freut sich Markus Dietze auch darauf, dass die kommende Spielzeit wieder im hoffentlich vollständig sanierten Hauptgebäude starten kann. Die geordneten Bahnen eines stehenden Theaters hätten den Vorteil, „dass dann die Kunst freier ist“.

Und die Interimszeit bringe mit sich, dass man sich mit sehr vielen Nebenaspekten befassen müsse und dadurch manchmal der Fokus auf die Kunst verloren ginge: „Wir tun alles, damit das nicht passiert und meistens klappt es dann auch ganz schön.“

Musiker proben für die Eröffnungsgala im Zelt: Wegen der Generalsanierung spielt das Theater Koblenz in der Saison 202425 in einem Zirkuszelt auf der Festung Ehrenbreitstein.
Musiker proben die Eröffnungsgala der Saison 2024/25 im Zirkuszelt auf der Festung Ehrenbreitstein.

Bagger auch beim Nationaltheater Mannheim

Was der Spielbetrieb in einer Ausweichspielstätte genau bedeutet, weiß kaum einer besser als Tilmann Pröllochs, geschäftsführender Intendant vom Nationaltheater Mannheim. Auch an seinem Haus hat der Zahn der Zeit so beharrlich genagt, dass die Bagger anrücken und der Spielbetrieb ausweichen musste.

Fertig sind die Sanierungsarbeiten voraussichtlich erst 2028 oder 2029. „Bis dahin brauchen die Theatermitarbeiter und das Publikum Geduld“, sagt Pröllochs. Zu den vielen Problemen der Interimsspielzeiten gehörten die weiten Wege, mit denen man viel Zeit verlöre.

Die Außenfassade vom Mannheimer Nationaltheater - davor stehen Bagger und Baumaterialien
Bagger und Baumaterialien vor Außenfassade des Mannheimer Nationaltheaters.

Ersatzbühne „OPAÖ“ wird geschätzt

Trotz dieser Stolperstellen bieten Interimsspielstätten auch Chancen, ist sich Tilmann Pröllochs sicher. Er hofft, dass einige Effekte etwa aus der Interimsbühne „OPAL“ für Oper und Tanz erhalten bleiben, wenn das Stammhaus in wenigen Jahren wieder bezugsfähig ist.

„Das Opal ist ein ganz besonderer Ort geworden“, sagt Pröllochs. „Ich glaube, dass die Mannheimerinnen und Mannheimer sehr schätzen, dass man gefühlt mehr an der Szene ist als im Spielhaus.“

Im alten Kino „Franklin“ käme – wie erhofft – ein anderes Publikum. „Das war ja auch Sinn und Zweck, das Franklin-Viertel mit zu erschließen, auch mit Kultur.“

Foyer der Oper am Luisenpark (Opal) in Mannheim
Foyer der Oper am Luisenpark (Opal) in Mannheim.

Freud und Leid oder, um im Bild zu bleiben, Komödie und Tragödie liegen im Theater oft nah beieinander. In Interimsspielzeiten offensichtlich sogar noch ein bisschen näher.

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