Im Zelt hört man den Lärm von draußen
Als der Koblenzer Intendant Markus Dietze vor gut einem Jahr durch seine Interimsspielstätte – das Theaterzelt auf der Festung Ehrenbreitstein – führte, mischte sich unter den Zauber des Anfangs auch eine gehörige Portion Respekt.
„Wir sind hier nicht in einem geschlossenen Theaterbau – eigentlich sind wir ‚Open Air‘“, erklärt der Intendant. „Wenn da ein Vogelschwarm drüberfliegt, dann hört man das hier 1:1. Das heißt, wir müssen in dieser Zeltakustik alles elektroakustisch verstärken.“
Trotz dieser technischen Herausforderungen konnten im vergangenen Jahr viele Vorstellungen erfolgreich über die Zeltbühne gehen. Markus Dietze und sein Team haben sich längst an die Interimsspielstätte gewöhnt.
Herausforderungen der Zeltbühne gemeistert
Er blicke auf die bisherige Zeit in der Interimsspielstätte eigentlich total glücklich und zufrieden zurück, so Dietze. „Alles, was es da so an Herausforderungen gab und gibt, das löst sich bei jedem Theaterabend, wo ich sehe, wie glücklich die Menschen sind, in das sprichwörtliche Wohlgefallen auf.“
Allerdings freut sich Markus Dietze auch darauf, dass die kommende Spielzeit wieder im hoffentlich vollständig sanierten Hauptgebäude starten kann. Die geordneten Bahnen eines stehenden Theaters hätten den Vorteil, „dass dann die Kunst freier ist“.
Und die Interimszeit bringe mit sich, dass man sich mit sehr vielen Nebenaspekten befassen müsse und dadurch manchmal der Fokus auf die Kunst verloren ginge: „Wir tun alles, damit das nicht passiert und meistens klappt es dann auch ganz schön.“
Bagger auch beim Nationaltheater Mannheim
Was der Spielbetrieb in einer Ausweichspielstätte genau bedeutet, weiß kaum einer besser als Tilmann Pröllochs, geschäftsführender Intendant vom Nationaltheater Mannheim. Auch an seinem Haus hat der Zahn der Zeit so beharrlich genagt, dass die Bagger anrücken und der Spielbetrieb ausweichen musste.
Fertig sind die Sanierungsarbeiten voraussichtlich erst 2028 oder 2029. „Bis dahin brauchen die Theatermitarbeiter und das Publikum Geduld“, sagt Pröllochs. Zu den vielen Problemen der Interimsspielzeiten gehörten die weiten Wege, mit denen man viel Zeit verlöre.
Ersatzbühne „OPAÖ“ wird geschätzt
Trotz dieser Stolperstellen bieten Interimsspielstätten auch Chancen, ist sich Tilmann Pröllochs sicher. Er hofft, dass einige Effekte etwa aus der Interimsbühne „OPAL“ für Oper und Tanz erhalten bleiben, wenn das Stammhaus in wenigen Jahren wieder bezugsfähig ist.
„Das Opal ist ein ganz besonderer Ort geworden“, sagt Pröllochs. „Ich glaube, dass die Mannheimerinnen und Mannheimer sehr schätzen, dass man gefühlt mehr an der Szene ist als im Spielhaus.“
Im alten Kino „Franklin“ käme – wie erhofft – ein anderes Publikum. „Das war ja auch Sinn und Zweck, das Franklin-Viertel mit zu erschließen, auch mit Kultur.“
Freud und Leid oder, um im Bild zu bleiben, Komödie und Tragödie liegen im Theater oft nah beieinander. In Interimsspielzeiten offensichtlich sogar noch ein bisschen näher.
Aktuelle Produktionen in Mannheim und Koblenz
Beklemmender Blick in Schulen Das Nationaltheater Mannheim bringt den preisgekrönten Film „Das Lehrerzimmer“ auf die Bühne
Der Film „Das Lehrerzimmer“ über die engagierte Lehrerin Karla Nowak hat 2003 den Deutschen Filmpreis gewonnen. Jetzt kommt er am Nationaltheater Mannheim erstmals auf die Bühne.
Soloabend mit Sandro Šutalo „Miss Sara Jevo“ am Nationaltheater Mannheim – Als Drag-Queen mit dem Bus auf den Balkan
Für seinen Soloabend verwandelt sich Sandro Šutalo in die Figur Sara Jevo. Mit dem Bus fährt sie in seine Heimatstadt auf dem Balkan, die er als kleines Kind verlassen musste.