Eine Familie mit Kommunikationsproblemen
Oma Marie will sterben. Sie hat einfach genug mit über 80. Ihrer Familie hat sie davon aber nichts gesagt, denn die würde das nicht ertragen.
Es ist eine Familie wie viele: es wird zu wenig miteinander gesprochen, und wenn, dann über das Falsche. Darum hat der Sohn Bruno der Familie auch nicht erzählt, dass er Geldprobleme hat. Und Enkeltochter Anna hat auch ihre Probleme.
Aus einer Notlüge wird ein Roadtrip
Als Oma Marie dann einen Sterbehilfe-Termin in der Schweiz bekommt, wollen Sohn und Enkelin natürlich unbedingt wissen, warum sie so plötzlich in die Schweiz reisen will. Da erfindet Marie spontan die unglaubliche Geschichte von einer überraschenden Erbschaft.
Was als kleine Notlüge beginnt, entwickelt sich zu einer aberwitzigen Familienreise in einem alten Wohnmobil. Mit dabei ist auch noch Rudy, ein Pfleger vom Sozialdienst, den die anderen kaum kennen und der wider Willen in dieses Abenteuer hineingezogen wird.
Doch unterwegs, zwischen Vorwürfen, Lachen und Geheimnissen, führt die Reise dazu, dass drei Generationen wieder zueinanderfinden – selbst wenn sie eigentlich gar nicht danach gesucht haben.
Komödie über Irrtümer und Missverständnisse
In einem bittersüßen und zugleich warmherzigen Ton nimmt uns „Bon Voyage" mit auf einen Familientrip, der ebenso Abschied wie Chance zu einer Wiederbegegnung ist. Der von Enya Baroux geschriebene und inszenierte Film berührt Themen wie Alter, Euthanasie, familiäre Beziehungen und ist vor allem ein Plädoyer für das Recht, über das eigene Leben zu entscheiden.
Feel-Good-Film über Sterbehilfe
Dabei dominiert immer eine leichte, humorvolle Herangehensweise. So findet das Drehbuch eine gelungene Balance zwischen Tragik und Komik und vermeidet übermäßigen Sentimentalismus. Der humanistische Ansatz der Regisseurin konzentriert sich auf die widersprüchlichen Gefühle, die dieses Thema auslöst: Angst, Schuld, das Bedürfnis nach Liebe.
Baroux meistert diese Wechsel in der Tonalität souverän. Das Ergebnis klingt wie ein Paradox: ein Feel-Good-Film über Sterbehilfe. Aber es funktioniert.
Hélène Vincent überzeugt als Marie
Das Herz von „Bon Voyage“ liegt in seinem Ensemble. Hélène Vincent, die Marie verkörpert, vermittelt überzeugend die Mischung aus Entschlossenheit und Verletzlichkeit einer Frau, die über ihr eigenes Ende bestimmen möchte, ohne ihre Angehörigen zu verletzen.
„Bon Voyage“ ist einer jener Filme, die ohne übergroße Ambitionen auskommen und dennoch einen bleibenden Eindruck hinterlassen – dank ihrer Sensibilität, ihres menschlichen Humors und ihrer liebenswerten Figuren.
Auch wenn das alles nicht ohne ein paar bekannte Klischees des Roadmovies und der dysfunktionalen Familie auskommt, gewinnt die Geschichte Frische durch ihren optimistischen Blick auf das Alter als einer Lebensphase, die noch immer für mutige Entscheidungen taugt.
Trailer „Bon Voyage“ - ab 1. Januar 2026 im Kino
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