Oper am Theater Freiburg

Marco Štormans Inszenierung von John Adams „Doctor Atomic“

John Adams' Oper „Doctor Atomic“ über J. Robert Oppenheimer und den ersten Atombombentest 1945 feiert in Freiburg Premiere. Marco Štormann inszeniert, André de Ridder dirigiert.

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Von Autor/in Bernd Künzig

Wissenschaft und Musik im Dialog

Am Theater Freiburg wird John Adams' Oper „Doctor Atomic“ unter der Regie von Marco Štorman aufgeführt. Das Werk rückt die Erfindung der Atombombe und ihre Folgen in den Fokus.

Doch statt auf plakative Darstellungen zu setzen, bietet diese Inszenierung eine tiefere Reflexion über die Wissenschaftler hinter der Bombe. Im Zentrum der Drehbühne steht ein skelettiertes Hausgerüst, das sowohl Schutz als auch Zerstörung symbolisiert.

Timothy Connor als J. Robert Oppenheimer
Das Hausgerüst auf der Drehbühne verweist auf die Wissenschaftlerstadt des Manhattan-Projekts und die Ruinen, die nach einer Explosion übrigbleiben.

Grillparty als düsteres Sinnbild für menschliche Opfer

Das aus rein dokumentarischem Material zusammengestellte Libretto ist wohl einmalig. Wissenschaftliche Theorien der Kernexplosion werden mit expressiver Verve gesungen. Opernliebhaber als physikalische Laien begreifen, was gesungen wird, aber werden es kaum verstehen.

Bei Marco Štorman wird das auf einer Grillparty gesungen. Am Ende wird Fleisch verbrennen - menschliches. Zum atomaren Diskurs legen die Wissenschaftler und der brutal drängende General Groves die Fleischware aufs Feuer. Ein Bild der zynischen Vernunft.

Oppenheimers Zweifel und musikalische Höhepunkte

Genau da setzen die Zweifel des spirituell gestimmten Oppenheimer an, gesungen von Timothy Connor. Mit einem Sonett beschwört er seinen dreifaltigen Gott zur Erneuerung durch die eigene Vernichtung.

Timothy Connor (J. Robert Oppenheimer)
Bariton Timothy Connor singt die Rolle des J. Robert Oppenheimer.

Es ist die einzige Arie dieser Oper am Ende des ersten Teils und Höhepunkt des Gewittersturms, der die Testzündung der Bombe verhindert. Warum Timothy Connor als Oppenheimer ausgerechnet diesen Demutsakt mit der unterdrückten Wut eines zynischen und dämonisch grienenden Gottesherausforderers singt, bleibt ein Fragezeichen der Regie.

Aber Timothy Connor singt ihn grandios und das von André de Ridder perfekt koordinierte Philharmonische Orchester entfaltet eine apokalyptische Sturmmusik.

Ein entschleunigtes Ritual des Todes

Der zweite Teil mit seiner verblüffenden Entschleunigung zum finalen Countdown gelingt als entdramatisiertes Ritual des Todes hingegen stringenter. Das Haus schwebt auseinander, wird zur Kirche, zum Turm der Bombe und zum Schutzraum des Bunkers.

Adams tickende Zeitbombe aus Pizzicati, Bläserschreien, Glocken-, Gongs- und Schlagzeugstößen versandet in der Stimme einer Japanerin, die um Wasser für ihr Kind in der Atomwüste von Hiroshima bittet.

Doctor Atomic
Die Knochen der beschworenen Toten landen später in einer Mühle. Oppenheimer zermahlt sie zu Staub und streut sie zum Countdown über das Modell des Skeletthauses.

Hoffnung durch die Ladies Atomic

Zuvor hat die verführerische Inga Schäfer als Kitty Oppenheimer die allumfassende Liebe als Gegenkraft beschworen, gemeinsam mit ihrem erfundenen, indigenen Dienstmädchen Pasqualita. Die wird eindringlich gesungen von Yewon Kim als Hohepriesterin einer Versöhnung mit der göttlichen Natur.

Inga Schäfer (Kitty Oppenheimer) in „Doctor Atomic“
Inga Schäfer singt in „Doctor Atomic“ Kitty Oppenheimer.

Die Ladies Atomic als Hoffnung der Menschheit. Diesen Optimismus feiert in Freiburg ein mitgerissenes Publikum.

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