Gespräch mit der Regisseurin Luise Leschick

Stuttgarter Freie-Szene-Festivals „3 Tage frei“ – Wehe, wenn aus wenig noch weniger wird

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Die Lage der freien Kunstschaffenden ist unsicher

Zum Auftakt des Stuttgarter Freie-Szene-Festivals „3 Tage frei“ fordert die Regisseurin und Performerin Luise Leschik mehr Verlässlichkeit bei der Finanzierung unabhängig produzierter Kunstformen. Die aktuelle Lage der freien Kunstschaffenden sei unsicher: „Manche stellen sich die Frage ihrer Existenz.“

In Stuttgart hätten mehrere Kulturinstitutionen ihre Förderungen gekürzt oder gestrichen. Da stellten sich auch praktische Fragen wie: „Kann ich meinen Probenraum noch finanzieren? Wo lagere ich meine Bühnenteile?"

Im Prinzip sei prekäres Arbeiten Teil des Lebens in der freien Szene, aber, gibt Leschik zu: „Wenn aus weniger noch weniger wird, weiß man nicht wo es hingeht.“ Immer mehr Kunstschaffende stürzten sich auf Förderanträge, bei denen es aber seit längerem keinen Inflationsausgleich mehr gegeben hat.

„Ich habe das Gefühl, dass viele Politiker gar nicht wissen, wer wir sind“

Die langfristige Konsequenz, so Leschick: „Zehn-Personen-Produktionen können gar nicht mehr stattfinden, dann werden es nur noch Solos.“

Die Perspektive der Politik auf die freien darstellenden Künste sei ihr manchmal rätselhaft, bekennt Leschik: „Ich habe das Gefühl, dass viele Politiker gar nicht wissen, wer wir sind. Sie nennen uns oft im Zusammenhang mit regulären Theatern.“

Längere Förderzyklen würden helfen

Um die Unsicherheit zu verringern, schlägt sie längere Förderzyklen vor: „Der Zweijahresrhythmus aus der Politik ist einfach schwierig. Wenn man da in Fünf- bis Zehnjahresrhythmen denken könnte, würde das helfen.“

Luise Leschik wurde 1992 in Berlin geboren. Sie hat Drama and Theatre Studies an der Aberystwyth Universität in Wales (Großbritannien) und Performance Studies an der Universität Hamburg studiert. Seit 2018 arbeitet sie in der freien Szene in Stuttgart als Regisseurin und Performerin.

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Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Rainer Volk
Rainer Volk
Interview mit
Luise Leschik