Lichtgestalt der Theaterszene

Theatermacher Robert Wilson ist gestorben: Ein Künstler der Avantgarde

Er war einer der Großen der Bühne, der Regie und der Performancekunst: Robert Wilson revolutionierte das Theater und nicht zuletzt auch das Musiktheater. Nun ist der vielseitige Künstler im Alter von 83 Jahren verstorben.

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Robert Wilson wurde 1941 in Texas geboren. Neben seiner Arbeit als Regisseur und Theaterautor war er auch Maler, Lichtdesigner, Bühnenbildner, Videokünstler und Architekt.

Mit seinen minimalistisch choreografierten Inszenierungen hat er einen völlig eigenen Theaterstil kreiert, er arbeitete mehrfach mit den Komponisten Philip Glass und Tom Waits zusammen. Später inszeniert er auch zunehmend klassisches Opernrepertoire.

Regisseur Robert Wilson an der Berliner Staatsoper (2006)
Er war eine Instanz als Regisseur, Bühnenautor, Maler, Lichtdesigner, Bühnenbildner, Videokünstler und Architekt: Der Universalkünstler Robert Wilson ist am 31. Juli 2025 im Alter von 83 Jahren gestorben. Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Die Krankheit Tod“ von Marguerite Duras, Uraufführung an der Schaubühne am Lehniner Platz (1991)
In den späten 1960er-Jahren macht Wilson mit ersten Performances in New York auf sich aufmerksam. Der Durchbruch kommt 1970 mit einem siebenstündigen Opernprojekt. Im Bild: die Uraufführung „Die Krankheit Tod“ von Marguerite Duras an der Berliner Schaubühne (1991). Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Endspiel“ von Samuel Beckett am Berliner Ensemble (2016)
Wilson ist stark mit der Berliner Theaterszene verbunden, erstmals 1978 am Theater des Westens. Im Bild: „Endspiel“ von Samuel Beckett am Berliner Ensemble (2016). Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Das Wintermärchen“ von William Shakespeare am Berliner Ensemble (2005)
Wilsons Bühnenarbeiten zeichnen sich durch eine besondere Mischung aus Lichtdesign, visuellen Effekten und Bewegung aus. Im Bild: „Das Wintermärchen“ von William Shakespeare am Berliner Ensemble (2005). Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Die Dreigroschenoper“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht am Berliner Ensemble (2007)
Das Spiel mit Licht und Schatten setzt Wilson in seinen Inszenierungen bewusst ein, um trotz minimalistischer Bühnenbilder tiefe Emotionen zu wecken. Im Bild: „Die Dreigroschenoper“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht am Berliner Ensemble (2007). Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe am Berliner Ensemble (2015)
Auch in Wilsons Theater-Inszenierungen spielt Musik eine zentrale Rolle. Für seinen „Faust“ holt er 2015 Herbert Grönemeyer ans Berliner Ensemble. Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Lulu“ von Frank Wedeking am Berliner Ensemble (2011)
Für „Lulu“ von Frank Wedeking arbeitet Robert Wilson 2011 am Berliner Ensemble mit Gitarrist und Songwriter Lou Reed (The Velvet Underground). Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Peter Pan“ von James Matthew Barrie am Berliner Ensemble (2013)
Mit der Musikgruppe CocoRosie arbeitet Wilson an mehreren Theaterprojekten für junges Publikum. Darunter: „Peter Pan“ von J. M. Barrie am Berliner Ensemble (2013). Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Shakespeares Sonette“ von Robert Wilson und Rufus Wainwright am Berliner Ensemble (2009)
2009 kollaboriert Wilson mit dem Singer-Songwriter Rufus Wainwright in einer szenisch-musikalischen Umsetzung von Shakespeares Sonetten am Berliner Ensemble. Sieben Jahre später adaptiert Wainwright neun Sonette für eine CD bei Deutsche Grammophon. Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Parsifal“ von Richard Wagner an der Staatsoper Hamburg (2004)
Wilsons klare Formen im Zusammenspiel mit Wagners überbordender Orchestrierung: 2004 inszeniert er in Hamburg das Bühnenweihfestspiel „Parsifal“, Ingo Metzmacher dirigiert. Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson inszeniert „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber bei den Pfingstfestspielen Baden-Baden (2009)
Robert Wilson bei den Pfingstfestspielen Baden-Baden: 2009 inszeniert er den „Freischütz“ von Carl Maria von Weber. Bild in Detailansicht öffnen
Isabella Rossellini und Robert Wilson
2013 inszenierte Robert Wilson für die ARD Hörspieltage sein erstes Hörspiel „Monsters of Grace II". Vorbereitet wurde die Produktion gemeinsam mit der SWR Hörspielredaktion im Watermill Center, New York, ein Kunstzentrum, das Robert Wilson 1992 gegründet hatte. Im Bild links neben Robert Wilson: Isabella Rossellini Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson in der Ausstellung „A Chair and You“ 2022 in Lausanne.
Neben seiner Bühnenarbeit ist Robert Wilson auch bildender Künstler: Hier die Ausstellung „A Chair and You“ 2022 in Lausanne. Bild in Detailansicht öffnen
Robert Wilson am Berliner Ensemble
Robert Wilson am Berliner Ensemble. Bild in Detailansicht öffnen

Theater mit extremer Entschleunigung

SWR Kultur Redakteur Bernd Künzig weiß: „Bob Wilson hat als Tänzer und dann als Choreograf angefangen und das hat immer sein Theater geprägt. Da war immer ein Stück weit Musik drin.“

Wilsons Theater sei von extremer Entschleunigung geprägt gewesen, erzählt Künzig. Das bedeutet, dass Wilson sich immer mit Zeit auseinandergesetzt habe. Das große Zeitmedium im Theater sei natürlich die Oper. Musik sei dabei ideal für Wilson gewesen, da sein Theater kein großes Erzähltheater gewesen sei.

Das führte, natürlicherweise, wie Künzig findet, zu einer Zusammenarbeit mit Philip Glass. Die beiden hätten Musiktheater ganz neu definiert und entschleunigt, wie z.B. mit der Oper „Einstein On The Beach“.

Minimale Bewegungen und Maskierung als Markenzeichen

Robert Wilsons Inszenierungen hatten eine spezielle Theaterästhetik mit minimalen Bewegungen der Darsteller, so Künzig. Einen großen Einfluss auf ihn hätte dabei das japanische Theater gehabt.

Außerdem spielte Maskierung eine wichtige Rolle in seinen Inszenierungen. Musikalische Gesten seien in der Oper sehr präsent, deswegen konnte er das gut inszenieren, erklärt Bernd Künzig. Oper sei auch immer ein Ritual, findet er, das sei eine Steilvorlage für Wilsons Ritualtheater gewesen.

Adam's Passion - Arvo Pärt, Robert Wilson

Der Stil des Theatermachers Robert Wilson sei so markant gewesen, dass Künzig klar vom Wilson-Stil spricht. Wilson sei der einflussreichste Theatermann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen.

Ausnahmekünstler hat für ARD Hörspieltage inzeniert Zum Tod von Robert Wilson: „Er hat immer groß gedacht“

US-Regisseur Robert Wilson ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Mareike Maage aus der SWR Hörspielredaktion erinnert sich an den Ausnahmekünstler und Regisseur.

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