SWR1 Sonntagmorgen vom 15. Februar 2026

Die Fastnacht und die Politik

Ob Karneval, Fasching oder Fastnacht: In dieser Zeit spotten Narren über die Politik und die Regierung. Aber hat auch die Narrenfreiheit Grenzen? Wie weit darf Satire gehen?

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Stand

Von Autor/in Sophie Rebmann

An Fastnacht müssen sich Politiker und andere Mächtige darauf gefasst machen, dass sie durch den Kakao gezogen werden: Sie werden von den Narren belächelt, verspottet und kritisiert, etwa in Büttenreden und auch in den Motivwagen. Perfektioniert haben diese Form der Kritik die großen Rosenmontagsumzüge in Köln, Mainz und Düsseldorf. Seit Jahrzehnten baut auch der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly Motivwagen, auf denen er das Zeitgeschehen provokant kommentiert, die internationale Politik und die Regierung auf die Schippe nimmt. So sitzt auf einem seiner Wagen etwa Wladimir Putin in einer Badewanne in ukrainischen Farben und schrubbt sich die Beine mit Blut.

Karnevalisten gegen Autokraten

In Russland läuft nun ein Verfahren gegen ihn. Der Vorwurf: Verunglimpfung der russischen Staatsorgane. Jacques Tilly zeigt sich davon unbeeindruckt: "Wenn das Einfluss hätte auf meine Arbeit, und ich sagen würde: 'Oh, jetzt nehme ich mich zurück und wir bauen nur noch Blümchen und Pferde, für den Karneval!', dann hätten die Autokraten gewonnen." Das wolle der Künstler und Karnevalist den Autokraten nicht gönnen. "Und ich glaube, die Narren hier in Düsseldorf würden das auch nicht verstehen."

Auf dem Mottowagen liegt Putin in einer Badewanne voller Blut und schrubbt sich damit die Beine.
Zu Karneval 2023 hat Jacques Tilly einen Wagen gebaut, auf dem Putin in einer Badewanne mit Ukraine-Farben liegt und sich mit dem Blut darin die Beine schrubbt. Michael Gstettenbauer

Satire und Streitkultur

Tilly hat immer wieder Beschwerden zu seinen Wagen bekommen: Die ehemalige rechtskonservative Regierung in Polen hatte einmal versucht, über eine Beschwerde bei Angela Merkel zu intervenieren. Auch der Niederländer Geert Wilders hatte sich beschwert und immer wieder würden sich auch Menschen in Deutschland beschweren, berichtet Tilly.

Ich kann nicht für alle bauen.

"Wenn man sich politisch irgendwie äußert, dann gibt es immer Menschen, die einen dafür kritisieren", sagt Wagenbauer Tilly. Da habe er auch nichts dagegen: "Das ist Streitkultur!" Gefahren sind seine Wagen immer, auch weil sie die Motive im Vorfeld nicht verraten: "Man kann sie im Vorfeld nicht verhindern, weil wir die Geheimhaltung haben. Das ist sehr praktisch."

Wie weit darf Satire gehen?

Aber auch er darf nicht alles abbilden. Seine Motivwagen fallen unter die Kunstfreiheit, sind somit von der Meinungsfreiheit gedeckt. Aber auch Kunst hat ihre Grenzen, wo das Persönlichkeitsrecht beginnt: Sobald es nicht mehr um die Sache geht, sondern nur noch darum, eine Person zu beleidigen und zu diffamieren, kann so eine Grenze erreicht sein.

Die Tradition der politischen Fastnacht in Mainz

Auch die Mainzer Narren haben traditionell eine Vorliebe für politische Themen. Sitzungspräsident Andreas Schmitt steht bei der Fastnachtssitzung "Mainz bleibt Mainz" regelmäßig als Obermessdiener des Mainzer Doms in die Bütt. Seit Jahren kritisiert er so neben Politikern auch die Kirche. Diesmal nimmt er in seiner Büttenrede unter anderem die rheinland-pfälzische Bestattungsreform aufs Korn und die Position der Frau in der katholischen Kirche.

Obermessdiener Andreas Schmitt am Mikrofon.
Büttredner Andreas Schmitt tritt seit Jahren als Obermessdiener des Mainzer Doms bei der Fastnachtssitzung "Mainz bleibt Mainz" auf. Sämmer

Schmitt thematisiert in seiner Rede die Lage rund um Russland, Trumps Machtspiel und auch die Bundes- und Landespolitik wie zum Beispiel den Niedergang der SPD oder die AfD. "Wir leben in gefährlichen Zeiten", sagt er. Standing Ovations erhält er in seiner Büttenrede für sein Statement "Drum sag ichs heute ganz unverholen, 1933 darf sich niemals wiederholen". Die Mainzer Republik sei die erste Demokratie im deutschen Land gewesen, betont er.

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Moderatorin Silke Arning

Moderatorin am Sonntagmorgen Silke Arning

Moderatorin am Sonntagmorgen

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Sophie Rebmann
Sophie Rebmann im Portrait
Redakteur/in
Claudia Bathe