Stimmung am Set mir Emmerich ist top
Über Roland Emmerich sprechen die, die mit ihm direkt gearbeitet haben, eigentlich immer in den höchsten Tönen: Mel Gibson, Jeff Goldblum, sein ehemaliger Co-Autor Dean Devlin oder der Effektmeister Volker Engel: die Stimmung am Set immer top, die Ansagen klar, die Vision nachvollziehbar. Und die Erfolgsbilanz ist trotz oft mäßiger Kritik atemberaubend.
Ab sofort in der ARD Mediathek „Meister der Apokalypse – Roland Emmerich”
Warum anschauen?
Ein Film über wahr gewordene Träume, unterdrückte Sexualität, die Regeln der Traumfabrik Hollywood und das Leben in Amerika.
Emmerich wird immer noch unter den Top 20 der Hollywood-Regisseure geführt, die die meisten Gewinne eingefahren haben. Da kann man ihm ein bisschen Exzentrik durchgehen lassen.
Anfang als Ausstatter bei der Filmhochschule München
Roland Emmerich hat beeindruckende Häuser in Los Angeles und London. Als Kunstsammler erwirbt er auch Skurrilitäten wie chinesische Propaganda-Art. Der, der mal als Ausstatter bei der Filmhochschule München angefangen hat, legt Wert darauf, Dinge, die möglicherweise am falschen Platz stehen, zurecht zu rücken.
Sein langjähriger Wegbegleiter Jo Müller zeigt ihn als einen Regisseur, der auch über seine Filme und deren Wirkung immer wieder nachdenkt.
„The day after tomorrow“ von 2004 wurde der erste Popcorn-Klimakatastrophenfilm. In dem Zusammenhang sprach Emmerich vergangenes Jahr zum ersten Mal in einem Interview von einem überstandenen Hirntumor und wie das seinen Blick auf Filme und das Leben verändert habe. In der Doku tritt er einem immer wieder als ziemlich geerdeter Privatmensch entgegen.
„Schwäbischer Alien“ in Hollywood
Man muss seine Filme nicht lieben, um seine Biografie und seinen Erfolg als Summe richtiger Entscheidungen zu betrachten: Als Spross einer Stuttgarter Unternehmerfamilie war der Schritt nach Hollywood ein kalkulierbares Risiko. Als schwäbischer „Alien“ ist er dort gelandet und genau wie seine Schwester, die seine Filme produziert, in den USA heimisch geworden.
Wurde er anfangs noch als „Spielbergle aus Sindelfingen“ belächelt, ist Emmerich schon lange seine eigene Marke. Mag sein, dass ihn viele vor allem mit Special Effects verbinden, mit Untergangsgrusel und einer flachen und klischeebeladenen Handlung und dass zuletzt die ganz großen Erfolge ausgeblieben sind.
Andererseits steht er in der Tradition von Regisseuren, die mit emotionalen Geschichten aufwühlende Themen anpacken. Der Klimawandel treibt ihn um. Die Warnung vor unvernünftiger, profitgeiler Politik. Das Weiße Haus hat er in seinen Filmen schon mehrfach in die Luft gehen lassen.
Spannender Mix von Dokumentation und Interviews
Die Doku mixt immer wieder hochspannende Aufnahmen von früheren Dreharbeiten, kurze ältere Interviewschnipsel mit Blicken in Emmerichs Seelenleben kurz vor seinem 70. Geburtstag. Dazu gehört der offene Umgang mit seiner Homosexualität, der einem im Filmgeschäft auch im Weg stehen könne
Insgesamt ist „Meister der Apkalypse“ eine Hommage an einen weltoffenen, engagierten Skeptiker, der trotz Zweifel an der menschlichen Lernfähigkeit das Leben feiert, der sich die Neugier bewahrt hat für Technik, junge Menschen und ihre Ideen und sich in einem aufgeregten, häufig oberflächlichen Umfeld nicht hat von seinem Weg abbringen lassen.