Von „Independence Day" bis „2012"

Ein Leben für den Weltuntergang: Regisseur Roland Emmerich wird 70 Jahre alt

Apokalyptische Blockbuster voller Zerstörung und Special Effects: Das ist die Handschrift von Hollywood- Regisseur Roland Emmerich. Der gebürtige Schwabe wird jetzt 70 Jahre alt.

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Von Autor/in Ines Kunze

In der Provinz will Roland Emmerich nicht bleiben

In der schwäbischen Heimat bleiben, die Firma des Vaters übernehmen: So in etwa hätte das Leben für den 1955 in Stuttgart-Untertürkheim geborenen Roland Emmerich laufen können. Dass Emmerich selbst ganz andere Pläne hatte, musste dessen Vater erst einmal verdauen – und war dann einer der ersten, der an den großen Traum seines Sohnes glaubte.

Denn der wollte mit seinen Filmen die Massen erreichen – und produzierte bereits seinen Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München „Das Arche Noah Prinzip“ (1984) mit einem Vielfachen des üblichen Budgets.

Meister der Apokalypse - Roland Emmerich, ab 4. November in der ARD Mediathek

Zuschuss vom Vater für den ersten Film

Nachdem bereits 450.000 DM in die Produktion geflossen waren, so erzählt es Emmerich in einem Interview mit der Süddeutsche Zeitung, sei das Geld ausgegangen. Daraufhin habe ihm sein Vater dann etwa 70.000 Mark geliehen, die er allerdings zurückzahlen musste.

Portrait Roland Emmerich
Der Meister der Apokalypse Roland Emmerich

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Bereits „Das Arche-Noah-Prinzip“ lief kommerziell erfolgreich. Den Durchbruch in Hollywood verdankte Emmerich nach eigenen Angaben US-Schauspieler Sylvester Stallone. Dieser habe Emmerichs in einer ausgedienten Panzerfabrik in Renningen bei Leonberg gedrehten Film „Moon 44“ (1990) gesehen und Emmerich daraufhin bekannten Hollywood-Produzenten empfohlen.

Independence Day (1996): der große Erfolg

Nur wenige Jahre später sollten auch die letzten Skeptiker verstummen: Mit „Independence Day“ landete Emmerich einen der erfolgreichsten Filme aller Zeiten. Der Blockbuster erzählt die Geschichte einer Invasion von Außerirdischen, die ausgerechnet am amerikanischen Unabhängigkeitstag die Kontrolle über Erde und Menschheit an sich reißen wollen.

Filmstill aus Film "Independence Day"
Independence Day (1996) u.a. mit Will Smith (li.)

Inhaltlich überzeugte der Film nur teilweise: Kritiker bemängelten etwa eine „dämliche“, „ideologisch fragwürdige“ Handlung. In den US-Heldenkult passte er aber allemal.

Dass „Independence Day“ zu einem so großen Erfolg wurde, lässt sich wohl auch auf die Marketingkampagne der Produktionsforma 20th Century Fox zurückführen. Dazu gehörte unter anderem ein Werbespot, der während des Super Bowls übertragen wurde, also dem Sportereignis schlechthin in der US-amerikanischen Öffentlichkeit.

Passend zum titelgebenden US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli war der Filmstart von „Independence Day“ eigentlich für den 3. Juli geplant – aufgrund des massiven Interesses zeigten einige Kinos den Film aber früher. Das Produktions-Budget von etwa 75 Millionen US-Dollar holte „Independence Day“ damit locker wieder ein: Weltweit spielte der Film über 800 Millionen US-Dollar ein.

Der Ungeliebte: Godzilla (1998)

Stephen Spielberg habe ihn vorgewarnt, erzählte Emmerich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung 2016, dass nach „Independence Day“ alle versuchen würden, seinen Erfolg zu kopieren. So sei es dann auch gekommen, es sei ihm „ziemlich auf den Senkel gegangen“. Deswegen habe er andere Sachen gemacht.

Filmstill aus Film "Godzilla"
Hatte nur wenige Fans: „Godzilla" (1998)

So kam 1998 Emmerichs Science-Fiction-Horror-Thriller „Godzilla” in die Kinos – der erste Film über die Monster-Echse, der außerhalb Japans entstand.  „Godzilla“ lief zwar kommerziell erfolgreich, wurde allerdings von den Fans verschmäht.

Daher bezeichnen viele den „Godzilla“ in Emmerichs Film bis heute als „G.I.N.O“ – Godzilla in name only. Darstellerin Maria Pitillo erhielt den Negativ-Preis „Goldene Himbeere“ für ihre Darstellung. Außerdem bekam der Film den Titel „Schlechtestes Remake/Fortsetzung“.

Historisch zweifelhaft: „Der Patriot" (2000)

Es sollte nicht die letzte Anti-Auszeichung in Emmerichs Karriere bleiben: Auch „Der Patriot“ sorgte zwei Jahre später für Kontroversen. Während das Publikum den Historien- und Kriegsfilm feierte, sahen Historiker Emmerichs Inszenierung des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges deutlich kritischer.

Filmstill aus Film "Der Patriot"
Heldenhaft im blutbefleckten Hemd: Mel Gibson in „Der Patriot" (2000)

„Der Patriot“ erzählt die fiktive Geschichte des Veteranen Benjamin Martin, der alles tut, um seine Familie und sein Land zu schützen und nach einer anfänglichen Ablehnung des Krieges eine eigene Miliz gründet und siegreich gegen die Briten kämpft.

Dabei, so die Kritik, reproduziere Emmerich eine verfälschte, unreflektierte Version der tatsächlichen Ereignisse damals. Das Time Magazin zählte den Film 2011 gar zu den zehn historisch irreführendsten Filmen.

Einen großen Einfluss auf den Film hatte wohl Hauptdarsteller Mel Gibson: Weil dessen Gage einen großen Teil des Budgets in Anspruch nahm, war nicht mehr genug Geld übrig, um wie geplant Oscar-Preisträger Kevin Spacey in der Rolle des Antagonisten Colonel Tavington zu besetzen. Stattdessen übernahm die Rolle der noch weniger bekannte Jason Isaacs.

Jason Isaacs in "Der Patriot" (2000)
Heute kennt ihn jeder als Lucius Malfoy aus den Harry Potter-Filmen, damals war sein Gesicht noch unbekannt: Jason Isaacs in "Der Patriot".

Auch Gibsons Privatleben beeinflusste seine Filmfigur immens. Denn wie Gibson im echten Leben Vater von sechs Kindern war, waren für Martin sechs Kinder im Drehbuch vorgesehen. Dann wurde Gibson doch noch Vater eines siebten Kindes, und prompt erschien auch im Drehbuch ein siebtes Kind.

Weltuntergang ganz nah: „The Day after Tomorrow“ (2004)

In Emmerichs Privatleben spielten bald andere Schicksalsschläge eine Rolle. Denn Anfang der 2000er Jahre erhielt er die Diagnose Krebs. Ein Hirntumor sollte ihm nur noch wenige Zeit geben. In dieser Annahme, so berichtete es Emmerich später, wollte er mit „The Day after Tomorrow“ einen politischen Film mit Tiefgang schaffen.

„The Day after Tomorrow” zeigt die Auswirkungen eines katastrophal schnell voranschreitenden Klimawandels. Der Film zeichnet den Weg von den Warnungen der Klimaforscher bis zum Weltuntergang, den nur wenige überleben.

Filmstill aus Film "The Day after Tomorrow"
Apokalypse pur: In „The Day after Tomorrow" bleibt ab Ende nur die Eiszeit.

Im Gegensatz zur realen Bedrohung besteht die Gefahr im Film durch Superstürme, die innerhalb kürzester Zeit alles zum Erfrieren bringen. Ein solches Szenario halten Forschende im realen Klimawandel für unwahrscheinlich.

Trotzdem sorgte der Film beim Publikum zumindest für ein kurzfristig gestiegenes Bewusstsein für Klima- und Umweltkatastrophen. Dafür erhielt „The Day after Tomorrow” den Environmental Media Award 2004. Auch die Deutsche Film- und Medienbewertung verlieh dem Film das Prädikat „besonders wertvoll“.

Ein letztes Mal: „2012"  (2009)

Wenn berühmte Gebäude und Monumente mit aufwändigen Visual Effects zerstört wurden, dann war es meist ein Emmerich-Film – soviel wusste das Kinopublikum, als 2009 der Katastrophenfilm „2012“ in die Kinos kam.

Zum ersten Mal allerdings, so erzählte es Emmerich später selbst, sahen diese Effekte tatsächlich so aus, wie er es sich vorgestellt hatte. „2012“ spielt mit dem Mythos rund um den Maya-Kalender, der 2012 auslief und deswegen weltweit zu Verschwörungstheorien führte, dass in diesem Jahr die Welt untergehen sollte.

Filmstill aus Film "2012"
Das Ende der Welt: In „2012" (2009) sollte ein letztes Mal die Welt untergehen.

In Emmerichs „2012“ verschieben sich die Kontinente und lösen dabei zahlreiche Naturkatastrophen aus. Nur wenige Menschen können sich retten, sie überleben in religiös inspirierten „Archen“.

Keine weiteren Zerstörungsfilme mehr?

Damit schlug Emmerich den Bogen zu seinem ersten Werk, „Das Arche-Noah-Prinzip“ – und kündigte gleichzeitig das Ende einer Ära an. Nach „2012“ sollte es keine weiteren Zerstörungsfilme mehr von ihm geben, sagte Emmerich damals.

Mittlerweile hat Emmerich doch noch ein paar mehr Filme gedreht. Aktuell wäre da etwa die Fernsehserie „Those about to die“ rund um Machtkämpfe im alten Rom. Fertig sei er noch lange nicht, sagte Emmerich kürzlich.

Filmstill aus "Those about to die"
Lebensgefahr mal anders: Bei "Those about to die" (2024) wirkte Roland Emmerich als Regisseur und Produzent.

Dabei hatte er schon vor drei Jahren sein Karriereende angekündigt, sich aber dann doch wieder umentschieden. Auch den eigentlich geplanten Abschied vom Zerstörungs-Film hielt er etwa mit „Independence Day: Wiederkehr“ nicht ein – man darf also gespannt bleiben, was noch kommt.

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Autor/in
Ines Kunze
Team SWR Kultur: Autorin InesKunze