Preis für Schauspielkunst beim Festival des Deutschen Films

Annette Frier ‒ „Ihre Vielseitigkeit ist einfach umwerfend“

Annette Frier hat schon etliche Auszeichnungen erhalten, jetzt kommt der Ludwigshafener Preis für Schauspielkunst dazu. Seit Jahrzehnten begeistert sie das Publikum sowohl in komischen als auch in ernsten Rollen.

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Porträtfoto Annette Frier mit hochgesteckter Sonnenbrille
Einfach sympathisch: Annette Frier ist eine feste Größe in der deutschen Film- und Fernsehszene. Über ihre Rollen in diversen TV-Filmen schrieb der Spiegel, sie verkörpere oft einen ähnlichen Typus: „Frauen, die normal wirken, bodenständig, wie jemand, den man zu kennen glaubt oder gern als Nachbarin oder beste Freundin hätte.“ Future Image Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier als junge Frau, mit einem Fächer auf dem Boden sitzend
1974 geboren, ist sie Kölnerin durch und durch. Als Tochter einer Lehrerin und eines Rechtsanwalts wuchs Annette Frier behütet auf. Nach dem Abitur besuchte sie die Kölner Schauspielschule „Der Keller“. dpa | Horst Ossinger Bild in Detailansicht öffnen
Szene aus der Serie "Hinter Gittern ‒ Der Frauenknast" mit Annette Frier
Der Durchbruch im Fernsehen gelang ihr mit der RTL-Serie „Hinter Gittern ‒ Der Frauenknast“, in der sie die Strafgefangene Vivi Andrascheck spielte. Eine Rolle, die sie noch vor ihrer Abschlussprüfung bekam. Von 1997 bis 2000 spielte sie in mehr als 50 Folgen. teutopress Bild in Detailansicht öffnen
Gruppenbild Annette Frier mit drei weiteren Kollegen aus der „Wochenshow“
Ihr Comedy-Talent konnte sie in den Nullerjahren immer stärker ausbauen. 1999 wurde Annette Frier in der Sat.1-„Wochenshow“ Nachfolgerin von Anke Engelke. Im Quartett mit Markus Maria Profitlich, Ingolf Lück und Bastian Pastewka präsentierte sie Sketche und Parodien. dpa | Horst Ossinger Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier und Cordula Stratmann in der Sendung Schillerstraße
Eine Stegreif-Comedy war der nächste mutige Schritt. Für die preisgekrönte Improvisations-Sendung „Schillerstraße“ (Sat.1) gab es statt eines Drehbuchs nur Stichworte vom Regisseur. Von 2004 bis 2007 war Annette Frier an der Seite von Hauptdarstellerin Cordula Stratmann zu sehen. United Archives | Frank W Hempel Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier moderiert an der Seite von Stefan Raab
Nicht nur als Schauspielerin, auch als Moderatorin ist Annette Frier im Fernsehen präsent: 2005 führte sie gemeinsam mit Stefan Raab durch den „Bundesvision Song Contest“ in Oberhausen. T-F-Foto Bild in Detailansicht öffnen
Szenenausschnitt Annette Frier im Theaterstück „Eine Familie“
Obwohl Annette Frier die meiste Zeit für Film und Fernsehen arbeitet, kehrt sie auch immer wieder auf die Bühne zurück. Im Berliner Theater am Kurfürstendamm spielte sie 2015 die Rolle der Barbara Fordham im Stück „Eine Familie“ von Tracy Letts. Eventpress Hoensch Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier
Auch im ernsten Fach wirkt Annette Friers authentisch. Im ARD-Fernsehfilm „Nur eine Handvoll Leben“ spielt sie eine schwangere Frau, die erfährt, dass ihr Kind einen schweren Gendefekt hat. Für den Film bekam sie den Medienpreis „Bobby“ der Lebenshilfe. Wolfgang Ennenbach/WDR Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier
Mit viel Feingefühl verkörpert Annette Frier auch Menschen die „anders" sind. Für die ZDF-Reihe „Ella Schön“ schlüpfte sie in die Rolle einer Autistin. Die Hauptfigur ist eine Juristin mit Asperger-Syndrom, die mit unterschiedlichsten Alltagsproblemen zu kämpfen hat. dpa-Zentralbild | Stefan Sauer Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier und Christoph Maria Herbst in der Serie „Merz gegen Merz“
Sehr erfolgreich ist Annette Frier in der beliebten ZDF-Reihe „Merz gegen Merz“. Gemeinsam mit Christoph Maria Herbst spielt sie ein Ehepaar, das sich nach 20 Jahren auseinandergelebt hat. Beide wollen eine einvernehmliche Scheidung, allerdings kommen sie nicht so leicht voneinander los. picture alliance/dpa/ZDF | Brendan Uffelmann Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier bei Kino-Premiere von „Feste & Freunde“
Auch in der Königsdisziplin Kino hat sich Annette Frier längst etabliert, zum Beispiel in der Tragikomödie „Feste & Freunde ‒ Ein Hoch auf uns!“. Der Film von Regisseur David Dietl feierte 2024 in Essen seine Kino-Premiere. Oliver Langel Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier mit Ehemann Johannes Wünsche
Seit 2002 ist Annette Frier mit dem Drehbuchautor und Regisseur Johannes Wünsche verheiratet. Kennengelernt haben sie sich am Set der Serie „Hinter Gittern ‒ Der Frauenknast“. Sie leben in Köln und sind Eltern von Zwillingen. APress Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier mit ihren Schwestern Caroline und Sabine
Nicht nur ihr Mann, auch ihre Geschwister haben beruflich mit Film und Fernsehen zu tun. Die jüngere Schwester Caroline (links) ist ebenfalls Schauspielerin. Die ältere Schwester Sabine (rechts) arbeitet hinter den Kulissen und managt ihre beiden Schwestern. Panama Pictures | Christoph Hardt Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier hält eine Rede bei einer Kundgebung
Neben dem Filmbusiness ist Annette Frier das soziale Engagement sehr wichtig: Hier spricht sie in Köln bei einer Kundgebung für Demokratie und gegen Rechtsextremismus. Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
Annette Frier
Auch das Thema Inklusion liegt Annette Frier am Herzen. Als prominente Unterstützerin war sie im Frühjahr 2026 im Stadion, als der Inklusionssong des 1. FC Köln „Zusammen laut“ uraufgeführt wurde. Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen

Bekanntes Gesicht mit vielen Facetten

Seit gut 25 Jahren ist Annette Frier im deutschen Film und Fernsehen dauerpräsent. Die waschechte Kölnerin moderiert und parodiert. Sie tritt in Comedyshows genauso wie in tiefgründigen Filmen auf. Sie ist Lese-Botschafterin und dreht Dokumentationen. Und trotzdem nutzt sie sich nicht ab.

Vielleicht liegt es daran, dass sie sich wirklich hundertprozentig auf die Dinge einlassen kann: „Entweder wir machen einen guten Witz oder wir führen ein gutes Gespräch oder wir halten einfach die Schnauze“, so ihr lässiger Kommentar in einem SWR Interview.

Geplant war eine klassische Theaterkarriere

Auch in ihrer Berufswahl ist sie äußerst konsequent. Als Grundschülerin gibt sie als Berufswunsch nicht, wie ihre Klassenkameradinnen, Prinzessin oder Tierärztin an, sondern Schauspielerin. Einzige denkbare Alternative: Profifußball. Zum Glück fehlen ihr die Angebote.

So geht sie nach dem Abi an die Kölner Schauspielschule „Der Keller“ und plant eine klassische Theaterlaufbahn mit Festvertrag und großen Rollen aus der Weltliteratur: „Und wenn es ein interessantes Filmangebot gibt, dann mach ich das mal als Ausflug. Also genau andersrum wie es jetzt ist.“

TV-Durchbruch in Serien und Comedy-Formaten

Schon während ihrer Ausbildung spielt sie die „Nora“ von Henrik Ibsen oder das „Fräulein Else“ von Arthur Schnitzler. Nach der Schauspielschule bietet ihr RTL eine Rolle in der Serie „Hinter Gittern – Der Frauenknast“ an. Sie lässt sich darauf ein. Diese Arbeit bezeichnet sie rückblickend als „bestbezahltes Praktikum“.

Ihren großen Durchbruch hat Annette Frier mit der Rolle der Danni Lowinski, einer spätberufenen Juristin mit Beratungsstelle in einem Einkaufszentrum. Dass sie komödiantisches Talent hat, zeigt sie schon Jahre zuvor bei „Switch“, in der „Wochenshow“ und in der Impro-Serie „Schillerstraße“.

Annette Frier und Toni Schumacher in einer Szene von „Danni Lowinski“
In der Serie „Danni Lowinski“ spielte Annette Frier eine unkonventionelle Rechtsanwältin, hier gemeinsam mit dem ehemaligen Nationaltorwart Toni Schumacher. dpa | Horst Galuschka

Anspruchsvolle Rolle als Autistin

Eine ganz andere Schiene fährt sie mit der ZDF-Serie „Ella Schön“. Hier spielt sie eine Frau mit Asperger-Syndrom. Vor den Dreharbeiten recherchiert sie das Krankheitsbild gründlich, erlebt aber beim Spielen nochmal ein ganz anderes, viel tieferes Verständnis für die Betroffenen: 

„Wenn ich so eine Rolle vor die Tür gelegt bekomme, wird mir klar, was man da eigentlich alles machen könnte“, sagt sie. „Auch für Angehörige und Leute, die das einfach nicht verstehen. Manchmal denke ich, es ist viel besser, spielerisch dran zu gehen als immer zu erklären, zu berichten und so weiter.“

Ihre Vielseitigkeit ist einfach umwerfend

Komisches Talent, aber auch Ernsthaftigkeit

Eine Paraderolle hat sie seit 2017 an der Seite von Christoph Maria Herbst in der ZDF-Filmreihe „Merz gegen Merz“. Die beiden spielen ein Ehepaar, das sich nach 20 Jahren einvernehmlich scheiden lassen will, aber irgendwie nicht voneinander loskommt. 

Im Herbst wird Annette Frier seit langem mal wieder Theater spielen. Sie tritt an der Kölner Volksbühne in einem Stück über die Bühnenlegende Willy Millowitsch auf. Zurück zu den Wurzeln, aber gleichzeitig immer bereit für Neues. Komisch, aber nie flach. Tiefgang, aber immer mit Herz.

Beim Ludwigshafener Festival des Deutschen Films wird Annette Frier neben Christian Redl und Christian Berkel mit dem Preis für Schauspielkunst 2026 ausgezeichnet. Die Verleihung an Frier findet am 22. August statt.

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