Erfolgreicher Krimi-Podcast "Kein Mucks!"

Bastian Pastewka – Die Magie von Radiokrimis und Podcasts

Für den Podcast "Kein Mucks!" stöbert Bastian Pastewka seit sechs Jahren in den Rundfunkarchiven und kramt Kriminalhörspiele aus. Der Podcast ist einer der erfolgreichsten in der ARD Sounds App.

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Stand

So funktionieren gute Radiokrimis und Podcasts

SWR1: Im aktuellen Podcast geht es um ein Hörspiel, das mehr als 70 Jahre alt ist. Das ist doch eher lustig als gruselig spannend, oder?

Bastian Pastewka: Ja, das darf es auch sein. Die schönsten Kriminalhörspiele, die es gibt, sind meistens harmlos. Deshalb dürfen sie lustig, aber auch spannend und überraschend sein. Idealerweise ist im spannendsten Moment eine Folge zu Ende – ein sogenannter Cliffhanger – und schon muss man in der nächsten Woche weiterhören.

So passiert es aktuell bei "Paul Temple und der Fall Jonathan", einem Francis Durbridge-Straßenfeger. Damals haben bis zu zwölf Millionen Menschen vor dem Radio gesessen, 1954, als Radio noch King war und das Fernsehen noch nicht da.

Radiokrimis anno 1954 – das faszinierte damals die Menschen

SWR1: Was hat die Menschen damals so fasziniert? Aufnahmegeräte haben gerauscht, Türen wurden noch mit echten Geräuschen zugeschlagen und die Dialoge waren auch speziell, oder?

Pastewka: Ja klar. Die Schurken haben die Helden einfach immer in den Kleiderschrank gesperrt und der clevere Mörder hat seine Stimme am Telefon verstellt. Ich sage immer, das sind schwarz-weiße Hörspiele. 1954, um jetzt beim konkreten Fall zu bleiben, gab es noch keine Aufzeichnungs- oder gar Abrufmöglichkeiten.

Das heißt, das Publikum hatte nur eine Chance: Es musste sich vor dem Radio versammeln und live zuhören und dabei mucksmäuschenstill sein. Daher kommt unser Name ("Kein Mucks!").

Was ist besser? Radiokrimi oder Krimi-Podcast

SWR1:  Sind die alten Krimis besser als die heute?

Pastewka: Nein, davon kann man nicht ausgehen. Ich glaube, dass sie anders waren. Dadurch, dass die Technik noch nicht so weit war, konnte man die Aufnahmen – denn es sind Hörspiele mit ganz vielen Darstellerinnen und Darstellern und echt zugespielten Geräuschen – auch nicht endlos schneiden und bearbeiten. Das musste ruckizucki gehen.

Und wenn man genau hinhört, merkt man, dass sich da ein Ensemble in irgendwelchen alten hölzernen Hörspielateliers versammelt hat und wirklich die Zettel in der Hand hat und sich Geschichten und Dialoge erzählt. Manchmal hört man übrigens auch die raschelnden Manuskriptseiten.

Egal, das haben sie drin gelassen. Das tat der Stimmung keinen Abbruch, wenn der Rest eben gut war. Und das gefällt mir so. Es ist pures Schauspiel, manchmal ist es auch haarsträubendes "Overacting" (Anm. d. Red.: übertriebene und unnatürlich wirkende Darstellung eines Schauspielers oder Sprechers).

Manchmal sind aber auch wieder Perlen dabei, kleine Kammerspiele, Hörspiele mit zwei Personen, die sich etwas erzählen. Plötzlich merkt man: Die gehen ganz tief in ein Problem rein, es wird über einen Kriminalfall erzählt, und sie lösen ihn dann möglicherweise auch noch.

So hört Bastian Pastewka Radiokrimis

SWR1: Sie hören ganz viele Krimis. Können Sie eigentlich noch entspannt einen Krimi genießen oder erraten Sie nach zehn Minuten schon immer den Täter?

Pastewka: Manche genieße ich wirklich sehr, weil ich merke, da sind tolle Schauspielerinnen und Schauspieler dabei. Oder die Atmosphäre stimmt oder sie haben noch schöne kleine Jazz-Schnipsel reingeschnitten. So was mag ich eben auch privat. Aber tatsächlich auf der zweiten Ebene denke ich immer, sind die "muckswürdig", funktionieren die?

Manchmal ist es auch so, und das ist meistens bei Krimis so, dass die Anfänge unheimlich spannend sind, die Auflösung ist dann leider traurig. [… ] Aber die meisten sind wirklich sehr gut, […] speziell die aus dem Baden-Badener Südwestfunk oder dem damaligen Stuttgarter Süddeutschen Rundfunk. Da gab es eine Hörspiel-Tradition, die wirklich magisch war und sehr viel konnte.

"Kein Mucks!" – 200 Podcast-Folgen und es geht weiter

SWR1: Ihr Podcast gehört zu den erfolgreichsten der ARD. Hätten Sie jemals gedacht, dass Hörspiele aus Archiven so viele Leute begeistern würden?

Pastewka: Nein, wir haben vor allem nicht gedacht, dass wir die Sache so lange machen würden. Also "Kein Mucks!" entstand im Sommer 2020 unter der Schirmherrschaft der Hörspiel-Redaktion von Radio Bremen. Zu der Zeit waren wir alle erstmals auf Corona-Distanz. Aber die Reihe wurde so beliebt, dass wir weitere Staffeln starten konnten. Jetzt haben wir inzwischen fast 200 Folgen produziert. Jeden Donnerstag eine neue Ausgabe und wir machen weiter und weiter. Eine achte Staffel wird auch kommen.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Claudia Deeg
Claudia Deeg
Christian Balser
SWR1 RP Moderator Christian Balser
Interview mit
Bastian Pastewka
Onlinefassung
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Eins gehört gehört. SWR1. (Schriftzug SWR1 auf gelbem Hintergrund)