Taiwan 2014: Wochenlang halten Studenten das Parlament in der Hauptstadt Taipeh besetzt, sie fordern den Schutz der Demokratie gegenüber chinesischem Einfluss. Mit Stapeln von Polstersesseln verbarrikadieren sie die Eingänge gegen Polizeikräfte, die vergeblich herandrängen.
Diese Szenen sind Teil von Monika Treuts brandaktuellem Dokumentarfilm „Cooking up Democracy“ – wobei „Cooking“ in diesem Fall nichts mit Kochen zu tun hat.
Demokratie als Experiment
„Das ist eher eine Slang-Bedeutung im Englischen, dass man quasi was ausprobiert, was ich sehr treffend finde für die Art und Weise, wie die Taiwaner mit ihrer Demokratie umgehen: Sehr kreativ und ausprobierend“, sagt Treut über den Titel ihres Films.
Die Hamburger Regisseurin Monika Treut ist eine Leitfigur des Feministischen Kinos, seit über 40 Jahren aktiv. Nach Taiwan ist sie im letzten Jahr gereist, weil diese kleine Inselrepublik im Schatten des übermächtigen China eine Kultur-Revolution der eigenen Art vollbracht hat: Als einziges Land in Asien ist dort die gleichgeschlechtliche Ehe legalisiert – eine der Folgen jener Proteste von 2014.
Frauenrechte als Grundlage für Vielfalt
„Ich war dann sehr überrascht festzustellen, dass in den Grundsätzen der Demokratie die Frauenrechte sehr prominent verankert waren. In Taiwan gibt es diese Bewegung der Minderheiten, also auch der LGBT-Bewegung, die stark profitiert haben davon, dass die Frauenbewegung sich so stark eingesetzt hat,“ so Treut.
Ihr Film erkundet in ruhigen, schön gefilmten Bildern die Hintergründe dieser erstaunlichen Blüte von Bürgerrechten. Auskunft gibt unter anderem Audrey Tang, bis 2024 Taiwans erste Ministerin für Digitale Angelegenheiten, und 2025 ausgezeichnet mit dem Alternativen Nobelpreis. Sie schildert, dass ihr Heimatland die Demokratie nach 40 bleiernen Jahren unter Kriegsrecht mühsam errungen hat.
Keine Sehnsucht nach der autoritären Vergangenheit
Wir wollen keine autoritäre Regierung mehr. In vielen Ländern gilt Demokratie heute als ineffizient zur Lösung aktueller Probleme. Aber in Taiwan wollen wir nicht zurück, denn wir wissen genau, wie schlecht es vor der Demokratie war.
Dass Audrey Tang transgender ist, spielt bei all dem kaum eine Rolle. Sie werde in der Öffentlichkeit nach ihrem Beitrag zur politischen Kultur beurteilt, sagt Tang; mit welchem Pronomen man sie anspreche, möge jeder selbst entscheiden. Als Kind lebte sie in Deutschland, sprach keine Silbe der Landessprache und hat einiges an Diskriminierung erlitten – eine wichtige Erfahrung, sagt sie.
Ich kann mich besser in Benachteiligte hineinversetzen. Diese Leute haben oft die besten Ideen, ein Gemeinwesen zu verbessern. So wird aus dem Hindernis ein Weg zur Lösung.
Neugier statt Abwertung
Monika Treuts Film verschweigt nicht die Mühen des Alltags von Frauen und Non-Binären; aber vor allem ist er eine Ermutigung. Demokratische Gesellschaften müssen nicht kaputtgehen an inneren Widersprüchen – man kann Unterschiede auch auffassen wie die Menschen in Taiwan: als Bereicherung.
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