5. März 1933, Tag der Reichstagswahlen in der Weimarer Republik. Es werden die letzten freien Wahlen sein. Ende Januar wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und geht jetzt radikal gegen politische Gegner vor.
Wie genau konnte es zur Machtübertragung an die NSDAP kommen? Darauf versuchen die Macher und Macherinnen der Doku, die parallel zur 5. Staffel „Babylon Berlin“ erscheint, eine Antwort zu geben. Wer hier Behind-the-Scenes-Material zur Serie erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen liefert die Doku den passenden historischen Hintergrund. Zu Wort kommt unter anderem die Historikerin Claudia Gatzka.
Warum Menschen autoritäre Politik akzeptieren
„Für viele ist die soziale und wirtschaftliche Situation so drückend, dass sie ein Rutschen stärker ins Autoritäre einfach in Kauf nehmen. Ähnlich wie heute wächst die Toleranz gegenüber autoritären Regierungsformen“, so Gatzka.
Einen großen Anteil an dieser wachsenden Toleranz haben auch die damaligen modernen Bild- und Tonmedien. Unter Joseph Goebbels verbreiten die Nationalsozialisten damit Propaganda.
In der Doku etwa zu sehen: Bilder von Parteiplakaten sowie Original-Videoaufnahmen einer durch Goebbels staatstragend inszenierten Beerdigung eines SA-Manns. Zu hören ist unter anderem die Tonaufnahme der ersten Rundfunkansprache Hitlers als damaliger Reichskanzler.
Einfache Botschaften, große Versprechen
Eine klare Sprache kombiniert mit einfachen und emotionalen Botschaften. Eine vielversprechende Perspektive raus aus der Misere: Strategien, die für die Nationalsozialisten funktionieren.
Wer vom neuen System profitiert und wer es fürchten muss, zeigt die Doku in teilweise kolorierten Bildern und vertonten Zitaten von Zeitzeugen. Wie etwa dem der jüdischen Journalistin und Autorin Gabriele Tergit. Sie ist bekannt für ihre Gerichtsreportagen und im Visier der Nationalsozialisten.
„So sprachen die Menschen: Die Polizei schützt sie nicht, die Staatsanwaltschaft blieb nicht die objektivste Behörde, die sie zu sein hat. Tief fraßen faschistische Gedankengänge sich schon in die Köpfe,“ erklärt Tergit.
Auch Kommunistenführer Ernst Thälmann versteht schon 1933, was da auf die Feinde des Nationalsozialismus noch zukommt: „Masseninternierung von Kommunisten in Konzentrationslagern, Lynchjustiz und Meuchelmorde. Das alles gehört zu den Waffen, derer sich die faschistische Regierung uns gegenüber bedienen wird.“ 1944 wird Thälmann im Konzentrationslager Buchenwald ermordet.
Der Weg von der Demokratie zur Diktatur
Um den Weg hin zu Massenvernichtungen, Krieg und anderen schrecklichen Verbrechen des NS-Regimes zu zeigen, bedient sich „Babylon Berlin – Die Doku“ klassischer Elemente, wie man sie in vielen anderen Dokumentationen zum Nationalsozialismus schon gesehen hat: Immer wieder werden Expertinnen und Experten eingeblendet, eine Offstimme liefert zusätzliches Hintergrundwissen.
Illustriert wird das Ganze von zahlreichen Archivmaterialien sowie aufwändigen Animationen des damaligen Berlins. Das ist für sich nicht neu, aber gut gemacht und inhaltlich spannend aufbereitet. Und an Aktualität gewinnt das Ganze durch Aussagen wie diese von Journalist und Autor Uwe Wittstock:
„Man muss sich drüber klar sein, Demokratie ist anfällig für Demagogie, heute wird das gerne Populismus genannt. Aber man muss als Wähler die richtige Entscheidung treffen – vorab. Wenn erst mal ein Antidemokrat an der Regierung ist, zählt es nicht mehr nach Monaten oder Wochen, dann zählt es nach Tagen, bis die Demokratie zerstört sein kann.“
Was wir heute aus 1933 wissen
Früher hätte man keine Erfahrung damit gehabt, wie Demokratien in Diktaturen übergehen können, erklärt Wittstock an einer anderen Stelle. Heute wissen wir es.
Gerade darin liegt die Aktualität der Doku: Sie erzählt nicht nur, wie die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen. Sie zeigt auch, wie wirtschaftliche Not, politische Instabilität, Propaganda und die zunehmende Akzeptanz autoritärer Politik den Boden für die Zerstörung der Demokratie bereiteten.
„Babylon Berlin – Die Doku“ – Ab sofort in der ARD Mediathek, am 21. September um 23:35 Uhr in Das Erste.
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