Die besten Träume des Kinos finden sich an seinen Rändern, im Extremen und Experimentellen. „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ – schon der Titel von Jane Schoenbruns Film verspricht genau das, weswegen die meisten Leute letztendlich ins Kino gehen, aller neopuritanischen Achtsamkeitsgebote zum Trotz.
„Flesh and Liquids“, darum gehe es im Kino, „nicht um das ganze akademische Zeugs“, so erklärt es selbst eine Hauptfigur an zentraler Stelle und skizziert damit zugleich die Programmatik dieses Werks.
Eine queere Regisseurin und ein verschwundenes Final Girl
Unangemessen nüchtern beschrieben erzählt der Film von der jungen, lesbischen, extrem akademisch geprägten New Yorker Regisseurin Kris, die in ihrem neuen Film eine erfolgreiche Slasher-Reihe der 1980er-Jahre namens „Camp Miasma“ wiederbeleben will.
Selbst glühender Fan der Reihe ist sich Kris bewusst, „dass sich das Studio eine queere Regisseurin nur gesucht hat, um allem etwas Tiefgang zu geben und Anerkennung bei der Gen Z zu bekommen“. Sie beschließt, das ikonische Final Girl des ersten Teils in den Film zurückzubringen, und kontaktiert dafür die Schauspielerin, die nach ihrem kurzen Ruhm in solchen Produktionen aus der Branche verschwand. Gillian Anderson, seit „Akte X“ längst selbst Darstellerinnen-Kult, spielt diese Billy Presley in einem grandiosen Auftritt.
Wenn Realität und Fiktion verschwimmen
Aus Sehnsucht und Begehren entsteht eine Beziehung zwischen beiden Frauen, die unterschiedliche Generationen miteinander verbindet und die harten Normen und Normierungen unserer Gegenwart infrage stellt, während Realität und Fiktion zunehmend miteinander verschwimmen.
Sowieso ist dies ein Film, der die Grenzen zwischen seiner Rezeption und sich selbst auflöst und in seiner Machart alles in fließenden Übergängen bis zur Ununterscheidbarkeit miteinander vermischt. Seit David Lynchs „Mulholland Drive“ hat kein Film mehr so wie ein Möbiusband funktioniert wie dieser.
Ein Spiel mit dem Slasher-Genre
Ästhetisch aber ist dies ein überschäumendes, unernstes Spiel mit dem Slasher-Genre, voller Fantasie, Kreativität und Ironie und gespickt mit Filmzitaten.
In seiner Liebeserklärung an die Kinogeschichte und das Erzählen in Bildern positioniert sich „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ gegen jenes formelhafte Kino, das gerade das Medium dominiert – ein Kino, das von Produzenten und Marktanalysten und zunehmend auch Algorithmen gesteuert wird, für die eine gute Idee nur dann gut ist, wenn sie schon einmal funktioniert hat.
Eine Hommage an die Kinogeschichte
Tatsächlich ist dies ein Film voller Liebe für Kino und eine Hommage an das Medium: Kino als kluge Selbstreflexion des Kinos, aber zugleich ein direkter und – wie man heute gern sagt – „immersiver“ und lustvoller Film; ein Film, der als solcher Spaß macht, aber noch viel mehr all jenen Cinephilen und Filmfans, die ein bisschen Ahnung von Filmgeschichte und Liebe zu Filmgenres und zur Vergangenheit des Kinos haben.
So hält dieser Film alles, was das Kino verspricht, und verspricht alles, was das Kino halten muss. Und ja: Dies alles ist bis zu einem bestimmten Grad gar nicht intellektuell, sondern eher fröhlicher Antiintellektualismus – eine Hommage an die Lust an der Kunst und ein filmischer Paukenschlag.
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