Filmkritik

„Teenage Sex and Death at Camp Miasma“: Lustvolle Liebeserklärung ans Kino

Jane Schoenbruns „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ verbindet Slasher, queere Liebesgeschichte und Filmgeschichte zu einer lustvollen Liebeserklärung ans Kino.

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Von Autor/in Rüdiger Suchsland

Die besten Träume des Kinos finden sich an seinen Rändern, im Extremen und Experimentellen. „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ – schon der Titel von Jane Schoenbruns Film verspricht genau das, weswegen die meisten Leute letztendlich ins Kino gehen, aller neopuritanischen Achtsamkeitsgebote zum Trotz.

„Flesh and Liquids“, darum gehe es im Kino, „nicht um das ganze akademische Zeugs“, so erklärt es selbst eine Hauptfigur an zentraler Stelle und skizziert damit zugleich die Programmatik dieses Werks.

Gillian Anderson, Jane Schoenbrun und Hannah Einbinder posieren beim Photocall zu „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ in Cannes.
Gillian Anderson, Regisseurin Jane Schoenbrun und Hannah Einbinder beim Photocall zu „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ bei den Filmfestspielen von Cannes 2026. Future Image

Eine queere Regisseurin und ein verschwundenes Final Girl

Unangemessen nüchtern beschrieben erzählt der Film von der jungen, lesbischen, extrem akademisch geprägten New Yorker Regisseurin Kris, die in ihrem neuen Film eine erfolgreiche Slasher-Reihe der 1980er-Jahre namens „Camp Miasma“ wiederbeleben will.

Selbst glühender Fan der Reihe ist sich Kris bewusst, „dass sich das Studio eine queere Regisseurin nur gesucht hat, um allem etwas Tiefgang zu geben und Anerkennung bei der Gen Z zu bekommen“. Sie beschließt, das ikonische Final Girl des ersten Teils in den Film zurückzubringen, und kontaktiert dafür die Schauspielerin, die nach ihrem kurzen Ruhm in solchen Produktionen aus der Branche verschwand. Gillian Anderson, seit „Akte X“ längst selbst Darstellerinnen-Kult, spielt diese Billy Presley in einem grandiosen Auftritt.

Gillian Anderson und Hannah Einbinder in einer Szene aus Jane Schoenbruns Film „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“.
Es wird blutig: Gillian Anderson und Hannah Einbinder in Jane Schoenbruns „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ Landmark Media

Wenn Realität und Fiktion verschwimmen

Aus Sehnsucht und Begehren entsteht eine Beziehung zwischen beiden Frauen, die unterschiedliche Generationen miteinander verbindet und die harten Normen und Normierungen unserer Gegenwart infrage stellt, während Realität und Fiktion zunehmend miteinander verschwimmen.

Sowieso ist dies ein Film, der die Grenzen zwischen seiner Rezeption und sich selbst auflöst und in seiner Machart alles in fließenden Übergängen bis zur Ununterscheidbarkeit miteinander vermischt. Seit David Lynchs „Mulholland Drive“ hat kein Film mehr so wie ein Möbiusband funktioniert wie dieser.

Eine Szene aus Jane Schoenbruns „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“
Eine Szene aus Jane Schoenbruns „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ Landmark Media

Ein Spiel mit dem Slasher-Genre

Ästhetisch aber ist dies ein überschäumendes, unernstes Spiel mit dem Slasher-Genre, voller Fantasie, Kreativität und Ironie und gespickt mit Filmzitaten.

In seiner Liebeserklärung an die Kinogeschichte und das Erzählen in Bildern positioniert sich „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ gegen jenes formelhafte Kino, das gerade das Medium dominiert – ein Kino, das von Produzenten und Marktanalysten und zunehmend auch Algorithmen gesteuert wird, für die eine gute Idee nur dann gut ist, wenn sie schon einmal funktioniert hat.

Filmszene aus Jane Schoenbruns „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“, in dem eine Regisseurin eine Verbindung zum Final Girl eines früheren Slasher-Films aufbaut.
Jane Schoenbruns „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ spielt mit den Grenzen zwischen Slasher, Realität und Fiktion. Landmark Media

Eine Hommage an die Kinogeschichte

Tatsächlich ist dies ein Film voller Liebe für Kino und eine Hommage an das Medium: Kino als kluge Selbstreflexion des Kinos, aber zugleich ein direkter und – wie man heute gern sagt – „immersiver“ und lustvoller Film; ein Film, der als solcher Spaß macht, aber noch viel mehr all jenen Cinephilen und Filmfans, die ein bisschen Ahnung von Filmgeschichte und Liebe zu Filmgenres und zur Vergangenheit des Kinos haben.

So hält dieser Film alles, was das Kino verspricht, und verspricht alles, was das Kino halten muss. Und ja: Dies alles ist bis zu einem bestimmten Grad gar nicht intellektuell, sondern eher fröhlicher Antiintellektualismus – eine Hommage an die Lust an der Kunst und ein filmischer Paukenschlag.

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Erstmals publiziert am
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Autor/in
Rüdiger Suchsland
Onlinefassung
Helen Roth