Blick auf das Menschliche in unserer Begräbniskultur
Ein moderner Wohnkomplex in Berlin. Schneetreiben. Ein Mann und eine Frau klingeln. Die Kamera bleibt draußen, vor dem Gebäude, vor der Wohnungstür. Nur ihre Stimmen sind zu hören, während die Fassade mit ihren stummen Fenstern im Bild bleibt.
Maria Schuster und Eric Wrede vom Bestattungsinstitut „Lebensnah“ stellen sich vor: „Wir wollten nur einmal schnell gucken, wo Frau Kord ist, gucken, wie wir sie am besten abholen können.“
Die Abholung der toten Frau Kord findet nur im Kopf des Zuschauers statt. Ihre Leiche sieht man dabei nicht. Der Dokumentarfilm „Der Tod ist ein Arschloch“ richtet den Blick auf das Menschliche in unserer Begräbniskultur. Empathie für die Angehörigen, aber auch für die Toten.
Ein ehemaliger Bandmanager gründet ein Bestattungsunternehmen
Das ist, was sich das alternative Bestattungsunternehmen „Lebensnah“ mit seinem Gründer Eric Wrede auf die Fahnen geschrieben hat. „Es ist Irrsinn, wie viele Menschen mit einer althergebrachten Form des Bestattens überhaupt nichts anfangen können“, sagt Wrede. „Wir haben ja von Anfang an versucht, Abschiede so anzubieten, wie wir selber es gerne hätten.“
Eric Wrede, ein ehemaliger Bandmanager, arbeitet mit drei Bestatterinnen, die auch einen beruflichen Neustart gewagt haben. Ihre Erfahrungen aus Werbung, Kosmetik und Kunst bringen sie mit ein. Die frühere Fernsehschauspielerin Maria Schuster etwa begleitet die Beerdigungen nun musikalisch.
Lange Entstehungsphase des Dokumentarfilms
Die Idee zum Dokumentarfilm entwickelte der Mainzer Regisseur Michael Schwarz über Jahre. Ein Auslöser: eine Lesung zu Eric Wredes Buch „The End“. Erfahrungen aus dem persönlichen Umfeld mit weniger empathischen Bestatterinnen bewogen ihn dazu, dem Bestatter eine lange E-Mail zu schreiben.
2020 gingen die Recherchearbeiten los. „Ich bin wirklich wochenlang mitgelaufen und habe im Prinzip so eine Art von Praktikum dort gemacht“, erinnert sich Michael Schwarz.
Neue Medienförderung unterstützte Projekt
Ausdauer und Hingabe prägen auch die Karriere von Michael Schwarz. Nach ersten Jobs bei der Bavaria Filmproduktion studiert er in Mainz Theaterwissenschaften und entdeckt dort an der Filmklasse den Dokumentarfilm für sich.
2009 gründet er mit einem Studienfreund die Produktionsfirma Nachtschwärmerfilm. Die produziert zur Hälfte Imagefilme, zur anderen Hälfte freie Kinodokumentarfilme; lange ein Risiko, da es in Rheinland-Pfalz keine Filmförderung gab.
Erster Dokumentarfilm, der das Festival „Filmz“eröffnet
Das änderte sich 2021 mit der Medienförderung Rheinland-Pfalz. „Man merkt jetzt gerade, da kommt auch so ein richtiger Schwung rein“, sagt Michael Schwarz. „Alle sind richtig motiviert, spannende Projekte zu machen.“
Eines der ersten geförderten Projekte war „Der Tod ist ein Arschloch“. Jetzt eröffnet das Werk das Festival „Filmz“ – als erster Dokumentarfilm. Michael Schwarz kann dabei mit großem Zuspruch rechnen – nicht nur, weil Mainz für ihn ein Heimspiel ist, sondern auch, weil es zum Thema Tod offenbar großen Redebedarf gibt.
Mehr Dokumentarfilme
Filmtipp „Zirkuskind“ – Dokumentarisches Roadmovie kommt ins Kino
„Zirkuskind“ erzählt aus dem Leben der letzten Nomaden Deutschlands: vom Aufwachsen mit der Großfamilie und Tieren, von einem Leben auf Rädern und ohne ein festes Zuhause.