New York in den 1930er-Jahren, eine Stadt im Griff skrupelloser Gangster. Früher schwang sich Ben Reilly als maskierter Superheld „Die Spinne“ durch die Straßen. Doch seit bei einem Einsatz seine große Liebe starb, hat Reilly das Superhelden-Dasein aufgegeben und arbeitet als Privatdetektiv.
Eines Tages taucht die Barsängerin Cat Hardy mit einem Auftrag in Reillys Büro auf. Er soll für sie in der New Yorker Unterwelt ermitteln. Der Fall zwingt den Detektiv zurück auf die Bildfläche, denn es tauchen weitere Männer mit Superkräften in der Stadt auf. Die Spuren führen auch in Reillys eigene Vergangenheit.
Nicolas Cage als Spider-Man mit Bogart-Hut
Mit dem Spider-Man, den man aus dem Kino kennt, hat die achtteilige Serie „Spider-Noir“ nur wenig gemein. Nicolas Cage spielt Privatdetektiv Ben Reilly in starker Anlehnung an Humphrey Bogarts ikonische Filmfiguren.
Sein Spider-Man ist ein gebrochener Mann, zerfressen von Defätismus und Selbstzweifeln. Das gelingt Nicolas Cage überzeugend – sogar so überzeugend, dass so manche Spider-Man-typische Slapstick-Einlage eher stört.
Aber „Spider-Noir“ lebt auch vom Rest des Ensembles. Brendan Gleeson spielt den Gangster-Boss Silvermane als kaltschnäuzigen Strippenzieher. Li Jun Li gibt als Barsängerin Cat Hardy eine hinreißende Femme fatale.
Eine Hommage an die Regisseure des Film noir
Die Showrunner Oren Uziel und Steve Lightfoot orientieren sich auch in ihrer Bildsprache ganz an den Vorbildern des Film noir. So ist „Spider-Noir” nicht zuletzt auch eine Verbeugung vor den Regisseuren dieser Epoche: Howard Hawks, Billy Wilder, John Huston oder der späte Fritz Lang.
Mit harten Schatten, starken Kontrasten, schiefen Kamerawinkeln und der passenden musikalischen Untermalung gelingt „Spider Noir“ ein stimmiges Gesamtbild. Die Macher setzen auch auf viele filmische Zitate, etwa die Verfolgungsjagd aus Carol Reeds Klassiker „Der dritte Mann“.
Wahlweise in Schwarz-Weiß oder Technicolor
Prime Video bietet die Serie in zwei Varianten zum Streamen an: Die Nutzer können wählen zwischen einer Fassung in Schwarz-Weiß oder in Farbe. Das erinnert an quietschbunte Technicolor-Filme und ist wohl eher den Sehgewohnheiten des Streaming-Publikums geschuldet als künstlerischer Überzeugung.
Kurzweilig trotz vieler Kompromisse
Es ist nur einer der Kompromisse, den „Spider-Noir“ zwischen seinem Film-Noir-Thema und massentauglicher Unterhaltung meistern will. Visuell bietet die Serie so nur wenig mehr als die einfache Imitation seiner Vorbilder. Die Verfilmung von Frank Millers Comic „Sin City“ hat hier schon vor zwanzig Jahren eine deutlich spannendere Bildsprache gefunden.
Trotzdem: „Spider-Noir“ bietet kurzweilige Superhelden-Unterhaltung in einem alles in allem gelungenen Genre-Mix. Vielleicht ein notwendiger neuer Impuls für das zuletzt ziemlich angestaubte Kino-Universum der Marvel-Comics.