Die Fans sind müde

Seit Jahren kein Hype mehr: Entkommt der neue „Superman“-Film der Superhero Fatigue?

Der Hype um Superhelden ist vorbei, sagen viele und haben dafür auch einen eigenen Namen: Superhero Fatigue. Hat der neue „Superman“-Film im Kino trotzdem eine Chance?

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Von Autor/in Ines Kunze

Ob aus dem Marvel- oder aus dem DC-Universum: Wenn früher ein Superhelden-Film in die Kinos kam, war der Erfolg eigentlich schon vorprogrammiert. „Iron Man“ etwa, dargestellt von Robert Downey Junior, sammelte eine riesige Fangemeinde hinter sich, die „Dark Knight“- Trilogie sorgte für einen großen Hype. Oft war die Beliebtheit auch an die Schauspieler gekoppelt, die die Superhelden verkörperten – etwa bei Chris Evans als Captain America.

Mit „Avengers: Endgame“ fand schließlich 2019 eine große Saga ihren Abschluss – und plötzlich schien bei den Fans so etwas wie Müdigkeit einzusetzen. Ein Film nach dem anderen floppte, in den Fan-Foren drückten viele ihren Frust aus.

2016 habe ich ein Blatt Papier zur Schule mitgenommen, mit der Umfrage, ob man „Team Iron Man“ oder „Team Captain America“ ist.  2025 habe ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mir „Captain America: Brave New World“ nicht einmal im Kino ansehen möchte.

Dabei gibt es durchaus Filme, die nach wie vor gut laufen: „Spiderman“ etwa mit Tom Holland in der Hauptrolle, der als junger, nahbarer Held einen ganz anderen Typus verkörpert als manch anderer Marvel- oder DC-Protagonist. Der große Hype ist aber, wie die Einspielergebnisse belegen, eindeutig vorbei.

Kritik auch von Ultra-Fans

Ein Grund dafür ist schlicht Übersättigung: Nach „Avengers: Endgame“ veröffentlichte nicht nur Marvel eine ungewöhnlich hohe Dichte an neuen Superhelden-Inhalten, auch über den klassischen Blockbuster hinaus im Serien-Format oder auch als Feiertags-Special. Viele Fans fühlen sich durch diese Masse überfordert.

Man muss eine TV-Serie schauen, um zu verstehen, warum Dr. Strange's [sic] Bösewicht ein Avenger war.[..] Man muss Black Widow's [sic] Film sehen, um zu wissen, wer Yelena ist und warum sie Hawkeye in der Serie umbringen will.

Andere Fans können zwar mithalten, sind aber längst nicht mehr so begeistert von der Qualität.

Es wirkt so, als würden sie wahllos Sachen an die Wand werfen und schauen, was hängen bleibt. Die Fans haben's echt satt. 

Der große Spannungsbogen ist also vorbei, die neuen Storylines wollen nicht so richtig greifen. Auch der Versuch, durch einen diverseren Cast neues Interesse zu generieren, wie in „The Marvels", ging teilweise nach hinten los: Einem Teil der Fanbase war das zu „woke“, sie boykottierten die Filme.

Filmstill aus "The Marvels"
Das war manchen zu woke: In "The Marvels"(2023) war der Cast ungewohnt divers.

Zu woke, zu lang, zu verfügbar

Wie es der Zufall wollte, ging mit „Avengers: Endgame“ außerdem nicht nur eine Superhelden-Ära zu Ende, 2019 war gleichzeitig das letzte Jahr vor der Corona-Pandemie. In den folgenden Jahren hieß es also für alle improvisieren, viele Kino-Fans stellten auf Streaming um. Dieser Effekt zeigt sich bis heute.

Es gibt keine Eile mehr, rauszugehen und sich einen Superhelden-Film anzuschauen, wenn du weißt, dass du ihn eh in einem Monat streamen kannst.

Ein weiteres Phänomen, das den Superhelden-Blockbustern nicht gerade in die Hände spielt, ist ein neues Mediennutzungsverhalten, das sich während der Pandemie nur weiter verstärkt hat: Durch TikTok& Co sind Konsumenten immer schnellebigere Inhalte gewohnt. Wer sonst im Sekundentakt neue Reels schaut, tut sich eher schwer damit, für mehrere Stunden im Kinosessel zu sitzen.

Eine Chance für den Superhelden

Schafft es der neue „Superman“ trotz allem, wieder mehr Publikum in den Kinosaal zu locken? Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger ist optimistisch, weil der Film sich sehr von den bisherigen abhebe. Einen der Gründe für die „Superhero Fatigue“ sieht er auch in einem sehr finsteren Storytelling der letzten Jahre, mit teils ambivalenten Figuren, wie etwa der letzte „Superman“, dargestellt von Henry Cavill.

Der neue Film habe dagegen eine viel positivere, nahbare Ausrichtung. Superman ist jung, erlebt eine Liebesgeschichte, sogar ein Hund kommt in der Geschichte vor. Gleichzeitig ist die Figur aber auch ein Held, der die aus den Fugen geratene Welt wieder in Ordnung bringt.

In Zeiten der Polykrise sagt Stiglegger, gebe es beim Publikum ein Bedürfnis nach so einem eingreifenden Beschützer – oder zumindest sei das wohl die Einschätzung der Produktionsstudios.

Bilder von Superman-Filmpremiere in China
Mit ihnen soll "Superman" anders werden: Hauptdarsteller David Corenswet und Rachel Brosnahan.

Ob „Superman“ damit an alte Erfolge anknüpfen kann, kann Stiglegger natürlich nicht sagen, aber: Neugier und Interesse werde der Film sicherlich wecken.

Rückbesinnung auf den ersten Kino-Blockbuster Neuer „Superman“-Film im Kino: Superman ist wieder jung – und fast der Alte

Der neue „Superman“ ist wieder jünger, positiver, menschlicher als in den letzten Filmen – und spiegelt so die Wünsche unserer Zeit, meint Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger.

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Ines Kunze
Team SWR Kultur: Autorin InesKunze