Bizarr-komische Fremdscham-Momente

Starbesetzte Paarkomödie „The Invite“: Sex, Lebenslügen und Beziehungsarbeit

Zwei Paare, ein entgleisendes Dinner und eine Einladung zu einer ganz neuen Form von gelebter Nachbarschaft. „The Invite“ von Olivia Wilde ist eine Paarkomödie mit hohem Cringe-Faktor.

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Von Autor/in Julia Haungs

Joes Tag hätte nicht schlechter laufen können. Seine Arbeit an einem mittelmäßigen Musikcollege frustriert ihn, er hat höllische Rückenschmerzen. Und jetzt stehen auch noch die Nachbarn von obendrüber vor der Tür.

Seine Frau Angela hat sie zum Abendessen eingeladen. Natürlich ohne das vorher mit ihm abzusprechen. Wie nach 15 Jahren überhaupt nur noch wenig gesprochen wird in dieser Ehe. Doch Angela hat sich den ganzen Tag auf dieses Zusammentreffen vorbereitet.

The Invite von Olivia Wilde
Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde) befinden sich in einer Krise, und dann stehen auch noch die Nachbarn vor der Tür. Pressestelle Tobis Film

Tiefenentspannte Nachbarn

Obwohl Joe die Gäste maximal feindselig empfängt, wirken Hawk und Pina tiefenentspannt: er ein Rolfing-Masseur, sie eine Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Sex.

Dass auf diesem Gebiet beide eine gewisse Expertise haben, wissen Joe und Angela schon, weil sie von oben jede Nacht von animalischen Geräuschen geweckt werden.

Penelope Cruz (l) als Pina und Olivia Wilde als Angela in einer Szene des Films "The Invite"
Pina (Penelope Cruz, l.) reagiert gelassen auf die feindselige Stimmung bei den Nachbarn von unten. picture alliance/dpa/Tobis Film | Tobis Film

Während Angela insgeheim Pinas lautstarke Orgasmen bewundert, nimmt Joe Anlauf, dem Paar mal so richtig die Meinung zu sagen. Doch dann stellen Hawk und Pina ein Angebot in den Raum, das dem verratzten Abend eine ganz neue Richtung gibt: Sie fühlen sich zu Angela und Joe hingezogen.

Bizarr-komische Fremdscham-Momente

Für „The Invite“ hat Regisseurin Olivia Wilde eine Starbesetzung zusammengebracht. Edward Norton und Penelope Cruz brillieren als sexpositives Paar Hawk und Pina.

Wilde selbst und Seth Rogen spielen Angela und Joe, die an ihrer Verbitterung und unterdrückten Sehnsüchten zu ersticken drohen.

The Invite von Olivia Wilde
Die Dinnerparty wird zur Bühne, auf der sich all das explosionsartig entlädt, was seit Jahren unausgesprochen gebblieben ist.  Pressestelle Tobis Film

Diese Gemengelage führt zu einigen bizarr-komischen Fremdscham-Momenten. Dazu kommt aber auch alles auf den Tisch, was Angela und Joe schon immer über Sex wissen wollten.

Fragen moderner Beziehungen werden verhandelt

In einem schlechteren Film böten diese Passagen Anlass für zotigen Humor. Doch „The Invite“ hat ausgerechnet hier überraschend berührende Momente. Denn Pina und Hawk geben freimütig Auskunft darüber, wie sie über das Ausleben ihrer sexuellen Wünsche zu einer tiefen, harmonischen Partnerschaft gefunden haben.

Unter dem cringigen Humor verhandelt „The Invite“ sehr ernsthaft Fragen moderner Beziehungen, von Intimität und Begehren.

Clevere Dialoge und elegante Kameraführung

Olivia Wildes Kammerspiel überzeugt mit cleveren Dialogen, gutem Pointen-Timing und einer eleganten Kameraführung. Geschickt bindet die Kamera von Adam Newport Berras alle Zimmer der Wohnung in eine dynamische Choreografie ein, schafft intime Räume für Momente der Nähe genauso wie die große Bühne für die finale Abrechnung. 

Man kann viele neue Beziehungen haben, während man älter wird, heißt es an einer Stelle. Oder man kann eine neue Beziehung mit dem alten Partner beginnen.

Wie es für Joe und Angela ausgeht, bleibt am Ende offen. Die gleiche Beziehung wird es nach diesem Abend jedenfalls nicht mehr sein.

Trailer „The Invite“ – Kinostart am 30.7.

THE INVITE | Offizieller Trailer | Ab 30. Juli im Kino!

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Julia Haungs