Neustart in Kapstadt

ARD Serie „The Morning After“: Dramedy über Kater, Krisen und Selbstfindung

Nach einem One-Night-Stand strandet Nina ohne Kleidung und Geld am Strand von Kapstadt. Doch statt Panik trifft sie auf neue Freundinnen – und eine neue Lebensperspektive. Die Dramedy „The Morning After“ ist die erste Serie der ARD-Koproduktion Fab Fiction.

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Von Autor/in Karsten Umlauf

Nina wacht mit verschlafener Miene am Strand von Kapstadt auf. Sie ist kurz irritiert – dann realisiert sie, dass sie splitternackt ist, ihre Klamotten, Rucksack und Geld weg. Höchstwahrscheinlich wurden ihre Sachen von dem Typen geklaut, mit dem sie den Vorabend verbracht – und dann eben auch nackt am Strand gelandet ist.

Gestrandet Nina (Amara Okereke) ist nackt und ausgeraubt am Strand von Kapstadt aufgewacht und braucht jetzt nicht Spott, sondern Hilfe.
Gestrandet: Nina (Amara Okereke) ist nackt und ausgeraubt am Strand von Kapstadt aufgewacht und braucht jetzt nicht Spott, sondern Hilfe.

Wie es der Zufall will, begegnet die Engländerin Nina, inzwischen mit einer Plastikfolie bekleidet, dem Frauenpärchen Mandisa und Cleo. Die beiden laden sie zu sich in ihr Strandhaus ein – und gemeinsam schmieden sie einen Plan.

Dramedy trifft WG-Idylle mit Meerblick

Zusammen mit Hippie-Vermieterin Michaela und deren attraktivem Bruder Justin komplettiert Nina bald eine Party-WG mit Traumblick aufs Meer. Sich von Männern nicht ausnutzen oder dominieren zu lassen, ist das eine. Das Leben aber irgendwie bestreiten zu können, Geld zu verdienen und sich dabei eine möglichst lässige Grundhaltung zu bewahren, erweist sich als die größere Herausforderung.

Schnell lernt Nina neue Leute kennen und landet schließlich in einer ziemlich verrückten WG.
Schnell lernt Nina neue Leute kennen und landet schließlich in einer ziemlich verrückten WG.

Zumal Nina, wie man allmählich erfährt, Alkoholprobleme hatte und eigentlich für eine Reha nach Südafrika gekommen ist. Was ihr später noch ziemlich auf die Füße fällt.

"The Morning After": Leichtigkeit trotz ernster Themen

Wie die Serie versucht, dabei nicht in ein Sozial- oder Psychodrama abzugleiten, sondern ihren entspannten Dramedy-Duktus beizubehalten – das macht ihren Reiz aus. Beschwingte, reggaeinspirierte Musik, Off-Kommentare von Nina als direkte Ansprache an die Zuschauenden verleihen „The Morning After“ spielerischen Charakter.

Dazu kommt ein charmanter Trick: Jede Folge beginnt an einem neuen Morgen, an dem Nina mehr oder weniger verpeilt aufwacht – und dann folgt die Rückblende, was am Abend zuvor passiert ist.

Ninas neuen Mitbewohnerinnen fällt auf, dass etwas nicht stimmt – und sie fangen sie auf. Zumindest vorerst …
Ninas neuen Mitbewohnerinnen fällt auf, dass etwas nicht stimmt – und sie fangen sie auf. Zumindest vorerst …

Gesellschaftskritik mit Humor und Leichtigkeit

Sehr bewusst und mit leichter Ironie setzt die Serie ihre Wendungen, die sogenannten Plottwists, ein. Dabei überbieten sich die Dialoge nicht gerade in Komplexität. Dennoch gelingt es der Serie, Fragen von Rassismus, sexueller Selbstbestimmung oder Alkoholismus zu stellen – und auf unterhaltsame Weise den Pseudoproblemen eines weißen Wohlstandsbürgertums entgegenzusetzen.

„The Morning After“ ist damit zweifellos in der südafrikanischen Gesellschaft verankert. Die Serie funktioniert aber in der Regie der oscarnominierten Cindy Lee auch als allgemeine Geschichte über die Lebenswelt von Mitt- bis Endzwanzigern, die im Begriff sind, ein eigenes Leben zu starten – und doch schon ein ganz schönes Päckchen an Erfahrung mit sich herumtragen.

Trailer „The Morning After“:

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Autor/in
Karsten Umlauf
Karsten Umlauf, Autor und Morderator bei SWR Kultur