75 Jahre jüdisches Leben nach der Shoah

Zentralrat der Juden: Warum seine Gründung 1950 ein Wendepunkt war

Vor 75 Jahren wurde der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet – ein klares Signal jüdischer Zukunft nach der Shoah, sagt Dani Kranz, Vorsitzende des Vereins „Präsenzen – Netzwerk jüdische Gegenwartsforschung“. Heute kämpft er vor allem gegen neuen Antisemitismus.

Teilen

Stand

Nur fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts wurde am 19. Juli 1950 der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet. Am 19. Juli 2025 feiert er seinen 75. Geburtstag – offiziell gefeiert wird allerdings erst im September, zum jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana.

Professorin Dani Kranz, Inhaberin des Humboldt-Lehrstuhls am Colegio de México und Vorsitzende des Vereins „Präsenzen – Netzwerk jüdische Gegenwartsforschung“, sieht in der Gründung des Zentralrats ein klares Signal: „Ab dem Moment war eigentlich klar: Juden werden in Deutschland bleiben.“ Sie spricht von einer „Verfestigung jüdischer Strukturen in Deutschland“.

Antisemitismus gefährdet die Demokratie

Während in den Anfangsjahren die Repräsentation und das Aushandeln von Reparationen und Restitutionen im Vordergrund standen, beschäftigen den Zentralrat seit dem 7. Oktober 2023 vor allem antisemitische Tendenzen.

Kranz betont: „Im Moment ist die Hauptaufgabe, zu sagen: Halt, stopp – hier ist eine Demokratiegefährdung. Wir werden gefährdet, dieses Land wird gefährdet.“ Der Zentralrat bemühe sich, Brücken zu schlagen, Verbündete zu finden und politisch wirksam zu bleiben.

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Frauke Oppenberg
Frauke Oppenberg, Team SWR Kultur
Interview mit
Dani Kranz