Berliner Episodenfilm über Außenseiter und urbane Konflikte

#Schwarze Schafe: Zerrissene Identitäten, scharfe Kontraste und viel Ambition

Vor fast zwanzig Jahren überraschte Oliver Rihs mit der anarchischen Komödie „Schwarze Schafe“. Nun folgt mit „#Schwarze Schafe“ eine lose Fortsetzung. Die Episoden über Außenseiter und zerrissene Identitäten stehen für sich. Rihs verbindet verschiedenste Milieus – vom arabischen Clan bis zur frustrierten Hausfrau. Die Brüche wirken teils willkürlich, doch Ensemble und Einzelszenen überzeugen.

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Von Autor/in Rüdiger Suchsland

Ein arabischer Drogenclan aus Berlin-Neukölln will klimaneutral werden – das ist ein ungewöhnlicher Plot, der zunächst neugierig macht. In Zeiten, in denen deutsche Indie-Filme klassische Erzählmuster hinter sich lassen, wirkt der Film wie ein urbanes Gegenstück zum weichgespülten Mainstream.

Der Clan im Unverpacktladen
Die sorglosen Einkäufe im Späi sind vorbei. Der Clan kauft jetzt im Unverpacktladen ein.

Doch aus der vielversprechenden Momentaufnahme einer zerrissenen Generation wird schnell ein Flickwerk aus Anachronismen, Neunzigerjahre-Zynismus, formalen Spielereien und greller gesellschaftlicher Pose. Trotz ehrlicher Ambitionen bleibt der Film hinter seinem Potenzial zurück.

Episodisches Erzählen und Berliner Subkulturen

Regisseur Oliver Rihs erzählt in „#Schwarze Schafe“ lose verbundene Episoden. Sie porträtieren Berliner Subkulturen und sogenannte „schwarze Schafe“ der Gesellschaft: arabische Drogendealer, Start-up-Gründer, Aktivisten und frustrierte Hausfrauen – alle zwischen Wut, Witz und Weltflucht.

Im Gespräch mit der Sozialarbeiterin: Delphine von Plettenburg (Jella Haase)
Die Genderpuppen-Erfinderin: Delphine von Plettenburg (Jella Haase) ist gerade im Gespräch mit der Sozialarbeiterin.

Diese Disparatheit ist gleichzeitig Stärke und Schwäche. Die Episoden setzen auf unterschiedliche Stilmittel und Erzählformen, was manchmal an Tom Tykwers experimentelle Stadtcollagen erinnert.

Vielschichtige Filmsprachen und erzählerische Brüche

Jede Episode scheint eine eigene Filmsprache zu fahren – von Handkamera über surreale Traumsequenzen bis Social-Media-Clips. Statt sich zu ergänzen, wirken die Brüche oft beliebig. Die filmische Zersplitterung erscheint als Konzept, nicht als Notwendigkeit. Das erschwert dem Film erzählerische Stringenz, die nur selten erreicht wird.

Brennende Rikscha

Atmosphäre und Schauspieler bringen gelegentlich Dichte in den Film. Doch der Humor ist oft bemüht und altbacken: Schenkelklopf-Humor, der auf Randgruppen herabblickt. Themen wie Clan-Kriminalität, Genderfragen und Klimaschutz werden grotesk zugespitzt. Das nimmt dem Film teilweise die Ernsthaftigkeit.

Haase, Böwe und Harrouk: Ensemble und Produktion als Rettungsanker

Das engagierte Ensemble hält den Film über Wasser: Jella Haase, Jule Böwe, Yasin El Harrouk und Frederik Lau überzeugen. Auch das technische Niveau ist hoch: Sounddesign und Musik schaffen dichte Klangwelten, die Montage ist pointiert, das Produktionsdesign überspitzt comichaft.

Balkon-Imker: Fritz von Plettenburg (Frederick Lau)
Fritz von Plettenburg (Frederick Lau) will sein Leben neu sortieren und als Balkon-Imker neu anfangen.

„#Schwarze Schafe“ ist ein Film, der mehr will, als er halten kann. Zwischen Experiment, postmoderner Pose und gesellschaftlicher Themensetzung verliert der Film oft den Fokus. Wer sich auf das episodische Konzept einlässt, wird mit starken Szenen, aufrichtigem Spiel und einer spannenden Reflexion urbaner Identitäten belohnt.

Offizieller Trailer zu „#SchwarzeSchafe

#SchwarzeSchafe (Offizieller Trailer)

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Rüdiger Suchsland