Ein arabischer Drogenclan aus Berlin-Neukölln will klimaneutral werden – das ist ein ungewöhnlicher Plot, der zunächst neugierig macht. In Zeiten, in denen deutsche Indie-Filme klassische Erzählmuster hinter sich lassen, wirkt der Film wie ein urbanes Gegenstück zum weichgespülten Mainstream.
Doch aus der vielversprechenden Momentaufnahme einer zerrissenen Generation wird schnell ein Flickwerk aus Anachronismen, Neunzigerjahre-Zynismus, formalen Spielereien und greller gesellschaftlicher Pose. Trotz ehrlicher Ambitionen bleibt der Film hinter seinem Potenzial zurück.
Episodisches Erzählen und Berliner Subkulturen
Regisseur Oliver Rihs erzählt in „#Schwarze Schafe“ lose verbundene Episoden. Sie porträtieren Berliner Subkulturen und sogenannte „schwarze Schafe“ der Gesellschaft: arabische Drogendealer, Start-up-Gründer, Aktivisten und frustrierte Hausfrauen – alle zwischen Wut, Witz und Weltflucht.
Diese Disparatheit ist gleichzeitig Stärke und Schwäche. Die Episoden setzen auf unterschiedliche Stilmittel und Erzählformen, was manchmal an Tom Tykwers experimentelle Stadtcollagen erinnert.
Vielschichtige Filmsprachen und erzählerische Brüche
Jede Episode scheint eine eigene Filmsprache zu fahren – von Handkamera über surreale Traumsequenzen bis Social-Media-Clips. Statt sich zu ergänzen, wirken die Brüche oft beliebig. Die filmische Zersplitterung erscheint als Konzept, nicht als Notwendigkeit. Das erschwert dem Film erzählerische Stringenz, die nur selten erreicht wird.
Atmosphäre und Schauspieler bringen gelegentlich Dichte in den Film. Doch der Humor ist oft bemüht und altbacken: Schenkelklopf-Humor, der auf Randgruppen herabblickt. Themen wie Clan-Kriminalität, Genderfragen und Klimaschutz werden grotesk zugespitzt. Das nimmt dem Film teilweise die Ernsthaftigkeit.
Haase, Böwe und Harrouk: Ensemble und Produktion als Rettungsanker
Das engagierte Ensemble hält den Film über Wasser: Jella Haase, Jule Böwe, Yasin El Harrouk und Frederik Lau überzeugen. Auch das technische Niveau ist hoch: Sounddesign und Musik schaffen dichte Klangwelten, die Montage ist pointiert, das Produktionsdesign überspitzt comichaft.
„#Schwarze Schafe“ ist ein Film, der mehr will, als er halten kann. Zwischen Experiment, postmoderner Pose und gesellschaftlicher Themensetzung verliert der Film oft den Fokus. Wer sich auf das episodische Konzept einlässt, wird mit starken Szenen, aufrichtigem Spiel und einer spannenden Reflexion urbaner Identitäten belohnt.
Offizieller Trailer zu „#SchwarzeSchafe
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