Der Podcast „Werner Herzog – Zu groß für Deutschland“ schildert die unwahrscheinliche Karriere des Regisseurs. Fünf wichtige Stationen in der Vita eines visionären Filmemachers, der zwar weltberühmt ist, nur in seiner Heimat erstaunlich unbekannt bleibt.
- Filmregisseur des Unmöglichen
- Dokumentarfilmer und Weltreisender
- Wahrhaftiger als wahr: Der Autor
- Figur der Popkultur in den USA
- Ein 83-Jähriger als Influencer
Filmregisseur des Unmöglichen
Entdeckerfreude und ungeheurer Mut: Das sind die wichtigsten Bestandteile der Filmkarriere von Werner Herzog. Schon als 15-Jähriger schreibt er ein Exposé und stellt sich in München bei Produktionsfirmen vor. Als ein Produzent über ihn lacht, macht er auf dem Absatz kehrt und verlässt den Raum. Anfang der 1960er-Jahre klaut er seine erste Kamera aus dem Münchner Filminstitut.
Mit „Fitzcarraldo“ wird Werner Herzog 1982 weltberühmt. Im peruanischen Amazonas-Regenwald ein Schiff über einen Berg zu ziehen – diese größenwahnsinnige Idee wird zu einer jahrelangen Kraft- und Nervenprobe. Schließlich wird sie zur Film-Realität, kongenial dargestellt von Klaus Kinski.
Die deutsche Presse kolportiert wahrheitswidrige Gerüchte: Werner Herzog hätte für die Dreharbeiten Indigene „versklavt“. Herzog verliert die Lust, in Deutschland zu arbeiten. Nach den Erfolgsfilmen „Nosferatu“ und „Aguirre“ zerbricht bei den Dreharbeiten zu „Cobra Verde“ 1987 auch die Arbeitsbeziehung mit dem cholerischen Kinski.
Dokumentarfilmer und Weltreisender
Als 50-Jähriger startet Werner Herzog in den USA eine neue Karriere. Er arbeitet mit Hollywood-Stars wie Christian Bale oder Nicholas Cage zusammen. Immer häufiger dreht er Dokumentarfilme, über den jungen Elon Musk, Michail Gorbatschow, den Dalai Lama oder Wunderheiler in Sibirien.
In „Death Row“ von 2012 zeigt er zum Tode verurteilte Mörder kurz vor ihrer Hinrichtung, jahrtausendealte Höhlenmalereien in „The Cave of Forgotten Dreams“ von 2010. In den Dokumentationen entstehen viele seiner ikonischen Motive: der ins Gebirge und damit in seinen Tod watschelnde Pinguin – oder der anhand einer Tonspur nacherzählte Tod eines Tierfilmers.
In „Grizzly Man“ von 2005 schildert Herzog, wie Timothy Treadwell von einem Bären zerfetzt wird. In „Julianes Sturz in den Dschungel“ berichtet er über das schier unmögliche Überleben einer 17-Jährigen beim Absturz eines Flugzeugs über dem südamerikanischen Dschungel im Jahr 1971.
Wahrhaftiger als wahr: Der Autor
Stimmt wirklich alles, was Werner Herzog erzählt? Lief der Pinguin wirklich zum Gebirge – oder kehrte das Tier vorher zurück? Hört Werner Herzog wirklich auf einer Tonspur, wie Tierfilmer Timothy Treadwell von einem Bären zerrissen wird? Oder ist das Fiktion?
Werner Herzog hat sein Schaffen auch in mehreren Büchern reflektiert. Oft hat er gesagt, er wolle Dinge so zeigen, dass sie wahrhaftiger seien als die Wahrheit. In seinen Tagebüchern und seinen „Erinnerungen“ entwickelt er zentrale Motive seines Filmschaffens: vom kleinen Menschen in der großen Natur und der eigenen, ebenso mönchischen wie furchtlosen Arbeitsweise.
Geht es sogar um Magie? 1978 beschreibt er in „Vom Gehen im Eis“ seine dreiwöchige Wanderung von München nach Paris. Seine merkwürdige Zuversicht: Er glaubt, durch diese einsame Pilgerreise seine Mentorin und Filmexpertin Lotte Eisner vor dem Tod retten zu können. Als er in Paris eintrifft, hat sich ihr Zustand tatsächlich entscheidend gebessert.
Figur der Popkultur in den USA
In den USA wird der Mann der ikonischen Bilder nun selbst zur Bild-Ikone. Der kauzige Deutsche wirkt wie eine Art Orakel der Weltweisheit. In der Serie „Die Simpsons“ leiht Werner Herzog dem etwas gruseligen Pharma-Unternehmer Walter Hotenhoffer mehrfach seine unverkennbare, etwas heiser klingende Stimme mit dem deutschen Akzent.
In der „Star Wars“-Serie „The Mandalorian“ ist er ein enigmatischer Bösewicht. Er tingelt durch alle Late-Night-Shows, ist noch 2024 im Podcast von Joe Rogan zu Gast. Bis heute ist Werner Herzog vermutlich der berühmteste deutsche Kulturexport in den USA.
Ein 83-Jähriger als Influencer
„I’m not on Social Media”, hat Werner Herzog immer wieder erklärt. Wenn er dort auftauche, sei es garantiert nicht er selbst. Dann müsse es Fake sein. Doch als nunmehr 83-Jähriger scheint der Regisseur und Kultautor Gefallen an seiner digitalen Existenz gefunden zu haben.
Seit 2022 postet Werner Herzog Videos auf seinem eigenen Instagram-Kanal. Nichts sieht dort so aus, wie es sich auf geleckten Insta-Oberflächen empfiehlt. Die Fans lieben es. Herzog ist als Social-Media-Figur genauso kauzig wie als Filmregisseur. Seine Videos erreichen Millionen-Reichweiten.
Gibt es ein Erfolgsgeheimnis für diese scheinbar unendliche Karriere des Regisseurs? Eine Vermutung im Podcast „Werner Herzog – Zu groß für Deutschland“: Die radikale Besinnung auf die eigene schöpferische Inspiration. Mag deren Vorhaben auch vollkommen nutzlos erscheinen.