Kino

Western von gestern: „Das Kanu des Manitu“ kommt in die Kinos

Nach dem Kino-Erfolg von „Schuh des Manitu“ vor 24 Jahren kommt nun die Fortsetzung ins Kino. Über den Humor im ersten Teil wurde viel gestritten. Wie geht der zweite Teil damit um?

Teilen

Stand

Als „Der Schuh des Manitu“ 2001 in die Kinos kam, sah die Welt noch ein bisschen anders aus: Bezahlt wurde in D-Mark, zu Fasching verkleideten sich viele ohne Bewusstsein für die Problematik als „Indianer“ und gleichgeschlechtliche Paare durften noch lange nicht heiraten.

Entsprechend auch der Humor: Der „Schuh des Manitu“ traf den Nerv der Zeit – trotz oder sogar wegen sexistischer, rassistischer und queerfeindlicher Stereotype.

Christian Tramitz (l) als Ranger und Michael Bully Herbig als Abahachi in einer Szene aus dem Film "Das Kanu des Manitu"
Christian Tramitz (l.) als Ranger und Michael Bully Herbig als Abahachi in einer Szene aus dem Film „Das Kanu des Manitu“. picture alliance/dpa/herbX film/Constantin Film | Luis Zeno Kuhn

Auch „Winnetouch“ ist wieder dabei

Heutzutage, hatte Filmemacher Michael Bully Herbig noch vor kurzem betont, würde er den Film nicht mehr so drehen: Dazu sei die Comedy-Polizei zu streng geworden.

Umso überraschender kam dann die Ankündigung einer Fortsetzung fast ein Vierteljahrhundert später. Im Vorfeld wurde viel spekuliert: Würden etwa umstrittene Figuren wie Winnetouch wieder auftauchen, und würden die Stereotype abgeschwächt?

Filmstill aus "Der Schuh des Manitu" (2001)
Er vereinte zahlreiche Stereotype in sich und war zugleich Publikumsliebling: Die Figur „Winnetouch“ taucht auch in der Fortsetzung wieder auf. united archives

Zumindest im Trailer und ersten Filmclips wirkt das nicht so. Auch im Promo-Material rund um den Film setzen die Filmemacher bewusst auf Anti-Wokeism. So heißt es etwa in einem Song zum Film: „Coole Korksandalen, Wohlfühlsocken / Hafermilch im Fairtrade-Kaffee / Ich mampf Getreideriegel beim E-Bike fahren“.

Deutsches Theater München: Schuh des Manitu (2021)
Der „Schuh des Manitu“ hat zahlreiche Ableger, etwa hier in einer Inszenierung des Deutschen Theaters München 2021. future image

Große Vorfreude bei den Fans

Dieser Humor kommt zumindest bei den Fans gut an, zeigen die Kommentare unter dem Trailer. Filmwissenschaftler Thomas Klein erklärt das mit einer gewissen Müdigkeit des Kinopublikums:

„Gerade auch in Krisenzeiten, in denen wir ja gerade leben, sehnen sich natürlich viele Menschen auch mal danach eben mal ein Kinovergnügen zu haben, wo keine Krisen, keine Probleme auftauchen und reflektiert werden“

Grenzen dürfen nicht überschritten werden

Parodien wie diese lebten zudem von Stereotypen, das gehöre einfach zum Genre dazu, sagt Klein. Selbstverständlich dürften dabei gewisse Grenzen nicht überschritten werden.

„Ob die [Grenzen] überschritten werden, das muss man abwarten. Und wenn man den Humor nicht mag, muss man auch einfach nicht ins Kino gehen.“

Michael Bully Herbig macht Selfie mit zwei verkleideten Männern
Ist das noch zeitgemäß? Michael Bully Herbig hat mit dem "Indianer"-Begriff und den zugehörigen Kostümen kein Problem. breuel bild

Aktuell sieht es so aus, als würde auch „Das Kanu des Manitu“ ein großer Erfolg werden: Kurz vor dem Kinostart holte eine Ausstrahlung des ersten Teils im Fernsehen einen überwältigenden Marktanteil, bei der Premiere des zweiten Teils am Dienstag gab es stehende Ovationen. „Das Kanu des Manitu“ scheint sein Zielpublikum erreicht zu haben.

Premiere "Das Kanu des Manitu"
Gute Stimmung, wenig Diversität: "Das Kanu des Manitu" begeisterte bei seiner Premiere. eventflash

USA Der Disney-Konzern – Vom weißen Entenhausen zur Schwarzen Arielle

Es begann mit Micky Maus. Heute ist Disney ein politischer Faktor in den USA. Einst Inbegriff des weißen Familienideals, ist der Konzern längst divers geworden, manche sagen: woke. Wirklich?

Das Wissen SWR Kultur

Erstmals publiziert am
Stand
Onlinefassung
Ines Kunze
Team SWR Kultur: Autorin InesKunze
Das Interview führte
Frauke Oppenberg
Frauke Oppenberg, Team SWR Kultur
Interview mit
Thomas Klein