„Nächstes Jahr geh ich zu Mannheim“, erzählt ein Junge seinen Freunden zu Beginn des Musikvideos zu „Mann muss“. Sein Vater, so erklärt er weiter, habe ihm gesagt, dass dort aus Jungs „echte Männer“ gemacht würden.
Mit „Mannheim“ – eine Anspielung an den Geburtsort von Apache 207 – ist ein Trainingscamp gemeint, in dem den Heranwachsenden vermeintliche Männlichkeits-Merkmale eingebläut werden: Hartes, militärisches Training und Mutproben stehen hier auf dem Programm. Wer im Sitzen pinkelt, wird bestraft.
Der Fluch der Männlichkeit
Apache 207 schlägt dabei ungewohnt kritische Töne an, zählt etwa Statistiken zu Suiziden auf, die vor allem Männer betreffen. Das Bild der Männlichkeit, wie es von Generation zu Generation weitergegeben wird, hinterfragt er:
Gehe nicht zur Therapie/ Weil es nicht an mir liegt / Es ist wie ein Fluch / Schon seit tausenden Jahren / Dafür stehen wir mit unserem Namen.
Dass Männlichkeit hier wie ein Fluch betrachtet wird, findet Christoph May vom Institut für kritische Männerforschung recht progressiv. Das höre man selten von Männern. Ein Freund habe ihm von dem neuem Song berichtet, erzählt May, und von einem Paradigmenwechsel geschwärmt. Den sieht May allerdings so nicht.
Apache 207 ist (k)ein Vorbild
Denn: Apache 207 zeige keine Lösungsansätze auf. Stattdessen würden toxische Männlichkeitsbilder nur reproduziert. Da gebe es Songs, die deutlich weiter gehen.
Kritisch sieht der Forscher außerdem, dass Apache 207 zwar toxische Männlichkeit kritisiert, selbst aber kein besonders fortschrittliches Geschlechterverständnis lebe: So sei etwa dessen Produktionsteam fast ausschließlich männlich besetzt. Weibliche oder queere Personen tauchen in seinen Videos nur selten auf.
„Er lebt das nicht, und unterstützt diese Stimmen nicht. Da würde ich mir auch von Apache mehr erwarten“, so der Männlichkeitsforscher.
Auf YouTube bekommt Apache 207 Lob für seine Männlichkeits-Kritik
Gerade einer wie er, argumentieren dagegen viele in den Kommentaren unter dem Musikvideo auf YouTube, habe aber umso mehr Einfluss:
Ich arbeite in einer Kinderschutzstelle (Wohngruppe für Kinder, die vom Jugendamt in Obhut genommen wurden) und wir haben viele Kids, die deine Musik sehr gerne hören. Besonders für diese Kinder, die diese toxischen Vorbilder vorgelebt bekommen, ist das ein riesen Step zum Reflektieren und den Kreislauf zu durchbrechen.“
Dass Apache 207 zwar die Absurdität der gelebten toxischen Männlichkeit vorführt, dabei aber nicht belehrend wirkt, scheinen viele gut zu finden. Und zumindest zwischen den Zeilen scheinen sich dann doch noch Ideen für eine gesündere Männlichkeit finden zu lassen: Tränen dürfen nicht nur beim Zwiebelschneiden fließen, es ist keine Schande, ein Navi zu benutzen, und vielleicht ist auch Therapie mal eine gute Idee.
Auch wenn der Song nur an der Oberfläche kratzt, hat er zumindest eine große Reichweite: Über eine Million Aufrufe hat das Video in den zwei Wochen seit seiner Veröffentlichung erhalten. Und zumindest in den Kommentaren findet jetzt schon ein reger Austausch über Männlichkeit statt.
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