So endet die Saga um die Hexen von Oz

Wicked Teil 2 – Ende mit Ermüdungserscheinungen

Als originelle Neulesung des „Zauberers von Oz“ begeisterte das Film-Musical „Wicked“ Publikum und Kritiker – und eroberte mit seiner Bonbon-Optik das Internet. Findet die Saga nun zum würdigen Abschluss?

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Von Autor/in Dominic Konrad

War die Hexe des Westens, die grünhäutige und wütend keckernde Schurkin aus dem „Zauberer von Oz“, wirklich so böse, wie uns der berühmte Film mit Judy Garland glauben machen will? Diese Frage möchte das Film-Musical „Wicked“ beantworten.

Die Vorlage schrieb der Fantasy-Autor Gregory Maguire, dessen Buch 2003 durch den Komponisten Stephen Schwartz als äußerst erfolgreiches Broadway-Musical auf die Bühne gebracht wurde. Seit nunmehr 22 Jahren wird das Stück achtmal die Woche im New Yorker Gershwin Theatre gespielt.

Mehr als ein Jahrzehnt wurde über die Kino-Adaption spekuliert, im Februar 2021 bestätigte Universal Pictures schließlich die Verfilmung des Musicals als spektakulären Hollywood-Zweiteiler.

Cynthia Erivo und Ariana Grande als Elphaba und Glinda in "Wicked: For Good"
Von Feindinnen zu Freundinnen zu Widersacherinnen: Ariana Grande als Glinda die Gute und Cynthia Erivo als Elphaba, die böse Hexe des Westens.

Fortsetzung eines der erfolgreichsten Filme 2024

Und Regisseur Jon M. Chu lieferte ab. Teil eins der „Wicked“-Verfilmung erfüllte alles, was sich Fans der Bühnenversion und des Filmklassikers wünschen konnten: märchenhafte, bunt-kitschige Sets, atemberaubende Kostüme, ein Drehbuch, das die Lücken des Bühnenskripts sinnstiftend ergänzt und eine Darstellerriege, die ihren Rollen sowohl schauspielerisch als auch sängerisch in jeder Hinsicht gewachsen waren.

Hexe gegen Zauberer von Oz Kinofilm „Wicked“: Ein neuer Goldstandard für Filmmusicals

Musical-Fans haben über zwanzig Jahre auf die Verfilmung des Broadway-Hits gewartet. Sie werden nicht enttäuscht: John Chus Film überzeugt dank seiner starken Hauptdarstellerin.

Mit einem weltweiten Einspielergebnis von mehr als 700 Millionen US-Dollar wurde „Wicked“ der fünfterfolgreichste Kinoflm des Jahres 2024 und konnte mit zehn Oscarnominierungen und zwei Auszeichnungen für das beste Bühnenbild und die besten Kostüme auch auf künstlerischer Ebene überzeugen.

Es sind also wahrlich große Fußstapfen, die „Wicked: Teil 2“ nun auf dem gelben Ziegelsteinweg füllen muss und damit hat es der zweite Teil alles andere als leicht. Denn fast alle Evergreens, die das Musical seit mehr als 20 Jahren zum Kassenschlager machen, kommen im ersten Akt der Bühnenshow vor – und liefen damit im ersten Teil der Verfilmung.

Cynthia Erivo als Elphaba in "Wicked: For Good"
Kämpft gegen das Terrorregime des Zauberers von Oz: Elphaba wird als „böse Hexe des Westens“ im ganzen Land gefürchtet. Ihre Mission: Die Tiere aus den Fängen des Zauberers befreien.

Eine Hexe gegen die Propaganda-Maschine des Zauberes

Das Publikum sah die grünhäutige Elphaba (Cynthia Erivo) zuletzt bei ihrer spektakulären Flucht aus der grünen Smaragdstadt. Sie erfuhr das Geheimnis, dass der große Zauberer von Oz (Jeff Goldblum) in Wahrheit ein Mann ohne magische Kräfte ist. Er baut um sich ein korruptes Terrorregime auf und lässt die sprechenden Tiere des zauberhaften Landes ihrer Stimme berauben und versklaven.

Die Propaganda des Zauberers macht aus Elphaba die böse Hexe des Westens, während Galinda (Ariana Grande), ihre beste Freundin aus Schultagen als „Glinda die Gute“ zum strahlend lächelnden Gesicht des Regimes wird.

Schließlich holt die Handlangerin des Zauberers, Madama Akaber (Michelle Yeoh), ein Mädchen aus der Menschenwelt nach Oz, um sie in den Kampf gegen Elphaba zu schicken. Ein von ihr heraufbeschworener Wirbelsturm bringt das Haus von Dorothy Gale aus dem fernen Kansas ins zauberhafte Land Oz.

Ariana Grande als Glinda in "Wicked: For Good"
Mädchen in der Seifenblase: Als „Gute Hexe des Nordens“ soll Glinda das Vertrauen in den Zauberer aufrecht erhalten.

 Kann „Wicked“ ohne „Defying Gravity“ funktionieren?

Tatsächlich lässt Jon M. Chu immer wieder Echos der prägenden Songs aus Teil eins einfließen. In kurzen Reprisen sind die Motive aus Glindas „Popular“ oder Elphabas Showstopper „Defying Gravity“ erneut zu hören.

Dem Mangel an originären Hits will Teil 2 aber auch mit zwei neuen Songs entgegenwirken: Elphaba singt in bester „Les Misérables“-Manier die Revolutionsballade „No Place Like Home“, Glinda das introspektive „The Girl in the Bubble“. Beide Songs fügen sich nahtlos in die Handlung ein, haben aber bei weitem nicht das Ohrwurm-Potenzial der Nummern aus dem Musical.

Auf gesanglicher Ebene stehen auch in „Wicked 2“ die neuen Interpretationen der Songs der zwanzig Jahre alten Aufnahme des Broadway-Musicals in nichts nach. Es zahlt sich aus, dass in den wichtigsten Rollen ausgebildete Musical-Darsteller*innen mit einiger Bühnenerfahrung besetzt wurden.

Cynthia Erivo und Ariana Grande als Elphaba und Glinda in "Wicked: For Good"
Begegnung am Tag der Hochzeit: Obwohl sie auf unterschiedlichen Seiten der Bewegung stehen, bleibt die Freundschaft zwischen Glinda und Elphaba bestehen.

Ariana Grande überrascht – Cynthia Erivo bleibt blass

Dominierte im ersten Teil Cynthia Erivo als grüne Elphaba mit ihrer darstellerischen Präsenz den Film, wirkt ihre Darbietung in Teil 2  – man entschuldige das Wortspiel –überraschend farblos.

Während ihre Figur im Lauf der mehr als zwei Stunden soziale Ächtung, den Betrug ihrer einzigen Freundin und persönliche Verluste ertragen muss, spielt Erivo die Hexe über weite Strecken als Schmerzensreiche mit stoischer Gleichmut und wenig Steigerungspotenzial.

Hingegen verblüfft Ariana Grande mit einer regelrechten Tour de Force: Jon M. Chu legt den Fokus auf Glindas bröckelndes Weltbild, den Verlust ihrer Perfektion und das daraus resultierende charakterliche Wachstum. Das berührt. Eine erneute Oscar-Nominierung, wenn nicht sogar die Auszeichnung, dürfte dem ehemaligen Kinderstar sicher sein.

Ariana Grande als Glinda in "Wicked: For Good"
Überraschend vielschichtig: Ariana Grande versieht ihre Glinda mit einer bewegende Charakterentwicklung, die intensiver gerät als in der Bühnenfassung.

Ein Hochglanz-Oz im Ausnahmezustand

Alles in allem erscheint der kitschige Hochglanzlook, der Teil 1 zum Augenschmaus machte, angesichts der ernsteren Töne des Drehbuchs in dieser Fortsetzung ein wenig deplatziert. Vielleicht ist es aber auch Teil der Botschaft, die Regisseur Jon M. Chu zu vermitteln versucht: Oz ist in Schieflage geraten, das zauberhafte Land braucht einen Neustart – und ein Bauernopfer in Person der bösen Hexe.

Für sich allein überfordert „Wicked 2“. Zu konfus sind die Sprünge zwischen den Plot-Strängen, die der Film aufgreifen und auserzählen muss, zu schnell muss er sich ins epische Finale stürzen, das schlussendlich weniger bombastisch ausfällt, als man es vielleicht erwarten möchte.

Und doch bietet „Wicked 2“ einen durchaus befriedigenden Abschluss für diejenigen, die sich im ersten Teil mit den Hexen von Oz auf die Reise begeben haben. Fans des „Zauberers von Oz“ können sich auf einen liebevollen und würdigen neuen Dreh auf einen großen Klassiker freuen.

„Wicked: Teil 2“, jetzt im Kino

WICKED: TEIL 2 | Offizieller Trailer deutsch/german HD

Hexe gegen Zauberer von Oz Kinofilm „Wicked“: Ein neuer Goldstandard für Filmmusicals

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