Sexiest Man Alive

Jonathan Bailey und das neue Männer-Ideal Hollywoods

Der Brite Jonathan Bailey ist zum „Sexiest Man Alive“ gewählt worden und mit ihm erstmals ein offen schwuler Mann. Zeigt die Wahl des „Bridgerton“- und „Wicked“-Stars, dass Hollywood wirklich inklusiver wird?

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Von Autor/in Dominic Konrad

Es ist eine Überraschung, die eigentlich keine sein sollte: Mit dem britischen Schauspieler Jonathan Bailey ist zum ersten Mal ein schwuler Mann zum „Sexiest Man Alive“ gekürt worden, wie das amerikanische Magazin „People“ am 4. November 2025 bekanntgab.

Seit 40 Jahren wird der Titel alljährlich vergeben, erstmals 1985 an Schauspieler Mel Gibson. Stars wie Sean Connery, Harrison Ford, David Beckham oder Idris Elba wurden seither für ihre Sexyness geehrt, Richard Gere, Brad Pitt, Johnny Depp und George Clooney erhielten den Titel sogar jeweils zweimal. Jonathan Bailey folgt nun auf US-Schauspieler und Regisseur John Krasinski.

Social-Media-Beitrag auf Instagram

„Es ist eine riesige Ehre. Ich bin unglaublich geschmeichelt. Und es ist vollkommen absurd“, kommentierte Jonathan Bailey seine eigene Auszeichnung. Er freue sich vor allem, die Nachricht nun mit Freunden und Familie teilen zu dürfen.

Das sind die Sexiest Men Alive seit 2005:

Sexiest Man Alive 2025
Sexiest Man Alive im Jahr 2025: Jonathan Bailey, der Schauspieler, der mit „Bridgerton“ die Herzen eroberte und in „Wicked“ zur Musical‑Ikone wurde, zeigt, dass Sexappeal heute nicht nur aus Muskeln oder Glamour bestehen muss. Das war in den letzten 20 Jahren nicht immer so. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2005: Matthew McConaughey
2005 – Matthew McConaughey: Der Texaner war der Inbegriff des lässigen 2000er-Mannes, bis er Hollywood zeigte, dass er auch Drama kann. Sein Oscar für „Dallas Buyers Club“ machte aus dem einstigen Rom-Com-Sunnyboy einen Charakterdarsteller. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2006: George Clooney
2006 – George Clooney: Ein Jahr später setzte Clooney den Kontrapunkt. Wo McConaughey Barfußfreiheit verkörperte, brachte Gentleman Clooney Anzug und Haltung zurück. Nach 1997 wurde der Schauspieler ein zweites Mal ausgezeichnet, eine Ehre, die neben ihm nur drei anderen Männern zu Teil wurde. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2007: Matt Damon
2007 – Matt Damon: Damon führte diese neue Ernsthaftigkeit weiter, wenngleich auch ein bisschen weniger eitel. Vom „Bourne“-Agenten bis zum Astronauten in „The Martian“ scheint Damon wie der Typ von nebenan, der zufällig Hollywood-Star wurde. Smart, loyal und bodenständig. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2008: Hugh Jackman
2008 – Hugh Jackman: Dann kam der Showman. Der Australier zeigt sich facettenreich, ob auf der Leinwand oder am Broadway. Dass er über Jahrzehnte dieselbe Frau liebte, fanden viele besonders sexy. Seit 2023 ist er jedoch geschieden. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2009: Johnny Depp
2009 – Johnny Depp: Mit Depp wurde das Bild wieder rätselhafter. Der androgyne Rebell zeigte, dass Begehren auch dunkle Seiten haben darf. Hollywood liebte ihn, bis die Grenzen zwischen Rolle und Realität zunehmend verwischten. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2010: Ryan Reynolds
2010 – Ryan Reynolds: Nach Depps Dramatik kam mit Ryan Reynolds der Witz zurück. Er war der erste, der Sexappeal mit Ironie mischte. Vor allem zusammen mit Ehefrau Blake Lively zeigt er sich auf Social Media von der nahbaren Seite. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2011: Bradley Cooper
2011 – Bradley Cooper: Cooper dagegen stand für Ehrgeiz und Transformation. Vom Kumpeltyp aus „Hangover“ zum Oscar-Kandidaten an der Seite von Lady Gaga. Seine Auszeichnung als „Sexiest Man Alive“ fiel in eine Zeit, in der Männer wieder Tiefe zeigen durften, ohne sie zu inszenieren. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2012: Channing Tatum
2012 – Channing Tatum: Ehemaliger Stripper, später Hollywoodstar – eine Geschichte, die er mit „Magic Mike“ selbst verfilmte. Ein Bekenntnis zur Selbstermächtigung. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2013: Adam Levine
2013 – Adam Levine: Der tätowierte Sänger von Maroon 5 steht 2013 für eine neue Popmännlichkeit. Levine brachte ein Stück Rebellion ins Hochglanzformat, wenngleich seine Auszeichnung auch heftig diskutiert wurde: er sei schlichtweg nicht bekannt genug, so die kritischen Stimmen. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2014: Chris Hemsworth
2014 – Chris Hemsworth: Dann wieder Muskeln und Mythos. Hemsworth brachte das Heroische zurück, als Thor definierte er den modernen Helden neu. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2015: David Beckham
2015 – David Beckham: Beckham schlitterte direkt vom Fußballplatz ins Modeuniversum. Sein Sexappeal war global, gepflegt und vor allem planbar. Die 2010er liebten das Image des polierten Familienmanns. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2016: The Rock
2016 – Dwayne Johnson: „The Rock“ begann als Wrestler und wurde zur Marke, mit ihm begann die Ära der Giganten. Social Media machte ihn zum Motivationsguru, der zeigt, dass Disziplin begehrenswert ist. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2017: Blake Shelton
2017 – Blake Shelton: Dann kam die Überraschung, ein Country-Sänger, den kaum jemand außerhalb der USA kannte. Sheltons Wahl sorgte für Kopfschütteln und zeigte, dass Sexiness manchmal einfach Geschmackssache ist. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2018: Idris Elba
2018 – Idris Elba: Mit Elba bekam der Titel wieder Gravitas und endlich mehr Vielfalt. Viele sahen in ihm den Mann, der das Narrativ von „Sexiest“ modernisierte: global, elegant und souverän. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2019: John Legend
2019 – John Legend: Legend führte diese Entwicklung fort. Kein Macho, sondern ein Mensch, der Liebe politisch und privat lebte. Seine Wahl machte klar: sexy kann auch sanft sein. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2020: Michael B. Jordan
2020 – Michael B. Jordan: Jordan symbolisierte eine neue Generation. Als Produzent und Schauspieler brachte er Haltung in den Begriff Attraktivität. Er engagiert sich für Diversität in Hollywood. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2021: Paul Rudd
2021 – Paul Rudd: Dann die Überraschung mit Rudd. Seine jugendliche Normalität wurde zur Pointe. Plötzlich galt Freundlichkeit als Reizfaktor, mehr als bloße Muskelmasse. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2022: Chris Evans
2022 – Chris Evans: Mit Evans kehrte der Held zurück, aber anders. Er steht für moralische Integrität und Zurückhaltung. Captain America als leiser Charmeur. Evans nutzt seine Popularität, um politische Themen anzustoßen. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2023: Patrick Dempsey
2023 – Patrick Dempsey: Eine Wahl voller Nostalgie. „McDreamy“ erinnerte an eine Zeit, in der Fernsehfiguren unser Begehren formten. Viele fragten, warum Dempsey so spät ausgezeichnet wurde und merkten, wie stark Erinnerung sexy machen kann. Bild in Detailansicht öffnen
Sexiest Man Alive 2024: John Krasinski
2024 – John Krasinski: Zum Schluss der Mann, der das Understatement zur Kunst macht. Krasinski ist der moderne Held, der Familie und Action gleichermaßen verkörpert. Die 2020er feiern ihn, weil Authentizität längst das neue Sixpack ist. Bild in Detailansicht öffnen

Aufgewachsen in der Londoner Theaterszene

Seine Karriere begann Bailey in den 1990er-Jahren in der Londoner Theaterszene: als Kinderdarsteller in Produktionen der Royal Shakespeare Company und im Musical-Klassiker „Les Misérables“. Die Londoner Kritiker überzeugte Bailey unter anderem als Cassio in Shakespeares „Othello“ am National Theatre (2013) oder im Zwei-Personen-Stück „The Last Five Years“ (2016).

2019 wurde er für seine Darstellung im Musical „Company“ von Stephen Sondheim mit dem Laurence Olivier Award ausgezeichnet, der wichtigsten Auszeichnung der Londoner Theaterszene. Bailey spielte Jamie, eine ursprünglich weibliche Rolle, der kurz vor der Hochzeit mit seinem Verlobten kalte Füße bekommt.

Daneben war Bailey auch immer wieder im britischen Fernsehen zu sehen: als Leonardo da Vinci in der Jugendserie „Leonardo“, als sexbesessener Immobilienmakler Sam in „Crashing“, der ersten Serie von und mit „Fleabag“-Erfinderin Phoebe Waller-Bridge sowie in Nebenrollen, unter anderem in den Erfolgsserien „Broadchurch“ und „Doctor Who“.

Jonathan Bailey zu Pferde als Viscount Bridgerton in der Netflix-Serie "Bridgerton"
Die Rolle des Viscount Anthony Bridgerton in der Netflix-Serie „Bridgerton“ verhalf Jonathan Bailey zum internationalen Durchbruch.

Internationaler Durchbruch mit „Bridgerton“

Dem internationalen Publikum wurde Bailey im Jahr 2020 bekannt durch seine Rolle als Anthony Bridgerton, das Oberhaupt der gleichnamigen Adelsfamilie in der Netflix-Serie „Bridgerton“. In der zweiten Staffel der Regency-Romanze verfolgten die Fans, wie Baileys Antony in bester „Der Widerspenstigen Zähmung“-Manier das Herz der zunächst abweisenden Kate, gespielt von Simone Ashley, erobert.

Seither ist der Brite sehr gefragt: In der vielgelobten Miniserie „Fellow Travelers“ zeichneten er und Matt Bomer den Lebensweg zweier schwuler Männer vom „Lavander Scare“ der McCarthy-Ära bis zur Aids-Krise der 1980er-Jahre nach.

Zuletzt feierte Bailey seine ersten großen Erfolge im Kino: Als Prinz Fiyero spielt und singt er neben Cynthia Erivo und Ariana Grande in der Musical-Verfilmung „Wicked“, deren zweiter Teil am 19. November in die Kinos kommt. Darüber hinaus war er neben Scarlett Johansson und Mahershala Ali die Hauptrolle im aktuellen Teil der „Jurassic World“-Reihe zu sehen.

"Dancing Through Life" Official Movie Clip | WICKED

Hollywoods offen schwuler Herzensbrecher

Seine Homosexualität machte Jonathan Bailey 2018 öffentlich, zwei Jahre vor dem großen Durchbruch mit „Bridgerton“. Was noch vor wenigen Jahren als sicheres Todesurteil für die Rollenchancen als Leading Man in Hollywood bedeutet hätte, scheint heute zumindest für Bailey kein Thema mehr zu sein.

Jonathan Bailey und Matt Bomer kuscheln im Bett - Szene aus "Fellow Travelers"
In „Fellow Travelers“ spielt Jonathan Bailey den heimlichen Liebhaber von Matt Bomer. Die Serie folgt der Beziehung der beiden Männer von der McCarthy-Zeit der 1950er-Jahre bis zur Aids-Krise der Achtziger.

Journalist*innen heben in Artikeln über den Schauspieler immer wieder neben Jonathan Baileys schauspielerischer Leistung auch das Charisma und den Charme des bescheiden wirkenden Briten in seinen Interviewterminen hervor.

Baileys freudige Verspieltheit wird dabei zum vermarktbaren Gut, etwa wenn in den sozialen Medien der Soundtrack von „Jurassic World“ damit promotet wird, dass Bailey selbst ein Klarinettensolo für das Leitmotiv seiner Figur eingespielt hat.

Das „Time Magazine“ urteilte bereits 2022, Bailey definiere die Figur des „Hollywood-Frauenschwarms“ neu. Die Tatsache, dass er als queerer Schauspieler von einem internationalen Publikum als Protagonist in (Hetero-)Liebesfilmen akzeptiert werde, zeige, wie sich die Gesellschaft weiterbewegt habe, kommentierte Bailey im Gespräch mit dem Magazin.

Jonathan Bailey in "Jurassic World: Rebirth" (2025)
Ausflug ins Blockbuster-Kino: In „Jurassic World: Rebirth“ spielt Bailey den Paläontologen Dr. Henry Loomis.

Steht Jonathan Bailey für ein neues Zeitalter in Hollywood?

Die Tatsache, dass Jonathan Bailey nun auch zum „Sexiest Man Alive“ gekürt wurde, beweist, dass die einstige eiserne Regel Hollywoods nicht mehr zwingend gilt: Die Homosexualität eines Schauspielers bedeutet heute nicht mehr, dass ihm bestimmte Rollen und Angebote verwehrt bleiben müssen.

Baileys Aufstieg kommt zu einer Zeit, in der queere Geschichten in Hollywood zunehmend den Weg aus der Nische finden: 2023 machten etwa die Schmachtereien zwischen dem First Son der USA und dem Enkel des britischen Monarchen den Film „Royal Blue“ zur erfolgreichsten romantischen Komödie des Jahres.

Jonathan Bailey zeigt Herz-Symbole bei der Asien-Premiere von „Jurassic World: Rebirth“.
Everybody's darling: Jonathan Baileys Charme spreche Menschen aller Geschlechter und Orientierungen an, urteilte unter anderem die L.A. Times.

Gleichzeitig debattiert Hollywood hitzig, ob queere Rollen nur von queeren Schauspieler*innen gespielt werden sollten, da die Rollenangebote ansonsten doch oft spärlich ausfallen. Die verliebten Jungs in „Royal Blue“ wurden schließlich auch von zwei heterosexuellen Darstellern gemimt.

Jonathan Bailey ist in dieser Diskussion das glückliche Gegenbeispiel. Zwar kann sein Positivbeispiel im Alleingang kein über hundert Jahre verkrustetes Besetzungssystem hinwegfegen, aber Hoffnung macht es dennoch.

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