Viel Erfahrung in der Gedenkarbeit
Julia Spohr ist Jahrgang 1981 und bringt viel mit, was sie als würdige Nachfolgerin Tuchels auszeichnet: Die gebürtige Berlinerin promovierte zum Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen und kennt die Gedenkstättenarbeit aus langjähriger Tätigkeit.
So wirkte sie etwa als stellvertretende Geschäftsleiterin und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft.
Hohes Lob von oben
Ihre Ernennung zur Leiterin der Gedenkstätte Deutscher Widerstand wurde von vielen Seiten begrüßt. So lobte Kulturstaatsminister Weimer Spohrs Wirken kürzlich in den höchsten Tönen: Spohr wisse, wie sich Erinnerungen an die Opfer politischer Gewaltherrschaft innovativ vermitteln lassen.
Diese Innovation braucht es in der Gedenkkultur auf jeden Fall. Allein deshalb, weil mit jedem Jahr weniger Zeitzeugen zur Verfügung stehen. Dieses wegfallende Element muss also durch neue Ideen ausgeglichen werden. Dazu kommt aktuelle Herausforderungen durch Verschwörungstheorien und Fake News.
Fake News und Verschwörungen entgegenwirken
Dem Missbrauch des Widerstands-Begriffs könne man nur entgegenwirken, indem man weiterhin viel in Aufklärung investiere, sagt Spohr im Gespräch mit SWR Kultur. Fake News müssten richtige Fakten entgegengesetzt und falsche Vergleiche aus dem Weg geräumt werden.
Widerstand in einer Diktatur ist etwas ganz grundsätzlich anderes als Meinungsäußerung in einer Demokratie.
Viele Gedenkstätten, gerade in AfD-starken Bundesländern, machen sich zudem gerade Sorgen, künftig politisch eingeschränkt zu werden, etwa durch die Kürzung von Förderungen. Diesen Druck spüre sie aktuell nicht, sagt Spohr. Trotzdem müsse unbedingt dafür gesorgt werden, dass Gedenkstätten weiterhin ihre Arbeit machen können – ohne politischen Einfluss.