Zwischen Enthüllungen und Verschwörungserzählungen

Worum geht es bei den Epstein-Akten und Donald Trump?

Die Akten zum Epstein-Fall werden doch nicht veröffentlicht. Das sorgt für Druck auf Donald Trump aus allen Lagern. Warum kann der Fall gefährlich für den US-Präsidenten werden?

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Von Autor/in Caroline O. Jebens

Der Fall Jeffrey Epstein bringt Donald Trump in Bedrängnis. Während die Öffentlichkeit auf die Freigabe der Akten drängt, wächst der Druck auf den US-Präsidenten auch aus den eigenen Reihen. Welche Verbindungen hatte er zu Jeffrey Epstein? Und warum droht Trump nun bei seinen Anhängern in Ungnade zu fallen?

Der Fall Jeffrey Epstein

Der Finanzier und Multimillionär Jeffrey Epstein wurde 2019 wegen des Verdachts auf Sexhandel und Missbrauch von Minderjährigen zwischen 2002 und 2005 verhaftet. Epstein erhängte sich daraufhin in seiner Zelle. Seine Komplizin Ghislaine Maxwell, die Epstein gut ein Jahrzehnt lang beim Missbrauch unterstützt hatte, verbüßt seit 2021 eine zwanzigjährige Haftstrafe.

Epstein hat mit zahlreichen berühmten Personen aus Politik, Wirtschaft und der Kulturbranche verkehrt, unter anderem Bill Gates, Prinz Andrew, Stephen Hawking, Michael Jackson und Bill Clinton. Seither wurde über eine „Klientenliste“ Epsteins spekuliert, auf der Prominente und Politiker stehen, die Teil des Missbrauchsrings gewesen sein sollen.

Was hat Jeffrey Epstein mit Donald Trump zu tun?

Jeffrey Epstein und Donald Trump verkehrten in den 1990er-Jahren in denselben Kreisen. Beide sind auf zahlreichen Bildern und Videoaufnahmen gemeinsam zu sehen. Laut Epstein sollen sie gut miteinander befreundet gewesen sein. Trump gab selbst an, Epstein über 15 Jahre gekannt zu haben.

Trump, damals Unternehmer und Medienpersönlichkeit, soll laut Flugprotokollen siebenmal mit Epsteins Privatflieger geflogen sein. Der Präsident bestätigte die Reisen, bestand aber darauf, dass er nie auf Epsteins Privatinsel geflogen sei, wo Minderjährige missbraucht worden sein sollen.

2004 kam es wegen eines Grundstücks in Palm Beach zum Zerwürfnis zwischen Epstein und Trump. Letzterer erwarb das Anwesen schließlich. Kurz darauf bekam die Polizei Hinweise darüber, dass Epstein Mädchen bei sich empfange.

Zwei Jahre später wurde die erste Anklage gegen Epstein erhoben. Der Finanzier bekannte sich 2008 in den Anklagepunkten der Aufforderung zur Prostitution von Minderjährigen schuldig und erreichte damit einen Vergleich, durch den er eine langwierige Haftstrafe entging. Nach 13 Monaten wurde er vorzeitig entlassen.

Demonstrierende im Juli 2025
Der Fall Epstein bringt alle Lage gegen Donald Trump auf: Demonstrierende im Juli 2025

2018 brachte die Zeitung „Miami Herald“ neue Anschuldigungen gegen Epstein ans Licht und beschrieb, wie er in der Lage war, das Strafrechtssystem zu manipulieren: 80 Frauen gaben an, von Epstein belästigt oder anderweitig sexuell missbraucht worden zu sein. Die Anschuldigungen führten zur erneuten Verhaftung 2019.

Virginia Giuffre, ein Opfer von Epsteins Missbrauchsring und später zentrale Zeugin, gab an, als 16-Jährige in Trumps Anwesen Mar-a-Lago von Ghislaine Maxwell rekrutiert worden zu sein. Giuffre starb im April dieses Jahres durch Suizid.

Verschwörungserzählung als Wahlmobilisierung

Der Fall Epstein befeuerte zahlreiche Verschwörungserzählungen, die sich um eine vermeintlich korrupte Elite und Pädophilie in amerikanischen Regierungskreisen drehen. Trump nutzte diese Erzählungen, um öffentliche Personen aus dem demokratischen Lager zu diffamieren, allen voran die Clintons, und die Wählerschaft für sich zu mobilisieren.  

Im Wahlkampf 2024 äußerte Trump, dass er die Akten zum Fall Epstein öffentlich machen würde. Nach seinem Wahlsieg setzte er Dan Bongino und Kash Patel als FBI-Chefs ein, die wiederum „Make America Great Again“-Anhängern versprochen hatten, die Akten freizugeben. 

US-Justizministerin Pam Bondi 2025
US-Justizministerin Pam Bondi 2025

Die Justizministerin Pam Bondi erklärte nun im Juli 2025, dass die Akten überprüft worden seien und es „keine belastende ‚Kundenliste‘“ gebe: „Es wurden auch keine glaubwürdigen Beweise dafür gefunden, dass Epstein prominente Personen im Rahmen seiner Handlungen erpresst hat“, hieß es in der Ministeriumserklärung. 

Trump betonte derweil, er sei besorgt, dass „unschuldige Personen“ ungerechtfertigt verleumdet werden könnten, wenn die vollständigen Akten freigegeben würden. Auch Bongino und Patel nahmen das Vorhaben der Veröffentlichungen zurück.

Warum kann der Fall gefährlich für Trump werden?

Dass Trump nun von dem Fall ablenken will und die Veröffentlichung der Akten verhindert werden, förderte wiederum Spekulationen: Seine Kritiker legten schon länger nahe, dass der Präsident als verurteilter Sexualstraftäter, der mehrfach öffentlich seinen grenzüberschreitenden Umgang mit jungen Frauen kundgetan hatte, selbst im Fall Epstein eine Rolle spielen könnte.

Nun wendet sich die Stimmung bei den MAGA-Anhängern, die bisher in Trump einen „Mann des Volkes“ sahen – und der sich nun für sie als Vertreter des zu bekämpfenden „Establishments“ entpuppt, der in erster Linie sich selbst schützen will. 

Neben Demokraten fordern nun auch einige Republikaner (wie der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson) und rechte Influencer, dass die Akten freigegeben werden. 

Die Trump-Regierung hat unter dem Druck angegeben, zumindest einzelne Akten freizugeben, etwa die Protokolle der Grand Jury. Ob und wann dies geschehen wird, ist noch nicht bekannt.

Trump wandte sich derweil gegen seine eigenen Unterstützer, die den Epstein-Fall weiter verfolgen wollten und bezeichnete sie als „Schwächlinge“, die auf eine „Schwindel“ der Demokraten hereinfallen würden.  Gegenüber der Presse erklärte er, dass er nicht verstehe, warum der Fall noch „von Interesse“ sei.

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