Alexander Conrad ist vor einigen Jahren mit seiner Familie nach Lappland ausgewandert. Seine Frau arbeitet dort in einem Friseursalon und Alexander bietet Fototouren für Touristen an. Warum wir Alexander "Duzen"? Weil "Siezen" in Schweden äußerst unhöflich ist, erzählt er.
Vom "Siezen" zum "Duzen" – keine große Umstellung
SWR1: In Schweden duzt man sich, deshalb duzen wir uns jetzt auch, Alexander. Oder bestehst Du auf das förmliche "Sie"?
Alexander Conrad: Absolut gar nicht.
SWR1: War das denn die große Umstellung in Schweden zu duzen?
Alexander: Das Duzen an sich ist keine große Umstellung. Es gibt bestimmte Automatismen, die man als Deutscher nicht abstellen kann. Zum Beispiel, dass man am Telefon den vollen Namen sagt. Was dann oft damit endet, dass die Leute mich mit meinem Nachnamen als Vornamen anreden. Die sagen dann: "Du, Konrad".
SWR1: Das heißt, man meldet sich einfach nur mit dem Vornamen.
Alexander: Genau.
SWR1: Ist das Duzen insgesamt freundlicher? Wie nimmst Du das wahr?
Man ist auf einer Ebene!
Alexander: Ja, wesentlich. Es ist einmal freundlicher und man ist mit allen Leuten mehr auf einer Ebene. Egal, ob es der Doktor oder der Geschäftsführer oder wer auch immer ist. Auch ein Arzt-Patienten-Verhältnis ist wesentlich vertrauter, wesentlich angenehmer und man fühlt sich mehr auf Augenhöhe.
In Schweden ist es fast eine Beleidigung, wenn man sich "siezt"
SWR1: Gibt es denn Situationen, in denen man sich auch ein "Sie" wünscht?
Alexander: Das geht mir ehrlich gesagt gar nicht mehr so. Es gibt theoretisch ein Wort für "Sie", das man verwenden kann, wenn man mit jemandem eigentlich partout nichts zu tun haben will […] und es geht tatsächlich schon fast in den Bereich Beleidigung, wenn man jemanden mit "Sie" anspricht.