In Weitefeld im Westerwald wurde im April eine Mutter, ein Vater und ihr Sohn im eigenen Zuhause brutal getötet. Der mutmaßliche Täter soll ein Mann aus dem Nachbarort Elkenroth gewesen sein. Seine Leiche wurde jetzt, gut vier Monate nach der Tat, entdeckt und die Identität bestätigt.
Dennoch bleiben viele Fragen offen. Dagmar Köhring ist Pastorin in Weitefeld und hat im Zusammenhang mit dem Dreifachmord viele Gespräche mit den Menschen im Ort geführt. Wir haben mit ihr gesprochen.
Pastorin Köhring zur Stimmung in Weitefeld
SWR1: Was löst die Nachricht vom Tod des mutmaßlichen Täters in der Gemeinde aus? Ist das Erleichterung oder ist es eher Frust, weil viele Fragen offen bleiben?
Dagmar Köhring: Es ist ein bisschen von beidem. Auf jeden Fall Erleichterung, dass wir jetzt wissen, es besteht keine Gefahr mehr. Der Täter ist nicht mehr unter uns. Aber es bleibt natürlich auch ein gewisses unbefriedigt sein mit der Situation, dass man nie erfahren wird, was da eigentlich genau passiert ist.
Das ist eine Dimension von […] "menschlicher Entgleisung", mit der man schlecht umgehen kann und bei der man sich mit einer Erklärung natürlich ein bisschen besser fühlen würde.
Ich denke, so geht es den meisten Menschen, weil bisher eigentlich gar keine Erklärungen angeboten worden sind.
Pastorin Köhring zum Umgang mit der aktuellen Situation
SWR1: Wir hören von großer Erleichterung, dass Menschen sich wesentlich besser fühlen. Trotzdem ist da ein Mensch gestorben. Auf der anderen Seite war dieser Mensch einer, der vermutlich drei andere Menschen ermordet hat. Wie gehen Sie damit im Gottesdienst um?
Köhring: Das ist eine wirklich schwere Frage. Darüber muss ich auch selbst nachdenken. Wir können uns nur selbst fragen: wie schütze ich mich als Mensch davor, dass ich von Ereignissen so sehr aus der Bahn geworfen werde, dass mir so etwas passiert. Kann ich das überhaupt und kann mir der Glaube dabei helfen?
Ich glaube, das ist die Frage, die ich mir als Pastorin an dieser Stelle stellen werde.
SWR1: Das fällt auch Ihnen schwer …
Köhring: Es ist einfach eine Hilflosigkeit, die sich […] von Anfang an ausgebreitet hat und der wir auch so einfach keine Antwort entgegensetzen können. Denn das würde den Gefühlen der Betroffenen nicht gerecht werden.
Weitefeld: Mutmaßlicher Dreifachmörder ist tot
Pastorin Köhring: Weitefeld wird das nicht vergessen!
SWR1: Das Verbrechen hat Spuren hinterlassen. Wie wird es in Ihrer Gemeinde weitergehen?
Köhring: Von den betroffenen Familien ist niemand direkt in der Gemeinde, sodass ich denke, dass sich das auch langsam beruhigen wird. Aber der Ort Weitefeld wird das nicht vergessen.
Wir werden immer der Ort sein, wo dieses Verbrechen passiert ist. Wo diese Tragik vorgekommen ist. Die Menschen werden immer am Fragen bleiben und dieses gelassene Gefühl, wir sind ein kleiner Ort im Westerwald und hier ist die Welt noch ein bisschen in Ordnung, wird sich nicht wieder einstellen, denke ich.
Das ist eine Erschütterung, die zumindest in der Generation, die das jetzt erlebt, bleibt.