Die Journalistin und Geschäftsführerin des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, Heike Kleffner, zeigt sich angesichts der neuen RIAS-Zahlen tief besorgt.
„Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Zahl der Angriffe und Gewalttaten weiter gestiegen ist“, sagt sie im Gespräch mit SWR Kultur. Besonders alarmierend sei, dass antisemitische Übergriffe zunehmend „ganz schamlos vor anderen Menschen verübt werden“.
Kleffner sieht darin eine Folge „großer Enthemmung“, die sich schon während der Corona-Pandemie gezeigt habe und nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 weiter verstärkt wurde.
„Jeden Tag im statistischen Durchschnitt hat sich 2024 eine antisemitisch motivierte Gewalttat ereignet“, warnt Kleffner – und fordert, die Sicherheit jüdischen Lebens in Deutschland endlich zur gesellschaftlichen Priorität zu machen.
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„Wenn die Erinnerung verblasst, hat die Barbarei gesiegt“. Unter diesem Motto hat Sonja Lahnstein-Kandel mit ihrer Organisation „step 21 – Initiative für Toleranz und Verantwortung“ nach dem Massaker der Hamas im Herbst 2023 „siebteroktober.de“ gegründet. Die Website ist ein Mahnmal gegen das Vergessen, zugleich Kampagne gegen den seither zunehmenden Antisemitismus, gegen Täter-Opfer-Umkehr und für Verständigung und ein friedliches Miteinander – wie es die Volkswirtin als Jüdin und Tochter kroatischer Holocaust-Überlebender bereits mit „step 21“ in Haifa, Hamburg und Jerusalem praktiziert.