FIFA-Präsident Infantino im Kreuzfeuer

Politik statt Fairplay: Trumps Griff nach der WM

Es ist ein Skandal mit Ansage, meint Sportjournalist Ronny Blaschke. Dass Donald Trump die FIFA um eine Überprüfung der roten Karte für US-Stürmer Folarin Balogun gebeten hat, überrascht ihn nicht. Für ihn zeigt der Fall vor allem eines: FIFA-Präsident Gianni Infantino hat ein Umfeld geschaffen, in dem politische Einflussnahme auf den Fußball immer leichter möglich wird.

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Von Autor/in Ronny Blaschke

Infantino ist Stammgast im Weißen Haus

Donald Trump greift zum Telefonhörer und übt Druck aus, in Politik, Wirtschaft, Medien. Dass er nun offenbar in eine Fußball-WM eingreift, ist keine Überraschung, sondern war zu erwarten. Trump umgeht Regeln und will bestimmen. Und er hört selten Widerworte.

Natürlich auch nicht von Gianni Infantino. Der FIFA-Präsident war seit dem Amtsantritt von Trump so oft im Weißen Haus zu Gast wie kein Staatschef.

Die FIFA hat Räumlichkeiten im Trump Tower in New York gemietet und dem US-Präsidenten einen „Friedenspreis“ verliehen. Infantino hat ein Umfeld für die WM geschaffen, in dem politische Einflussnahme sogar wahrscheinlicher geworden ist.

Ein beispielloser Vorfall bei einer WM

Wobei Fußball und Politik seit Generationen verbunden sind, auch bei Weltmeisterschaften: 1934 in Italien wollte Mussolini mitbestimmen, 1978 in Argentinien die Militärjunta.

Heute hat die FIFA 211 Mitgliedsverbände. In dutzenden Ländern bestimmen Minister, Generäle oder Monarchen den Fußball. Immer mal wieder hat die FIFA deshalb kleine und weniger einflussreiche Nationen ausgeschlossen. Dass nun aber der Präsident einer westlichen Demokratie, wie nun offenbar Trump, die Strafe für eine Rote Karte abmildern will, ist in der Geschichte der WM beispiellos.   

Europa reagiert empört, die USA bedankt sich

In Europa ist die Empörung groß, in den USA jedoch bedanken sich zahlreiche Fans und Medien bei Trump. Der Erfolg der US-Nationalmannschaft sorgt für Rekord-Einschaltquoten. Trump, der wegen des Iran-Krieges, der Epstein-Akten und der Zoll-Politik stark unter Druck steht, nutzt den Fußball für „America First“. 

Ob sich der Fußball gegen Trump und Infantino zur Wehr setzen kann? Theoretisch ja. Die großen Verbände aus Deutschland, England, Frankreich und Brasilien könnten sich von dieser FIFA abwenden. Aber sie alle wollen am Rekordumsatz teilhaben, der nun bei der WM rund neun Milliarden Dollar beträgt. 

Skandalumwitterte FIFA

Der europäische Fußballverband UEFA sieht eine „rote Linie“ überschritten. DFB-Präsident Bernd Neuendorf wollte solche Worte nicht wählen. Seine Stellungnahme: diplomatisch.

Deutschland will spätestens in den 2040er-Jahren wieder eine WM austragen. Denn das größte Sportspektakel bleibt lukrativ. Und die Einflussnahme von Trump könnte in dieser skandalumwitterten FIFA schon bald wieder vergessen sein.

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Ronny Blaschke