SWR1 Sonntagmorgen am 15. März 2026

Frühling ohne Frühjahrsmüdigkeit

Der Frühling streckt die Fühler aus. Kaum steigen die Temperaturen, steigt auch die Stimmung. Viele haben jetzt mehr Energie. Aber was ist mit der berüchtigten Frühjahrsmüdigkeit?

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Von Autor/in Utku Pazarkaya

Meteorologisch hat er schon angefangen, am 20. März startet der Frühling kalendarisch. Die Vorfreude ist groß, aber einige stellen sich darauf ein, dass sie auch mit der Frühjahrsmüdigkeit zu kämpfen haben. Dabei gibt es die Frühjahrsmüdigkeit eigentlich nicht - zumindest konnten Wissenschaftler sie trotz intensiver Suche nicht finden.

Schlafforscherin Dr. Christine Blume von der Uni Basel hat zusammen mit einem Kollegen mehr als 400 Menschen über ein Jahr lang begleitet. Die Probanden haben in dieser Zeit alle sechs Wochen einen Fragebogen ausgefüllt. Dann wurde der Datensatz auswertet. Das Ergebnis: Einen Zeitpunkt zu dem Menschen im Jahr messbar müder sind, gibt es nicht, stellt Studienleiterin Blume fest.

Frühjahrsmüdigkeit als ein psychologisches oder soziales Phänomen?

"Unsere Interpretation ist, dass es sich um ein kulturell geprägtes, psychologisches Phänomen handelt", sagt Blume. Das heißt, auch wenn Menschen im Frühjahr nicht messbar müder sind, verändert sich trotzdem die Wahrnehmung dieser Symptome. "Vielleicht lese ich von Frühlingsmüdigkeit und dann überlege ich, 'ah ja', das stimmt, ich bin auch gerade so müde. Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf diese Symptome. Und so bestätigt sich das Phänomen dann immer wieder selber, obwohl es eben nicht messbar ist."

Die deutsche Frühjahrsmüdigkeit und das 'spring fever' im englischsprachigen Raum

Das "spring fever" ist das Gegenteil der Frühjahrsmüdigkeit. Kolleginnen und Kollegen außerhalb des deutschsprachigen Raums sprechen Dr. Blume immer wieder auf die deutsche Frühjahrsmüdigkeit an. "Die sagen, also wir wissen gar nicht, was ihr eigentlich habt, das ist doch toll, wenn die Sonne wieder rauskommt, wir werden da erst richtig aktiv, das Tageslicht macht uns wach und wir freuen uns einfach, dass es wieder wärmer und die Tage länger werden."

Welchen Einfluss hat das Wetter auf politische Wahlen?

"Der Zusammenhang von Wetter und Wahlen wird seit Jahrzehnten erforscht", sagt Jessica Haak von der Uni Hamburg. Allerdings sei das Wetter nur einer von vielen Faktoren für die Wahlbeteiligung. Für einen begrenzten Einfluss des Wetters spreche der langfristig steigende Anteil der Briefwähler. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg beantragten nach Angaben der Wahlleiterin rund zwei Millionen Menschen Briefwahl, also rund jeder und jede Vierte.

Einen Einfluss können laut der Forschung auch extreme Wetterereignisse haben. "Grundsätzlich kann man sagen, dass aufgrund des Klimawandels Extremwetterereignisse sowohl in ihrer Häufigkeit als auch in ihrer Stärke zugenommen haben", sagt Haak. Aus diesem Grund sei in den letzten Jahren verstärkt untersucht worden, ob und wie Extremwetterereignisse das Wahlverhalten von Menschen beeinflussen. Dazu gebe es inzwischen mehrere Studien.

Porträtfoto von Christian Rönspies

Moderator SWR1 Sonntagmorgen Christian Rönspies

Moderator SWR1 Sonntagmorgen

Erstmals publiziert am
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Autor/in
Utku Pazarkaya
Porträt Utku Pazarkaya
Redakteur/in
Sabine Brütting
SWR-Redakteurin Sabine Brütting