Gespräch mit Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs 

Julia Juls & Co.: Rechtsextrem, musikalisch, von der AfD auf die Bühne geholt

Wahlkampfauftakt bei der AfD in Rheinland-Pfalz. Auf der Bühne steht die extrem rechte Liedermacherin Julia Juls, bürgerlich Julia Götz. Ihr Auftritt steht für ein Phänomen, das Musikwissenschaftler Thorsten Hindrichs Sorgen macht. 

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Liebe zum Land, Stimmung gegen links 

Ganz offen nationalsozialistisch seien die Texte meist nicht, die rechte Musiker und Musikerinnen wie Julia Juls vertonen, so Thorsten Hindrichs. Oft geht es um Liebe zum Land, um Gemeinschaft – also nichts, was sich eindeutig nationalsozialistischem Gedankengut zuordnen lässt.

Dieses Ungefähre sei eine Strategie, um der Zensur zu entgehen, sagt Hindrichs: „Das machen extrem rechte Musiker*innen ja schon seit 20, 25 Jahren nicht mehr, dass sie wirklich eindeutige, strafrechtlich relevante Texte produzieren.“  

Versteckt seien die Botschaften trotzdem nicht unbedingt, so Hindrichs. Einer der Songs von Julia Juls etwa heiße „Dumm, Dümmer, Antifa“. Den fände er jetzt nicht so besonders subtil.  

Verfassungsschutz kritisiert fehlende Distanzierung der AfD von Julia Juls 

Der Verfassungsschutz bezeichnete die Künstlerin in einem Bericht von 2024 als rechtsextremistische Liedermacherin. Dass Juls bei einer Wahlkampfveranstaltung der AfD auftrete, so der Bericht, sei ein weiterer Beleg für die mangelnde Distanzierung der rheinland-pfälzischen AfD zum offenen Rechtsextremismus. 

Aber auch im popmusikalischen Mainstream beobachtet Hindrichs immer weniger Berührungsängste mit eindeutig extrem rechten Publikum. Ein Beispiel dafür sei die Band „Weimar“. 

Türen auf für Neonazis 

Nachdem Spiegelrecherchen enthüllt hatten, dass Bandmitgliedern aus der Neonazi-Szene kamen, hatten die Mitglieder betont, dort nicht mehr aktiv zu sein. In einem Statement distanzierte sich die Band von „Gewalt, Extremismus jedweder Form, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Homophobie und dem fatalen, sich bis heute zu wiederholen scheinenden Irrglauben der Geschichte, dass manche Menschen besser seien als andere“. 

Trotzdem, so Hindrichs, seien die Konzerte der Band regelmäßig Treffpunkt für einschlägig bekannte, auch prominente Neonazis. Diese würden die Konzerte auch ohne Probleme besuchen können, ohne etwa abgewiesen zu werden.  

„Das sind so Symptome für mich, die zeigen, dass dieser Normalisierungsprozess schon sehr weit fortgeschritten ist“, sagt Hindrichs. 

Einer der großen Player der Szene kommt aus Rheinland-Pfalz 

In Rheinland-Pfalz habe man mit Labelbetreiber Malte Redecker in Schifferstadt einen der wichtigsten Player der Rechtsrockszene. Redecker versuche aktuell, über Mittelsmänner immer mehr andere Labels unter seine Kontrolle zu bringen. Dazu sei Deutschland international der größte und wichtigste Markt für extrem rechte Musik. 

„Dass dann ausgerechnet ein Akteur aus Rheinland-Pfalz auch noch einer der dicksten Fische im Geschäft ist, finde ich schon besorgniserregend“, sagt Hindrichs. 

Songs auch auf Spotify & Co abrufbar 

Hindrichs kritisiert die Zurückhaltung von Streaming-Diensten bei dem Thema. Diese verweisen oft darauf, dass Songs trotz Verbreitung und Ursprung in der rechtsextremen Szene strafrechtlich nicht verboten seien. Hindrichs vermutet dahinter einen Vorwand für „Klicks und Geld“. Er wünscht sich mehr von den Anbietern. 

„So ein Streaming-Dienst wie Spotify hat ja durchaus auch andere Möglichkeiten, zu sagen, wir möchten das aber trotzdem nicht bei uns haben“, findet Hindrichs. Gegen die zunehmende Präsenz rechter Musik könne man an sich wenig machen - umso wichtiger sei es jetzt, auf das Thema aufmerksam zu machen. 

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Philine Sauvageot
Philine Sauvageot, Team SWR Kultur
Interview mit
Thorsten Hindrichs
Onlinefassung
Ines Kunze
Team SWR Kultur: Autorin InesKunze