Kirchensteuer und Spenden reichen oft nicht
Ein stiller Ort in der Großstadt, zum Innehalten, Ruhen und Bewundern, was Menschen in den vergangenen Jahrhunderten schufen. Große Kirchen sind nach wie vor ein fester Bestandteil der meisten Stadterkundungs-Touren in Großstädten wie Köln, Berlin oder Dresden.
Doch im Gegensatz zu vielen anderen Touristenmagneten liegen sie nicht in öffentlicher Hand. Sie sind auf Finanzierung einer immer mitgliederschwächeren Kirche angewiesen. Was früher vergleichsweise problemlos durch Gläubigenspenden und Kirchensteuer abgedeckt werden konnte, stellt die Kirche heute vor Herausforderungen.
Berliner Dom: 15 Euro, Kölner Dom: 12 Euro
Für den Berliner Dom fiel die Entscheidung deswegen schon vor mehreren Jahren, Besucherinnen und Besucher an den Kosten zu beteiligen. Aktuell kostet der Eintritt dort 15 Euro. Jetzt zieht auch der Kölner Dom nach: 12 Euro sind künftig fällig, um in die baugewaltige Weltkulturerbestätte eintreten zu dürfen. Köln reagiert damit auf die anhaltenden Finanzierungsschwierigkeiten beim Unterhalt.
Wir sprechen von insgesamt vier Millionen Euro minus, alleine in diesem Jahr. Die Hoffnung ist, zukünftig jeden Tag ungefähr 24.000 Euro einzunehmen, um diese Kosten zu decken.
Bei der Dresdener Frauenkirche hingegen setzt man weiterhin auf kostenlosen Eintritt. Dafür springt jedem Besucher der Frauenkirche-Website direkt ein Spendenaufruf entgegen: Zwischen 5 und 50 Euro als einmalige oder regelmäßige Spende schlägt das voreingestellte Formular vor und verweist auf die Notwendigkeit der privaten Unterstützung.
Die Frauenkirche finanziere sich nicht aus Kirchensteuermitteln, heißt es zur Erklärung auf der Website. Es brauche das freiwillige Engagement von Spenderinnen und Spendern.
Patenschaft für einen Stein
Mitunter werden einige Kirchen kreativ, um Geld für den Erhalt der Bauwerke zu generieren: In der Frauenkirche etwa können Unterstützungswillige auch symbolische Patenschaften für Steine, Orgelpfeifen oder Sitzplätze abschließen. Andere setzen auf Alleinstellungsmerkmale, für die Touristen eher gewillt sind zu zahlen.
In Speyer etwa ist der Eintritt in den Kaiserdom kostenlos, dafür muss für den Zugang zu Krypta und Salier-Kaisergräbern gezahlt werden. Auch die Turmbesteigung zieht bei vielen großen Gotteshäusern: Das Ulmer Münster etwa, bis 2025 das Gotteshaus mit dem höchsten Kirchturm der Welt, verlangt für den Aufstieg 9 Euro pro Person.
Wallfahrtskirche ist beliebtes Motiv auf Instagram
Die Zeiten, in denen Religion und die Instandhaltung ihrer Häuser als selbstverständlich galten, scheinen vorbei. Aber Kirchen können als Kulturgut auf andere Art funktionieren: Allein optisch sind auch kleinere Kirchen oft ein Highlight – wie die Wallfahrtskirche in Birnau, die pittoresk umgeben von Weinbergen auf der schwäbischen Barockstraße liegt.
Andere wirken wie eine Art Zeitkapsel: Das Kloster Maulbronn etwa lässt eintauchen in eine jahrhundertelange Tradition als bedeutende Zisterzienserabtei und später als Internat mit teils berühmten Alumni wie Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse. Abgesehen vom Prominenz-Faktor lässt sich Geschichte hier authentisch nachfühlen, weswegen das Kloster in der Vergangenheit auch als Filmkulisse diente.
Die Wege, die Kirchen nehmen, um sich zu erhalten, sind unterschiedlich Der Unterhalt besonders opulenter Häuser dürfte in Zukunft immer mehr zur Herausforderung werden. Letzten Endes gehört aber auch dieser Zeitabschnitt zu all denjenigen, die das Bild von Kirchen maßgeblich prägen – am Ende stehen sie sinnbildlich für eine Institution, deren grundlegende Reformation schon lange gefordert wird.