Die Angriffe auf Journalisten und Medien gehören zu Donald Trumps bekanntesten Strategien – aktuell geraten verstärkt auch Formate der Popkultur ins Visier. Ob Late-Night-Comedy, Animationsserien oder investigative Shows: Wer Trump kritisiert, muss meist mit Konsequenzen rechnen.
Stephen Colberts „Late Show“ läuft bei CBS, das wie auch der Streamingdienst Paramount+ zum großen Medienkonzern Paramount Global gehört. Obwohl Colberts Show die erfolgreichste Late-Night-Sendung im US-Fernsehen ist, wird sie eingestellt. Gleichzeitig unterzeichnet Paramount+ einen Milliarden-Deal mit den „South Park“-Machern, deren neue Staffel Trump als nackten KI-Avatar durch die Wüste schickt. Ein Widerspruch?
Stephen Colbert: Der Mann, der Trump nicht schonte
Stephen Colbert hatte sich bereits 2016 offen gegen Trump positioniert. Seine Monologe während und nach dem Wahlkampf sowie rund um den Sturm aufs Kapitol wurden millionenfach gestreamt. Auch in Trumps später Amtszeit blieb Colbert eine der kritischsten TV-Stimmen.
Im Juni 2025 gab CBS bekannt, „The Late Show with Stephen Colbert“ 2026 einzustellen – ein überraschender Schritt, der viele Kommentatoren alarmierte. Colbert hatte kurz zuvor in einem sarkastischen Monolog die CBS-Mutter Paramount kritisiert – wegen einer Zahlung von 16 Millionen Dollar an Trump, um eine Klage gegen die Nachrichtensendung „60 Minutes“ beizulegen.
In der Show bezeichnete Colbert den Deal als „eine große, fette Schmiergeldzahlung“. Das Studiopublikum reagierte empört – und auch auf die spätere Absetzung mit Buh-Rufen. Colberts Kommentar: „Ich teile eure Gefühle.“ Trump selbst feierte den Vorgang auf Truth Social mit den Worten: „Ich liebe es total, dass Colbert gefeuert wurde.“
„South Park“: Trump, Satan und der Teufel
Parallel sorgte eine andere Sendung für Ärger im Weißen Haus: „South Park“. Die 27. Staffel der Animationsserie, die Anfang Juli in Amerika startete, widmet sich Donald Trump in mehreren Folgen. In der ersten Episode begegnet ein KI-generierter Trump dem Teufel persönlich – mit eindeutig sexuellen Avancen. Satan weist ihn ab. In späteren Szenen kriecht ein nackter Trump durch die Wüste.
Daneben gibt es subtile politische Kommentare: Die Figur Cartman kritisiert etwa die Streichung von Geldern für den öffentlichen Rundfunk. Auch Trumps Zollpolitik wird satirisch aufbereitet – Justin Trudeau wirft ihm in einer Szene vor, sich „wie ein Diktator aus dem Nahen Osten“ zu verhalten.
Die Reaktion aus Washington kam prompt: „South Park“ sei eine „viertklassige Serie“, die „seit über 20 Jahren nicht mehr relevant“ sei, erklärte Sprecherin Taylor Rogers. Die Macher versuchten nur, „mit uninspirierten Ideen verzweifelt Aufmerksamkeit zu erlangen“. Für Trump selbst sei „South Park“ „keine Gefahr“. Trotzdem hat der Präsident offenbar nicht die Größe, über die Serie einfach zu lachen.
Parker und Stone reagieren mit Pokerface und Ironie
Trey Parker und Matt Stone, die Schöpfer von „South Park“, begegneten der Kritik mit Ironie und Gelassenheit. Auf der Messe „Comic-Con International“ in San Diego reagierte Parker mit einem knappen „Es tut uns schrecklich Leid“, begleitet von einem ausdruckslosen Blick ins Publikum. Die Szene wurde auf Social Media tausendfach geteilt und als souveräne Retourkutsche gefeiert.
Über mangelnden Erfolg müssen sich Matt Stone und Trey Parker nicht beklagen. Gerade erst haben sie einen neuen Vertrag über 1,5 Milliarden Dollar mit Paramount abgeschlossen. Die Vereinbarung garantiert, dass „South Park“ weitere fünf Jahre weltweit auf Paramount+ zu sehen sein wird – samt exklusiver Streamingrechte und neuen Episoden.
Der Abschluss des Vertrags kam zu einem heiklen Zeitpunkt: Zeitgleich musste Paramount 16 Millionen Dollar an Donald Trump zahlen, um eine Klage wegen eines CBS-Beitrags in der Sendung „60 Minutes“ beizulegen. Dass nun ausgerechnet „South Park“ – bekannt für seine Trump-Satire – von Paramount gepusht wird, während Stephen Colberts kritische „Late Show“ beim Paramount-Sender CBS abgesetzt wird, wirft Fragen auf.
CBS vs. Paramount+: Unterschiedliche Strategien im Konzern
Ein scheinbarer Widerspruch: Während CBS – ebenfalls Teil des Paramount-Konzerns – Colbert absetzt, verlängert Paramount+ den Deal mit den „South Park“-Machern. Der eine geht, die anderen dürfen hemmungslos weitermachen. Doch der Unterschied liegt im Medium.
CBS steht für lineares Fernsehen, Werbekunden und konservativere Zielgruppen. Die Marke ist unter politischem Druck angreifbarer – auch im Hinblick auf Regulierungsbehörden wie die FCC (Federal Communications Commission). Derzeit steht eine milliardenschwere Fusion zwischen Paramount Global und Skydance Media an, für die politische Genehmigungen nötig sind. Kritische Inhalte könnten da zur Verhandlungsmasse werden.
Paramount+ hingegen ist ein internationaler Streamingdienst – weniger abhängig von nationaler Regulierung, dafür stärker getrieben vom globalen Markt. „South Park“ zieht junge Zielgruppen, ist popkulturell verwurzelt – und lukrativ. Hier gilt: Kontroverse verkauft sich. Und Trump als teufelsaffiner KI-Avatar funktioniert bestens.