Für bestimmte Menschen-Gruppen sei Bargeld essentiell, betont Michael David von der Diakonie Deutschland. Er leitet das Zentrum Soziales und Beteiligung und denkt beispielsweise an obdachlose Menschen. Sie verkauften vielleicht Straßenzeitungen oder bekämen von Passanten etwas Geld zugesteckt. Diese Einnahmequellen müssten dann über ein bargeldloses System laufen - die obdachlose Person müsste ein Karten-Lesegerät dabei haben und ein Konto besitzen. Das sei kompliziert, etwa wegen der Kontogebühren.
Bargeld ist soziale Teilhabe, sagte Michael David im Gespräch mit SWR1 Sonntagmorgen. Darum hat die Diakonie Deutschland zusammen mit anderen Verbänden diese Woche ihren Appell an die Bundesregierung geschickt. Unterzeichnet haben beispielsweise auch der Wohlfahrtsverband AWO, das Deutsche Kinderhilfswerk und der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Sie fordern ein Gesetz, das sicherstellt, dass Bargeld grundsätzlich als Zahlungsmittel akzeptiert wird.
Bargeld verschwindend schleichend aus dem Alltag
Um es einmal klar zu sagen: Keiner will das Bargeld in Deutschland abschaffen. Aber es ist ein schleichender Prozess. Je mehr Menschen kontaktlos bezahlen und online überweisen, desto mehr Bank-Filialen und Geldautomaten verschwinden aus unserem Alltag, desto mehr Cafés und Läden akzeptieren vielleicht kein Bargeld mehr. Das lässt sich gut in anderen Ländern wie beispielsweise Schweden beobachten, wo selbst kleinste Beträge mit der Karte bezahlt werden.
Michael David von der Diakonie Deutschland fallen viele Situationen ein, die ohne Bargeld schwer vorstellbar seien: Der Flohmarkt für gebrauchte Kinderkleidung, ein Kuchenbasar für die Klassenreise oder eine Spendensammlung in der Kirchengemeinde für Geflüchtete. "Deswegen brauchen wir das Bargeld, damit es für alle Menschen möglichst einfach und unkompliziert ist, Dinge erwerben zu können, die sie täglich brauchen."
Echtes Geld zum Üben für Kinder und Jugendliche
Ein weiteres Argument für Bargeld sieht Michael David in der Finanzkompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Diese müsse gefördert werden. "Es macht einen großen Unterschied, ob ich dem Kind ein kleines Taschengeld gebe und das Kind erfährt, was Geld bedeutet, oder irgendwas auf eine Karte drauf buche und das Kind das dann entsprechend ausrechnen muss." Bargeld sei ein niedrigschwelliger und sinnlicher Zugang, Kinder sollten mit echtem Geld den Umgang lernen.
Bargeld könne auch Freiheit bedeuten, so Michael David. Zum Beispiel, wenn man mit seinem Partner ein gemeinsames Konto besitze und dem anderen ein Geburtstagsgeschenk kaufen wolle. Durch die Kartenzahlung sei die Abbuchung möglicherweise schon vorher auf dem gemeinsamen Konto einsehbar und das Geschenk dann keine Überraschung mehr.
Gesetz zum Schutz des Bargelds
Die Wirtschafts- und Sozialverbände wollen mit ihrem Appell nicht die EC-Karte verbieten, betont Michael David von der Diakonie im SWR-Interview. Jeder solle selbst entscheiden, wie er bezahlen möchte, digital oder bar. Im Appell wird ein Gesetz zum Schutz des Bargelds gefordert. Ein Gesetz, das sicherstellt, dass alle Menschen kostenfrei und barrierefrei Zugang zu Bargeld haben - über Geldautomaten oder andere geeignete Lösungen.