Ethnotourismus als Problem

Wenn Reisen zum Blick auf den Anderen wird

Ethnotourismus bedeutet, aus Interesse an fremden Kulturen zu reisen – und kann mehr Schaden als Nutzen bringen. Alexander Trupp, Humangeograf an der Universität Innsbruck, warnt: „Ethnotourismus führt häufig zu marginalisierten Gruppen wie indigenen Gemeinschaften oder ethnischen Minderheiten.“

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Vielen geht es nicht um echte Begegnungen

Besonders problematisch sei dabei das Machtungleichgewicht zwischen Tourist*innen und Bereisten. In sogenannten Kayan-Dörfern in Thailand zum Beispiel zahlten Besucher Eintritt, um Frauen mit Messingringen zu fotografieren, ohne ihre prekäre Lebenslage zu reflektieren.

„Es geht vielen Reisenden nicht um echte Begegnungen, sondern um die Bestätigung ihrer eigenen Stereotype“, sagt Trupp. Oft werde dabei ignoriert, wie sehr Tourismus die Lebenswelt der Menschen vor Ort verändere.

Gibt es ein Mitspracherecht für lokale Gemeinschaften?

Auch kulturelle Aneignung sei ein Thema – etwa wenn Schmuck oder Kleidung aus fremden Kulturen ohne Kontext übernommen würden. „Verantwortungsvoller Ethnotourismus beginnt mit echter Partizipation der lokalen Gemeinschaften“, betont der Forscher.

Die Frage muss sich stellen: „Haben die lokalen Gemeinschaften ein Mitspracherecht bei der Gestaltung des touristischen Angebots oder wird das extern von der Reiseindustrie gesteuert?"

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Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Kerstin Bachtler
Interview mit
Alexander Trupp