Musikstücke im Dialog mit den Kunstwerken
Vier Planken ragen senkrecht aus einem Sockel: „Yamasaki“ hat Künstlerin Isa Genzken ihre reduzierte Skulptur genannt. Den Komponisten Alexander Tillegreen hat das Werk an ein Architekturmodell erinnert. In seiner Soundinstallation lässt er daher ein Vibraphon-Solo um die Skulptur laufen. Der Klang bewegt sich in dynamischem Tempo um das Werk wie um ein Gebäude.
Für die Klangausstellung „Stücke für Werke“ hat der dänische Komponist Alexander Tillegreen zehn Kunstwerke aus der Sammlung der Mannheimer Kunsthalle ausgewählt. Darunter sind etwa eine Zeichnung von Auguste Rodin, ein Gemälde von Edvard Munch oder eine Skulptur von Rosemarie Trockel. Die Musikstücke kommen aus Lautsprechern, die in der Nähe der Exponate angebracht sind. Sie sind im ganzen Museumsgebäude verteilt.
Das offene Gebäude der Kunsthalle ist selbst wie ein großes Instrument.
Manche Musikstücke stehen nicht im Dialog nur mit dem Kunstwerk selbst, sondern auch mit der Umgebung. Die Musik aus den Lautsprechern der anderen Räume soll die Besucherinnen und Besucher anziehen.
Als ob der todkranke Arnold Schönberg über seinen Schmerz spricht
Auch eine Bronzebüste der Bildhauerin Anna Mahler hat sich der Künstler ausgewählt. Sie zeigt den Komponisten Arnold Schönberg kurz vor seinem Tod. Aus den Lautsprechern dringt Schönbergs verzerrte Stimme. Es sind Worte, die Alexander Tillegreen aus einem Interview herausgeschnitten hat. Immer wieder sagt Schönberg das Wort „painting“. Doch plötzlich hört man „thing(s)-pain“ – Dinge, die wehtun.
Die Worte regen zum Nachdenken an: Spricht hier Arnold Schönberg gewissermaßen über seinen Schmerz, den er als jüdischer Künstler durch ein Leben im Exil und durch seine Krankheit erfahren hat? Oder über seine expressionistischen Werke, die den Nationalsozialisten missfielen?
Ein Auftragswerk der Mannheimer Kunsthalle
Auf die Idee zu der Ausstellung kam Johan Holten, der ehemalige Direktor der Mannheimer Kunsthalle. Das Team und er hätten sich die Frage gestellt, wie Kunstwerke eigentlich klingen. Für die Auftragsarbeit hat Alexander Tillegreen neben elektronischen Sounds auch Klänge des Berliner „Ensemble Mosaik“ verwendet. In Workshops haben sie Noten entwickelt – für Klarinette, Akkordeon oder auch Schlagzeug.
Einige Kunstwerke stellten für den Komponisten eine besondere Herausforderung dar. Zu anderen habe er sofort eine Idee gehabt. Dazu zählt die monumentale Skulptur „Vision One“ von Louise Nevelson. „Mein Klangstück habe ich mit verschiedenen Holzkreisen konstruiert – gewissermaßen wie die Skulptur“, sagt er. Seine Stücke weisen immer eine Ähnlichkeit zu den Exponaten auf, stehen aber auch für sich.
Tillegreens Klanginstallationen laden dazu ein, die Kunst und das Museum auf eine ganz neue Art zu erfahren. Seine Beobachtung: „Sie nehmen das Tempo heraus, was den Werken zugute kommt, aber natürlich auch der Musik selbst. Man kann sich um das Kunstwerk herumbewegen oder auf einen Museumshocker setzen und sich wirklich Zeit nehmen, um zuzuhören. Aber auch um zu schauen“.