Konflikte und Konsum

„Fremde Nachbarn – Rom und die Germanen“ im Limesmuseum Aalen

Sie haben gehandelt und gestritten – Römer und Germanen pflegten jahrhundertelang einen spannungsreichen Austausch. Davon erzählt jetzt eine große Sonderausstellung im Limesmuseum Aalen. Zu sehen sind 200 Exponate, darunter kostbare Schätze aus germanischen Fürstengräbern.

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Stand

Von Autor/in Katja Stolle-Kranz

Der kostbarste Schatz der Ausstellung ist ein Bronzekessel

Vorsichtig greift Nicole Ebinger, Leiterin der Archäologischen Restaurierung beim Landesamt für Denkmalpflege, in eine große Kiste und befreit einen Bronzekessel vom Seidenpapier. Er ist mit drei faustgroßen Büsten germanischer Sueben mit ihrer typischen Haartracht verziert.

AttacheBüste eines von drei Sueben mit typischer Haartracht (Suebenknoten) auf dem Kessel von Kariv (Ukraine)
Büste eines von drei Sueben mit typischer Haartracht (Suebenknoten) auf dem Kessel von Kariv, Ukraine.

Der römische Bronzekessel stammt aus einem Fürstengrab aus Kariv in der Westukraine und wird auf die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus datiert. Er ist eine Rarität und gilt als kostbarster Schatz der Ausstellung.  

Die Germanen mochten römischen Luxus

Zu den Grabfunden, die 2017 entdeckt wurden, gehören darüber hinaus auch Glasbecher oder eine Emaille verzierte Trinkhorn-Kette. Solche Kostbarkeiten dienten nicht selten als diplomatische Geschenke Roms an die Führer verbündeter germanischer Stämme.

Dokumentationsfoto der emaillierten Trinkhornkette aus dem Fürstengrab während der Restaurierungsarbeiten
Emaillierte Trinkhornkette aus einem westukrainischen Fürstengrab: Die Germanen standen auf römischen Luxus.

Denn es gab durchaus Begehrlichkeiten für römischen Luxus. „Rom war ein Sehnsuchtsort. Wenn man sich das Silber oder die Bronzegefäße anschaut: Die Germanen haben diesen römischen Luxus genutzt, um sich in der Community herauszustellen“, sagt Martin Kemkes vom Archäologischen Landesmuseum BW und wissenschaftlicher Leiter des Limesmuseums Aalen.

Der Handel überwand das Fremde

Im Alltag zwischen den römisch kontrollierten Provinzen und den Gebieten außerhalb des Römischen Reiches blühte der Handel, so der Experte. Man überwand das Fremde, profitierte voneinander, tauschte Waren.

Kessel von Kariv (Ukraine) mit Büsten dreier Sueben mit typischer Haartracht (Suebenknoten) aus einem germanischen Kriegergrab, 2. Jahrhundert n. Chr.
Dieser römische Bronzekessel aus einem germanischen Grab ist eine Rarität und der kostbarste Schatz der Ausstellung.

Allerdings kam es immer auf das Verhältnis der Römer zu den jeweiligen germanischen Stämmen an. Wer in der Gunst der Römer stand, hatte mehr Rechte, so Kempkes. Zudem gab es konfliktreiche Beziehungen zwischen den Kulturen. Nicht selten endete das Verständnis für die fremden Nachbarn an der Sperrspitze.

Limes in Süddeutschland – Grenze des antiken römischen Reiches

Helme und Masken, die Reiter zum Schutz ihres Gesichtes trugen sowie Speerspitzen zeugen von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen. Dass die Ausstellung mit über 200 Exponaten, darunter auch Schmuck, Pferdetrensen und Schalen - im Limesmuseum in Aalen präsentiert wird, kommt nicht von ungefähr.

Römische Maske eines Gesichtshelms
Römische Maske eines Gesichtshelms – sie schützen Reiter in der Schlacht.

Es ist das größte der Zweigmuseen des Archäologischen Landesmuseums BW und liegt am UNESCO-Welterbe Limes in Süddeutschland - dem Grenzraum des antiken römischen Reiches.  

Völker leben schon immer im Austausch miteinander

Thematisch und geografisch ist der Bogen der Zusammenschau weit gespannt. Beim Rundgang scheinen einem die „Fremden Nachbarn” über Grenzen hinweg näher zu kommen.

Genau dafür wirbt die Ausstellung: „Dass wir im Austausch miteinander leben. Dass es Migrationen gibt seit der Urgeschichte“, so Projektleiter Martin Kemkes. „Dass es dabei zu Konflikten, aber auch zu positiven Entwicklungen kommt. Es gibt auch das friedliche Miteinander.“ 

Paläogenetik Stammen wir alle von Augustus ab?

Schon früher gab es Migration und Vertreibung. So steckt wohl in uns allen alles mögliche: Römer, Germanen, Kelten, Inder, Chinesen, Afrikaner. Von Gábor Paál. | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.