Die amerikanische Punkband „Black Flag“ veröffentlichte die ersten Pettibon-Cover
Die Plattencover haben es in sich: Auf einem knallroten umfasst eine Nonne ein behaartes Männerbein, auf einem anderen zielt eine Frau im gelben Kleid mit der Waffe auf ihren Geliebten und auf dem nächsten erschießt ein Mann im Comic-Style seine Familie – der ironische Titel dieses Albums: „Family Man“.
Die amerikanische Punkband „Black Flag“ war die erste, die in den Siebzigerjahren die Cover mit Comic-Zeichnungen von Raymond Pettibon veröffentlichte. Nach ihrem ersten Album „Nervous Breakdown“ von 1978 – „Nervenzusammenbruch“ – ist die Ausstellung benannt.
„Desillusionierungskünstler“ wird Raymond Pettibon einmal genannt
Astrid Ihle hat sie kuratiert. 200 Exponate eines privaten Sammlers aus Hessen werden gezeigt – Kunstcover aus fast 50 Jahren.
„Er kommt eben aus der Punkrockszene und zeichnet selber sehr viele Comics und Fanzines und fängt zu dieser Zeit ein diffuses Unwohlsein auf, das seine Generation umtreibt“, sagt die Kuratorin. „Es ist das Ende der Hippiekultur, es ist der Anfang eines neuen Konservativismus in den USA.“
Und sein Werk ist laut Museum eine „schonungslose Bestandsaufnahme des American Dream“. Pettibon will die Schattenseiten der amerikanischen Gesellschaft beleuchten. „Desillusionierungskünstler“ wird er in einem Artikel mal genannt. Das passe, sagt Kuratorin Ihle:
„Die Themen, die er verarbeitet, sind oftmals aus den Massenmedien, aus der Populärkultur, und es sind oftmals Gangster-Narrative, Szenen aus dem Film Noir. Es geht viel um Gewalt, um Drogen, es geht auch um sehr explizite Sexualität.“ Und oft gibt’s einen handschriftlichen sarkastischen Kommentar dazu.
Ein Albumcover für Sonic Youth macht ihn 1990 schlagartig bekannt
Mit dem Sonic Youth Album „Goo“ kommt 1990 sein Durchbruch, Pettibon wird schlagartig bekannt. Das Schwarz-Weiß-Cover ist heute eine der Ikonen der Pop-Kultur: Ein Paar im Profil, mit Sonnenbrillen, die Frau hält eine Zigarette in der Hand. Cool und düster.
„Das Interessante ist, dass Raymond Pettibon dem ohnehin schon düsteren Motiv einen eigenen Text hinzufügt“, erklärt Astrid Ihle. „Da steht so etwas wie: ‚Ich habe den Freund meiner Schwester ausgespannt, wir haben unsere Eltern umgebracht, wir sind jetzt on the Road, auf der Flucht‘.“
Es sei eigentlich Bonnie und Clyde reloaded für die Neunzigerjahre, so Ihle weiter: „Es ist vier Jahre vor Quentin Tarantinos „Natural Born Killers“. Er hat den Zeitgeist nicht mal erkannt, er prägt ihn ja.“
Pettibon ist mehr als ein Chronist des amerikanischen Zeitgeists
Pettibon zeigt den Mythos „American Dream“ nicht als Erfolgsgeschichte, er zeigt soziale Ungleichheit, Gewalt, Rassismus und Sexismus. Er hat ein Gefühl für gesellschaftliche Abgründe, auch auf Plattencover und Comics.
Für Museumsdirektor René Zechlin ist Pettibon mehr als nur ein Chronist des amerikanischen Zeitgeists: „Chronist klingt so neutral! Er ist ja eher der Satiriker, der alles auf die Spitze dreht, umkehrt teilweise, Ironie drin zeigt. Bitterböser Sarkasmus auch.“
Das Hackmuseum Ludwigshafen hofft auf viele Musikfans
Und trotzdem sind die Cover liebevoll detailliert gezeichnet. Ein Baseballspieler auf einer weißen Schallplatte kurz vor dem Aufschlag – Der Text dazu: „Wer bin ich, welche Art Mann bin ich?“ Ironie pur.
Auch heute noch kreiert der 68-jährige Pettibon Cover – zuletzt für US-Künstlerin Lana Del Rey und Iggy Pop. Und so hofft das Hack-Museum in Ludwigshafen jetzt auch auf viele Musikfans, die in die Ausstellung strömen.
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