Romantik durch den Mixer gedreht
Deutschland – Heimatland des Toasts Hawaii. Das Künstlerduo Albrecht/Wilke taucht diese Ikone deutscher Lebensart in schönste Bonbonfarben. Eine deutsche Pop-Art nennt das Marco Hompes, der Leiter des Kunstmuseums Heidenheim, „mit der deutschen Romantikmalerei durch den Mixer gedreht“.
Ein witziger Appetizer für das Thema. Doch schon hier schwingt deutsche Geschichte mit. Das Motiv der deutschen Landschaft wandert in die Werbung. Ähnlich verpflanzt der Südkoreaner Jaemin Lee Käse-, Schinken- und Butter-Verpackungen in eine ölgemalte Wald- und Wiesendekoration. Plastikfood trifft auf Pseudoidylle.
Die deutsche Seele wird in der Ausstellung ordentlich auseinander genommen. Mit einem Augenzwinkern, ironisch, doch auch ernst. Nationale Identität in Deutschland ist unverändert ein heikles Thema.
Die Verteidigung des deutschen Liegestuhls
„Was ist denn deutsch?“, fragt Museumsleiter Marco Hompes. „Viele Parteien werben damit, mit deutschen Werten, deutscher Heimat. Ich habe mich immer schon gefragt, was sie damit eigentlich meinen.“
Die Antworten sind leider „nicht besonders toll“, resümiert der Heidenheimer Museumschef: Sandalen mit Socken oder reservierte Liegestühle. „Sind das deutsche Werte, die wir verteidigen müssen“, fragt Marco Hompes ironisch, oder wird mit dem Herumreiten auf den Werten „nicht eher Stimmung gemacht“?
Mülltrennung und Postkarten-Idylle
Auch „Otto-Normalverbraucher“ (noch so ein deutscher Begriff) durften zeigen, was sie mit „Deutschsein“ verbinden. Die Mülltrennung taucht ebenso auf wie eine Installation der „Kehrwoche“. Alles weniger stolz als ironisch gemeint.
Dasselbe gilt für die Postkarten der Künstlerin Bianca Patricia Isensee. Der „Gruß vom Bodensee“ wirkt bei näherem Hinsehen nicht gerade pittoresk. Man sieht Kampfjets und Kriegswerkzeug, eine Erinnerung an die Firmen der Rüstungsindustrie in der Region.
„Macht das uns als Deutsche aus?“
Alle Besucherinnen und Besucher dürfen eine solche Karte mitnehmen. Ist doch nett! Aber auch bitter. „Deutsch!“ Am Ende wird aus dem Ausrufezeichen im Ausstellungstitel eher ein Fragezeichen.
Wobei es Spaß machen soll, „den Alltag in den Kopf zu bekommen“, sagt Marco Hompes, „mal genauer zu hinterfragen: Macht das uns als Deutsche aus?“
Vielleicht tut es ja sogar ganz gut, auf Identität und Vergangenheit einen ironischen Blick zu pflegen. Es ist jedenfalls nicht verkehrt, so signalisiert die Ausstellung „Deutsch!“ in Heidenheim, es mit den schweren Werten etwas lockerer zu nehmen.
Weitere Themen aus der Sendung
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