Kunst

Britta Marakatt-Labba: Mit Nadelstichen gegen die Mächtigen

Die indigene Künstlerin stickt faszinierend fragile polare Landschaften, mit denen sie die Kultur des Sàmi-Volkes wach hält und gleichzeitig gegen ihre Auslöschung kämpft.

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Von Autor/in Maja Hattesen

Britta Marakatt-Labba fertigt seit Jahrzehnten gestickte Landschaften, die das Leben und die Kultur ihres Volkes der Sàmi zeigen: Die endlosen Weiten am Polarkreis, Rentierhaltung meist in kühlem Blau und auch in den kleinsten Gesichtern unter den Wollmützen individuelle Züge.

Monatelang sitzt die indigene Künstlerin an einem Bild. Schlagartig bekannt wurde sie mit einem meterlangen gestickten Fries auf der Documenta 14 im Jahr 2017.

Neben den frühen Idyllen aus den achtziger Jahren, als die Sàmi, damals noch Lappen genannt, noch mit Hundeschlitten ihren Rentierherden hinterherjagten, schleichen sich immer wieder beunruhigende und brutale Motive in ihre Bilder: Ratten und Krähen übernehmen die Tipis, die Zeltstädte der Sami, das letzte indigene Volk Nordeuropas.

„Wir denken nicht in Grenzen“

Für sie sind die Ratten „die Herrschenden, die uns alles wegnehmen, unseren Lebensraum zerstören, Menschen, die in Grenzen denken.“ Britta Marakatt-Labbas Volk durchstreift seit hunderten Jahren ein Gebiet, das vier Länder umfasst: Russland, Schweden, Finnland und Norwegen. „Wir denken nicht in Grenzen.“

Neben Investoren, Bergwerksunternehmen, die seit Jahrzehnten die Landschaft durchbohren und zersiedeln, sind es auch paradoxerweise die riesigen Windparks, die zum Problem für die Rentier-züchtenden Sàmi werden. Die Künstlerin warnt mit ihren betörend schönen Stofflandschaften vor dem Ausverkauf unserer Erde.

Jetzt sind ihre Arbeiten in der Mainzer Kunsthalle noch bis Juli zu sehen.

Mainz

Ausstellung „Stitched Tracks“ in der Kunsthalle Mainz Sámi-Künstlerin Britta Marakatt-Labba: „Lass denen etwas übrig, die nach dir kommen“

Bilder über die Natur und die Mythen des bedrohten samischen Volkes: Eine der bekanntesten Künstlerinnen Nordskandinaviens zeigt ihre erste Einzelaustellung in Deutschland.

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