Galerie Altes Rathaus Musberg

Frühe Arbeiten – Ben Willikens in Leinfelden-Echterdingen

Kunst von Ben Willikens ist im Besitz unzähliger Museen weltweit – auch die Stadt Leinfelden-Echterdingen zählt dazu. Weil der Künstler in jungen Jahren nämlich die Miete für sein Atelier nicht aufbringen konnte, bezahlte er den Bügermeister der Stadt mit Kunst. Die Galerie Altes Rathaus Musberg zeigt nun einige seiner Kleinformate aus den Jahren 1969 und 1975: Einblicke in eine zentrale Schaffensphase des damals knapp 30-jährigen Künstlers.

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Von Autor/in Tobias Ignee

Ein besonderer Künstler in der kleinen Musberger Galerie

Normalerweise werden in der Galerie Altes Rathaus Musberg zeitgenössische Künstler vorgestellt, die noch nicht so bekannt sind und deren Kunst vor allem nicht großformatig ist. Denn dafür ist das kleine, niedliche, historische Gebäude mit seinem Glockenturm und den schiefen Wänden nicht besonders geeignet.

Dass ausgerechnet Ben Willikens, der für das Großformat auch international bekannt ist, hier ausstellt, ist schon was Besonderes. Der Grund: der heute 86-jährige Künstler hat der Stadt Leinfelden-Echterdingen viel zu verdanken.

Ben Willikens tauschte Kunst gegen Miete

Denn er ließ sich Ende der 1960er-Jahre auf einen Deal mit dem kunstsinnigen Bürgermeister Eckhardt Laible ein, der Mieter für ein ehemaliges Fabrikgebäude suchte.

„Weil Ben Willikens keine Miete zahlen konnte, kam die Idee, dass er mit Kunstwerken bezahlt. Für Leinfelden-Echterdingen ein enormer Glücksfall, dass wir jetzt solche frühen Werke in unserer Sammlung haben.“, sagt Caroline Meyer-Jürshof vom Kulturamt. 

„Raum ist die Grundbedingung für Kunst“

Über 40 Werke wechselten so damals den Besitzer, darunter Druckgrafiken, Zeichnungen, seltene Reliefs oder Werke aus dem Zyklus „Anstaltsbilder“. Etwa die „Anstaltsliege Nr.1“ von 1972.

Ben Willikens: Anstaltsliege Nr. 1, 1972
Ben Willikens: Anstaltsliege Nr. 1, 1972, Acryl auf Leinwand.

Damals war das Bild - Acryl auf Leinwand - 2000 DM wert, heute würde es ca. 80 000 Euro bringen, was Ben Willikens aber nicht reut. „Das spielt heute auch keine Rolle mehr“, sagt der Künstler.

„Aber ich muss sagen: Ein Künstler braucht am Anfang viel Raum. Heute habe ich in einem einzigen Atelier 2000 Quadratmeter und mein Stuttgarter Atelier ist auch noch da. Raum ist die Grundbedingung und das kann man am Anfang eben nicht zahlen“, so Willikens.

Erstmals Zeichnungen der Reihe „Cyclon B“ zu sehen

In dieser Zeit entstanden die Werke, von denen nun über 20 erstmals zu sehen sind. Willikens, der zuvor an der Kunstakademie in Stuttgart studiert hatte und gerade von einem Stipendium in London zurückgekommen war, begann sich in dem kleinen Atelier künstlerisch mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und mit dem Krieg zu beschäftigen, den er als Kind in Leipzig erlebt hatte.

Ben Willikens: Cyclon B, 1969, Graphit auf mit Tusche laviertem Papier.
Ben Willikens: Cyclon B, 1969, Graphit auf mit Tusche laviertem Papier.

So entstand etwa auch die Zeichnungsreihe „Cyclon B“. Zu sehen: surreal anmutende, seltsam deformierte Wesen im Vordergrund, im Hintergrund Fabrikanlagen und Schornsteine – alles im für den Künstler typischen grau in grau.

„Es ist das erste Mal, dass vier dieser Zyklon B-Zeichnungen in einer Ausstellung gezeigt werden, da er sie selbst für lange Zeit für nicht gelungen gehalten und weggesperrt hatte. Die Serie zeigt, wie Willikens hingekommen ist zur Hauptkonzeption seiner Kunst: Die Welt ist eine Anstalt und der Mensch ist ihr Insasse.“, sagt die Kuratorin Isabel Skokan.

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